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Geharnischter Protest

Die Fans wollen Eintracht Frankfurt beim Montagsheimspiel die kalte Schulter zeigen

  • Von Frank Hellmann, Frankfurt
  • Lesedauer: 4 Min.

Erst am Freitag haben Axel Hellmann, Mitglied des Vorstands von Eintracht Frankfurt, und Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), länger miteinander telefoniert. Worüber sich die Funktionäre ausgetauscht haben, lag auf der Hand: das erste Montagsspiel der Bundesliga-Saison. Eintracht Frankfurt gegen RB Leipzig, der Überraschungsvierte gegen den Tabellenzweiten. Aber über den sportlichen Aspekt spricht kaum jemand, alles dreht sich um die »enorme Welle des Protests«, die Hellmann erwartet. Als einer der Begründer der Fan- und Förderabteilung der Eintracht weiß der 46-Jährige genau, dass eine weit über den Frankfurter Stadtwald hinausgehende Botschaft transportiert werden soll: die Ablehnung des Spieltermins. Montagabend, 20.30 Uhr.

»Wir werden den Verkäufern des Fußballs nicht den Rahmen bieten, den sie sich erhoffen, um ihr ›Premiumprodukt‹ zu vermarkten«, heißt es aus der aktiven Frankfurter Fanszene. Montagsspiele seien eine rote Linie, die nicht überschritten werden darf. Hellmann geht davon aus, dass es bei erst 42 000 verkauften Tickets zu einer hohen No-Show-Rate kommen wird, vielleicht sogar nur 32 000 Zuschauer kommen. Das wäre absoluter Minusbesuch in dieser Saison. Werden auch die Abonnenten des Eurosport-Players Zeuge eines Fußballspiels, das zur groß angelegten Demo entartet? Boykottaufrufe in größerem Stil gibt es auch für die Woche darauf, wenn Borussia Dortmund gegen den FC Augsburg (26. Februar) antritt. Seit Wochen ruft das »Bündnis Südtribüne« zum Fernbleiben auf.

Diejenigen, die heute in der Frankfurter Arena erscheinen, wollen der Heimelf jede Unterstützung verweigern. 90 Minuten. Keine Gesänge, keine Anfeuerung. Bei Ballbesitz des Gegners soll es ein groß angelegtes Pfeifkonzert unterlegt mit Tröten, Trillerpfeifen und den fast schon vergessenen Vuvuzelas geben. Sogar ein Betreten des Innenraums sei geplant, um hinter dem Tor Banner und Transparente zu spannen, ist zu hören.

»Versinkt das erste Montagsspiel im Chaos?«, fragt die »Bild am Sonntag«. Hellmann, seit 2001 auf präsidialer Ebene in diesem stimmungsanfälligen Traditionsverein tätig, wird daher heute im Innenraum sein, um gegebenenfalls eingreifen zu können. Ein kompletter Spielabbruch soll unter allen Umständen verhindert werden.

Die DFL wird gespannt beobachten, was beim Piloten passiert. Seifert stellte noch einmal klar, dass es nicht um kommerzielle Gründe gehe: »Die Montagsspiele machen weniger als ein Prozent der Gesamtumsätze aus. Wir reden über fünf von 306 Saisonspielen. Es ist nicht geplant, dass es mehr werden. Und die Chance, dass es weniger werden, ist eher größer als kleiner.« Bereits Ende Januar verwies die DFL darauf, dass die zehn neuen Ausweichtermine am Sonntag (13.30 Uhr) und Montag (20.30 Uhr) allein eingeführt wurden, um die Europa-League-Starter zu entlasten. Wörtlich hieß es in der Stellungnahme: »Das geschah mit Blick auf einen Interessensausgleich zwischen Amateurfußball einerseits sowie mitreisenden Fans andererseits.« Tatsächlich war es vor allem der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der darauf beharrte, dass nicht allein der Sonntag belegt werde.

Vielleicht wäre es auch eine klügere Strategie gewesen, schon in der Hinrunde die ersten Montagsspiele abzuhalten, als in der Europa League mit der TSG Hoffenheim, Hertha BSC sowie dem 1. FC Köln tatsächlich noch drei Vertreter beschäftigt waren. Nun kann das dritte angesetzte Montagsspiel - Bremen gegen Köln (12.3.) - mitnichten mit internationaler Belastung in Verbindung gebracht werden.

Es stimmt ja zweifelsfrei, dass es Anfang der 1990er Jahre teils doppelt so viele Spiele in der Woche gab wie heute. Es ist auch Fakt, dass der Spielplan in England und vor allem in Spanien bereits viel weiter zerstückelt ist. Dennoch hat der Montagstermin eine zu große Symbolwirkung, um hierzulande die Debatte zu ersticken. Hellmann konstatiert einen typischen Zielkonflikt: »Wir versuchen uns an der Quadratur des Kreises und schleichen uns um eine Grundsatzdiskussion herum. Vielleicht war uns allen nicht klar, dass der Montag viel stärker beim Zuschauer in der Kritik steht, als wir dachten.« Er habe auch Rückmeldungen von Sponsoren, die mit dem Termin nicht glücklich seien.

»Wenn wir einen Fehler gemacht haben, müssen wir versuchen, das im Rahmen des rechtlich Machbaren zu korrigieren.« Das könne eingedenk der längst geschlossenen Verträge natürlich nur in einer einvernehmlichen Lösung mit dem Rechteinhaber geschehen. »Niemandem kann daran gelegen sein, Montagsspiele zu übertragen, in denen keine Stimmung ist und der Protest alles überlagert.« Sein Fazit: »Ich glaube, dass der Montag keine große Zukunft haben wird, wenn wir alle Vibrationen aufgreifen.«

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