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Silber aus dem Bauch heraus

Die Skispringer feiern zum Abschluss sehr erfolgreicher Winterspiele Platz zwei im Team

  • Von Oliver Kern, Pyeongchang
  • Lesedauer: 4 Min.

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Werner Schuster ist vieles in einem: ein guter Skisprungtrainer allemal, ein guter Taktiker auch, vor allem aber ist der deutsche Bundestrainer ein Freund klarer Worte. «Für Gold hat heute die Qualität gefehlt, das muss man schon zugeben», sagte Schuster, nachdem seine Mannschaft gerade Silber im Teamspringen hinter Norwegen und vor Polen gewonnen hatte. Auf das «gewonnen» legte er aber Wert, auch wenn der Titel von Sotschi 2014 nicht verteidigt werden konnte. «Jede Medaille ist bei Olympia so hart erkämpft. Das weiß man erst, wenn man sie nicht mehr gewinnt.»

Wie vor vier Jahren hatte Schuster kurz vor dem Springen eine harte Entscheidung getroffen, und erneut nahm er einen Arrivierten aus der Formation, der vorher als gesetzt gegolten hatte. In Sotschi war Richard Freitag der Leidtragende, der dann mit ansehen musste wie seine Teamkollegen Gold feierten, während er ohne Medaille blieb. Dieses Mal wurde Markus Eisenbichler zugunsten von Stephan Leyhe aussortiert, eine Entscheidung, die noch überraschender kam als 2014, denn Eisenbichler war in Pyeongchang nicht schlecht gesprungen. Überragend aber auch nicht. «Markus war sehr sauer. Und das berechtigt», sagte Schuster. «Es war eine Bauchentscheidung des Trainerteams. Er war nicht so stabil und hatte hier viele Sprünge Zeit zu zeigen, was er kann. Er kam aber nie viel weiter als Stephan. Und bei dem haben wir gehofft, dass der über sich hinauswächst», begründete Schuster seinen Entschluss.

Die Leistungssteigerung von Leyhe, der in den Einzelkonkurrenzen hatte zuschauen müssen, blieb aus. Auf seinen norwegischen Kontrahenten Andreas Stjernen verlor der Willinger in beiden Durchgängen zu viele Punkte, die seine Kollegen Karl Geiger, Richard Freitag und Andreas Wellinger nicht mehr wettmachen konnten. Dass Eisenbichler jedoch um jene 23 Punkte besser gewesen wäre, die am Ende auf Gold fehlten, ist unwahrscheinlich. «Man konnte mal kurzzeitig von Gold träumen, als wir nach dem ersten Durchgang nur zwei Punkte zurücklagen, aber dann haben die Norweger gezeigt, wer der Herr im Hause ist. Sie haben verdient gewonnen», sagte Schuster.

Mit der Silbermedaille endeten trotzdem seine erfolgreichsten Spiele als Bundestrainer. Vor knapp zehn Jahren hatte der Österreicher ein alterndes, schwächelndes deutsches Team übernommen, das er in der Folge stark verjüngte. Trotz der Umwälzungen wurde bei allen drei Winterspielen unter seiner Ägide mindestens eine Medaille gewonnen. 2010 und 2014 jeweils im Team. 2018 kamen noch die zwei Einzelmedaillen von Andreas Wellinger dazu, darunter Gold von der Normalschanze am Auftaktwochenende.

«Das waren grandiose Spiele. Wir haben unsere Ziele nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen», so Schuster. Dabei musste er schon den zweiten Winter hintereinander beim Saisonhöhepunkt auf seinen dauerverletzten Vorspringer Severin Freund verzichten. Der hatte in Sotschi das Team noch zu Gold geführt und war danach Weltmeister und Gesamtweltcupsieger geworden, bevor ihn Knieverletzungen ausbremsten. Wellinger und Freitag sprangen ein. «Speziell für Richard freut es mich sehr, denn er hatte nach Sotschi eine harte Zeit. Jetzt aber hat er einen entscheidenden Beitrag geleistet, dass wir Silber holen, und darauf hat er lange warten müssen», sagte Schuster, der aber weiß, dass nun Eisenbichler einen «harten Schlag» verarbeiten muss. Ich hoffe, dass er an Richard Freitag sieht, wie viel man daraus auch lernen kann.«

Richard Freitag hingegen war froh, dass die Spiele diesmal ein gutes Ende nahmen, auch wenn er nach seinem starken Saisonauftakt etwas mehr erhofft hatte. Als Weltcupzweiter und dreifacher Sieger in diesem Winter konnte er in den Einzelkonkurrenzen im Gegensatz zu Wellinger nie seine Form aus dem Dezember abrufen. »Einen Formaufbau kann man im Skispringen nicht so steuern wie in Ausdauersportarten«, erklärte der Bundestrainer. Freitag sei auf der kleinen Schanze einfach nicht in den Rhythmus gekommen und habe dann basteln und kämpfen müssen. »Er ist auch besser geworden, aber es ist unglücklich verlaufen, denn nach der Saison hätte er eine Einzelmedaille verdient«, so Schuster.

Das Erfreuliche für den Trainer ist, dass er mit dieser Generation noch viele Erfolge planen kann. Die deutsche Mannschaft war unter den Topnationen die jüngste. Wellinger ist erst 22 Jahre alt, aber schon jetzt Doppelolympiasieger. »Ich denke, er ist auch noch hungrig genug, um weiter anzugreifen. Er war noch nie Weltmeister, noch nie Gesamtweltcupsieger, noch nie Vierschanzentourneegewinner. Ihm werden die Ziele schon nicht ausgehen«, hoffte Schuster, der jedoch auch eine Warnung aussprach. »Man muss aufpassen, denn jetzt wird sehr viel auf ihn einprasseln. Man sieht an Peter Prevc, Gregor Schlierenzauer und Kamil Stoch, dass man nach solchen Erfolgen auch jahrelang in ein Tief fallen kann. Mal sehen, ob Andreas jetzt den Fokus behält.«

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