Werbung

Die Chancen für Berufspendler

Steuertipps

  • Von Annegret Hostrup-Dille
  • Lesedauer: 4 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Immer mehr Arbeitnehmer müssen für ihre Arbeit weite Anfahrtswege auf sich nehmen. Laut einer aktuellen Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung fahren rund 60 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland zum Job in eine andere Gemeinde - Tendenz steigend. Häufig ist entfernungsbedingt eine Zweitwohnung am Arbeitsort erforderlich. Die Kosten dafür lassen sich im Rahmen der doppelten Haushaltsführung in begrenzter Höhe steuerlich absetzen.

Erhebliche Kosten für berufsbedingte Zweitwohnung

Nach einem aktuellen Urteil können Pendler womöglich deutlich mehr Aufwendungen geltend machen. Betroffene sollten ablehnende Bescheide vom Finanzamt anfechten, um gegebenenfalls von einem steuerzahlerfreundlichen Urteil in letzter Instanz zu profitieren.

Eine beruflich bedingte Zweitwohnung ist für Berufspendler ein erheblicher Kostenfaktor. Der Fiskus greift Arbeitnehmern und Selbstständigen unter anderem bei den Unterkunftskosten unter die Arme, sofern eine anerkannte doppelte Haushaltsführung vorliegt. Monatlich lassen sich bis zu 1000 Euro der Aufwendungen, die mit einer Zweitwohnung anfallen, steuerlich absetzen. Bei Mietwohnungen akzeptiert das Finanzamt nicht nur die Miete, sondern unter anderem auch Betriebs-, Renovierungs- und Reinigungskosten. Handelt es sich um Wohneigentum, kommen die Gebäudeabschreibung und die Finanzierungskosten hinzu.

Bislang gehen die Finanzämter davon aus, dass auch die Kosten für Einrichtung und Hausrat unter den monatlichen Höchstbetrag von 1000 Euro fallen. Das sieht das Finanzgericht Düsseldorf (Az. 13 K 1216/16 E) in einem aktuellen Urteil anders. Die Richter gehen davon aus, dass diese Kosten in unbegrenzter Höhe abzugsfähig sind, da sie keine Unterkunftskosten darstellen. Gegen den Richterspruch ist ein Revisionsverfahren vor dem Bundesfinanzhof (BFH) anhängig.

Berufspendler müssen Risikofaktoren bedenken

Betroffene sollten bis zur abschließenden Entscheidung den Steuerabzug für alle sonstigen notwendigen Aufwendungen beantragen, auch wenn sie damit das monatliche Limit von 1000 Euro überschreiten. Lehnt das Finanzamt den Abzug ab, sollten sie mit Verweis auf das anhängige BFH-Verfahren Einspruch einlegen und ein Ruhen des Verfahrens beantragen.

Wie auch immer der BFH in der Sache entscheidet: Berufspendler sollten grundsätzlich immer die Risikofaktoren für die Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung im Blick haben. Denn Gesetzgeber und Rechtsprechung verschärfen zunehmend die Voraussetzungen.

Eine für ein Steuerjahr anerkannte doppelte Haushaltsführung kann bei gleichen Rahmenbedingungen auf Seiten des Berufspendlers, aber geänderter Rechtsprechung oder Gesetzgebung, im nächsten Steuerjahr hinfällig sein. Wird der Werbungskostenabzug wider Erwarten nicht anerkannt oder geht ein bestehender verloren, entsteht bei der Finanzierung der Zweitwohnung schnell eine schmerzliche Lücke.

Der Lebensmittelpunkt ist entscheidend

Zentrale Vorgabe für eine Anerkennung ist, dass der Lebensmittelpunkt weiterhin am Sitz der Hauptwohnung liegt. Als Lebensmittelpunkt betrachtet der Fiskus den Wohnort, an dem die wichtigsten sozialen Beziehungen bestehen.

Keine Probleme haben Steuerzahler in der Regel, wenn die Hauptbezugsperson in der Erstwohnung lebt. Schwieriger wird es hingegen, wenn der ebenfalls berufstätige Ehegatte, Lebenspartner oder Lebensgefährte mit in die Zweitwohnung zieht. Dann muss sich der Lebensmittelpunkt zwar nicht zwingend an den Beschäftigungsort verlagern (BFH-Urteil, Az. VI R 16/14). Jedoch kann die Betrachtung der Gesamtumstände auch dafür sprechen.

In solchen Fällen sollten Pendler darauf achten, dass sie dem Finanzamt keine weiteren Indizien für einen Lebensmittelpunkt am Arbeitsort liefern. Dazu gehören etwa eine geringe Anzahl von Heimfahrten, Vereinszugehörigkeiten am Beschäftigungsort oder eine im Vergleich zur Hauptwohnung größere und besser ausgestattete Zweitwohnung.

Grundsätzlich schlechte Karten haben laut Finanzgericht München (Az. VIII R 29/16) Berufspendler, wenn sich am Arbeitsort auch noch die Kinder befinden. Jedoch ist gegen dieses Urteil aktuell ein Revisionsverfahren vor dem Bundesfinanzhof anhängig.

Stolperfallen für allein- stehende Arbeitnehmer

Stolperfallen drohen auch vielen alleinstehenden Arbeitnehmern. Für sie verschärft ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums die Vorgaben zur Anerkennung eines Hausstandes am Heimatort, sofern sie Wohnraum als Lebensgefährte oder Mitbewohner nutzen (Az. IV C 5 - S 2353/14/10002). Das Finanzamt prüft dann genau, ob eine angemessene finanzielle Beteiligung an den Kosten der Lebensführung vorliegt.

Noch einige Tipps: Pendler sollten sich zu mehr als zehn Prozent an den monatlichen laufenden Kosten der Haushaltsführung beteiligen und die Zahlungen grundsätzlich überweisen, damit eine beweissichere Dokumentation vorliegt. Sie sollten immer einen Mietvertrag abschließen. So verschaffen sie sich ein eigenes Recht an der Hauptwohnung und erfüllen eine wichtige Voraussetzung für die Existenz eines eigenen Hausstandes.

Die Autorin ist Steuerberaterin der Kanzlei WWS in Aachen.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen