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Tausende Menschen bei Cottbusser Sternmarsch für Weltoffenheit

Ministerpräsident: Cottbus lässt sich seinen Ruf nicht kaputt machen

  • Lesedauer: 3 Min.

Cottbus. Bunte Luftballons vom Toleranten Brandenburg, Botschaften wie »Liebe statt Hass« auf Plakaten, Fahnen der Verfolgten des Naziregimes, der Bergbaugewerkschaft IGBCE und des Energieunternehmens Leag: In Cottbus haben am Donnerstagabend mehrere tausend Menschen mit einem Sternmarsch für Weltoffenheit und gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert.

Das Bündnis »Cottbusser Aufbruch« gegen Rechtsextremismus sprach von mehr als 3.000 Teilnehmern. Von dem Sternmarsch gehe »ein klares Signal« aus, dass sich die Stadt ihren Ruf von niemandem kaputtmachen lasse, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bei der Abschlusskundgebung vor der evangelischen Oberkirche der Stadt: »Cottbus bleibt Cottbus, Cottbus bleibt weltoffen und tolerant.«​ Daran beteiligten sich auch weitere Vertreter der Landesregierung sowie der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, und die Cottbusser Superintendentin Ulrike Menzel.

Anlass des Sternmarschs waren Angriffe von Rechten auf Geflüchtete, die die Lausitzstadt bundesweit in die Schlagzeilen brachten, mehrere Aufmärsche der rechten Szene unter Beteiligung von AfD-Vertretern in den vergangenen Wochen und der 73. Jahrestag des alliierten Luftangriffs auf Cottbus. An die Opfer des Luftangriffs vom 15. Februar 1945 wurde zuvor mit einer Gedenkandacht und einem Friedensgebet in der Lutherkirche erinnert.

Dass Krieg und Vernichtung auch über Cottbus gekommen seien, habe seinen Anfang 1933 und schon zuvor genommen, »als ähnliche Demagogen und Rechtsextremisten unterwegs waren, die auch heute wieder versuchen, unterwegs zu sein«, betonte Woidke. Auch deshalb gehe von der Stadt an diesem Tag ein deutliches Signal gegen Rechtsextremismus aus.

Cottbus sei eine attraktive Stadt, auch für Menschen, die aus Kriegsregionen oder unwürdigen Lebenssituationen hätten fliehen müssen, sagte Bischof Dröge bei der Abschlusskundgebung. In der Stadt gebe es großes Engagement, um Flüchtlinge aufzunehmen und zu integrieren, darauf könne Cottbus stolz sein.

Aber es habe auch »Erschreckendes in Cottbus gegeben«, sagte Dröge weiter. Flüchtlinge seien bedroht und verfolgt worden, andere Geflüchtete hätten Bürger bedroht. Das verunsichere und mache Angst. Angst dürfe jedoch nicht mit »Angstschüren« beantwortet werden. »Wir haben schon einmal erlebt in diesem Land, dass die Abschottung und die Vergötterung der eigenen Nation zu unendlich viel Leid, Krieg und Vernichtung geführt haben«, betonte Dröge. Dafür stehe auch der 15. Februar, der Jahrestag des Bombenangriffs auf die Stadt.

»Ich bin stolz, so viele hier auf dem Platz stehen zu sehen«, sagte Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU): »Wir sind nicht gespalten, wir sind vereint.« Ziel der Politik sei, das Beste für Einheimische und Geflüchtete zu erreichen und den politischen Rändern mit Argumenten »das Wasser abzugraben«.

Zu dem Sternmarsch hatten unter anderem das Bündnis »Cottbusser Aufbruch« und die brandenburgischen Landesverbände von SPD, Linken, CDU, Grünen und FDP aufgerufen. Laut dem Bündnis »Cottbus ist bunt« ereignete sich der jüngste rechte Übergriff am Donnerstagmittag. Zwei spanisch-sprechende Studentinnen seien in der Stadt rassistisch angegriffen und mit Steinen beworfen worden, hieß es auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. epd/nd

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