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Mehr Studenten sollen Pädagogen werden

Der rot-rot-grüne Senat will in den nächsten fünf Jahren rund 70 Millionen Euro für die Lehrerausbildung an Universitäten investieren

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

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Lena Sistig hat einen klaren Berufswunsch. Sie möchte Lehrerin werden. »Als Schülerin hätte ich es mir mir gar nicht vorstellen können, Pädagogin zu werden«, sagt die 24-Jährige. Der Entschluss kam erst nach dem Abitur während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres.

»Ich habe damals viel mit Schülervertretungen zusammen gearbeitet«, erzählt die junge Frau. Dabei habe sie gelernt, dass Schule nicht immer nur Frontalunterricht heißen muss, sondern es auch kreative Formen des Lehrens und Lernens gibt. »Ich habe gemerkt, dass Schule auch anders gehen kann«, sagt sie. Diese Erfahrung habe sie begeistert.

Derzeit studiert Sistig im fünften Fachsemester Französisch und Politikwissenschaften auf Lehramt an der Freien Universität. Den Gedanken, junge Menschen für eine neue Sprache und gesellschaftliche Zusammenhänge zu begeistern, findet die gebürtige Berlinerin spannend. »Das Studium macht mir im Großen und Ganzen Spaß«, sagt sie.

Berlin braucht dringend mehr junge Menschen wie Sistig, die sich für den Lehrerberuf beigeistern können. Denn der Mangel an Pädagogen ist mit Blick auf die stetig wachsenden Schülerzahlen und die bevorstehende Pensionierungswelle dramatisch. Allein zum Februar musste eine Rekordzahl von 1000 frei gewordene Stellen neu besetzt werden. Dank der vielen Quereinsteiger in den Lehrerberuf konnte diese Zahl auch gemeistert werden, wie die Senatsbildungsverwaltung mitteilte. Richtig kritisch dürfte es im Sommer werden. Dann werden noch einmal weitaus mehr Stellen neu zu besetzen sein.

Um der Lage Herr zu werden, will Berlin die Ausbildung von Lehrern schnell ausbauen. Rund 70 Millionen Euro sollen gemäß der neuen Hochschulverträge den Universitäten in den nächsten fünf Jahren für notwendige Infrastrukturmaßnahmen in der Lehrkräftebildung zur Verfügung gestellt werden.

Zudem haben die Universitäten zugesichert, ihre Informationsangebote für Studieninteressierte zu erweitern und Maßnahmen zur Verbesserung des Studienerfolgs zu entwickeln. Auch die Etablierung spezieller Masterstudiengänge zur Qualifizierung für den Lehrerberuf von Bachelor-Absolventen ohne vorherigen Lehramtsbezug sind in Planung.

»Für unsere Schulen wollen wir die bestausgebildeten Lehrer«, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) mit Blick auf die geplanten Investitionen. Deshalb investiere man nicht nur in den Ausbau der Lehrkräftebildung, sondern verbessere auch die Studienbedingungen, so der Regierende.

Das ambitionierte Ziel: Bis 2022 soll die Zahl der in Berlin ausgebildeten Lehrer auf jährlich 2000 verdoppelt werden, davon allein 800 für die Grundschulen. In den Klassenstufen eins bis sechs zeigt sich der Pädagogenmangel ebenso wie in den Fächern Mathematik, Physik und Chemie ganz besonders deutlich.

Die aktuellen Zahlen der Senatsbildungsverwaltung unterstreichen die Dringlichkeit der Ausbaupläne. Im Wintersemester 2017/18 verbuchten die Berliner Universitäten einen Anstieg von Einschreibungen in den lehramtsbezogenen Studiengängen. So nahmen im Oktober 2017 2507 Studenten ein Bachelorstudium mit Lehramtsbezug auf. Das waren 300 mehr als im Wintersemester des Vorjahres. Insgesamt entspricht das einem Zuwachs von 14 Prozent. Im Master stieg die Zahl der Lehramtsstudenten um 120 auf 1198. Das ist ein Plus von elf Prozent im Vergleich zu 2016.

Lena Sistig will nach ihrem Abschluss an einem Gymnasium unterrichten. Mit ihrer Fächerkombination sieht sie dort die besten Chancen. Dass der rot-rot-grüne Senat Millionen Euro in die Lehrerausbildung investieren will, sieht sie als einen wichtigen Schritt. Allerdings müsse ihrer Meinung nach nicht nur die Quantität, sondern vor allem auch die Qualität der Ausbildung verbessert werden. »Das Lehramtsstudium ist viel zu verschult und wir werden auch zu wenig der Praxis ausgesetzt«, kritisiert Sistig.

Dass die praktische Lehrerfahrung in Unterrichtssituationen lediglich einen kleinen Teil des Studium ausmache, habe direkte Auswirkungen auf die Ausbildung, erläutert Sistig. So habe sie von ehemaligen Kommilitonen gehört, die erst während des Referendariats gemerkt hätten, dass ihnen das Unterrichten gar nicht wirklich liege. »Man muss als Lehrer in einer Schulkasse schnell und angemessen handeln können. Darauf werden wir aber gar nicht vorbereitetet«, sagt die angehende Lehrerin.

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