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Rolf Hochhuth

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Dem Volk wird oft geschmeichelt - in Wahrheit ist es um nichts weniger ekelhaft als »seine« Bonzen. Als den Charlottenburgern erlaubt war, durch Abstimmung die 90 Jahre alten, vom Juden Max Reinhardt persönlich finanzierten, 2 Kudamm-Bühnen vor dem Abriß durch kanadische Investitions-Haie zu retten - in der kultivierten Kaiserzeit völlig undenkbar, daß Ausländer in Berlin hätten Bühnen abreißen dürfen -, kamen ganze 13,68% zur Abstimmung: Die Demokratie ist deshalb der Todfeind der Künste, weil sie nie jemandem so gleichgültig war wie den Demokraten.

Unter den jeweils nur wenige Zeilen umfassenden »Einsprüchen« und »Widerworten« Rolf Hochhuths, die im Band »Eifelturm. Titanic. Mondlandung. Mindestrente« (Edition A. B. Fischer, 144 S., geb., 18 €) versammelt sind, ist das oben zitierte eines, in dem sich gleich mehrere Charakteristika dieses Autors ausmachen lassen: seine Eitelkeit (im Theater am Kurfürstendamm kam Hochhuths Drama »Der Stellvertreter« 1963 zur Premiere), seine Verachtung der Demokratie, die er als Totengräberin »wahrer« Kunst betrachtet (immer wieder beruft er sich auf Oswald Spenglers »Untergang des Abendlandes«), seine Kampfeslust gegen Übermächte (seien es »Bonzen« oder der Kapitalismus amerikanischer Bauart), sein Hang zum gewagten Einzelgang (wer sonst bringt so gerne die Mehrheit gegen sich auf?). In jeder Zeile dieses Buches wird der mittlerweile 86-Jährige seinem unermüdlich erarbeiteten Ruf als Störenfried und Querulant gerecht - dies aber so pointiert und beziehungsreich, dass die Lektüre Freude bereitet. Und sei es die Freude am Widerspruch. mha

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