Werbung
  • Politik
  • Arbeitskampf an britischen Universitäten

Großbritanniens Dozenten streiken

Rentenkürzungen von bis zu 10.000 Pfund treibt Universitätsangestellte in den Arbeitskampf

  • Von Ian King
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Hochschullehrerinnen und -lehrer gehören nicht zur militanten Avantgarde der Arbeiterbewegung. Doch wollen Zehntausende Mitglieder der britischen Gewerkschaft University and College Union über einen Zeitraum von vier Wochen ihren Arbeitsplätzen vierzehn Tage lang fernbleiben.

Frierende Streikposten mit Doktortiteln säumen die Einfahrten zu Britanniens Universitäten. Mehr als die Hälfte der Studierenden sympathisieren mit den plakattragenden Lehrkräften. Was läuft an Britanniens Hochschulen schief?

Den Beamtenstatus für Universitätslehrerinnen und -lehrer gibt es auf der Insel nicht, was Vor- und Nachteile mit sich bringt. Streiken ist nicht verboten, aber Jobsicherheit nicht garantiert. Aber der jetzige Uni-Streik hat einen anderen Grund: geplante Rentenkürzungen. Angeblich leidet der Uni-Rentenfonds an einem Defizit von umgerechnet 6,6 Milliarden Euro. Bisher zahlten die Lehrkräfte in der Erwartung ein, einen Bruchteil ihres letzten (zumeist höchsten) Gehalts als Rente zu erhalten. Der Gesamtbetrag war nie üppig, aber bedeutete trotzdem einen sicheren Lebensabend. Jetzt soll nicht die jahrelang einbezahlte Summe entscheidend sein, sondern das Fondsschicksal an der Börse.

Statt rechnen heißt es also beten, dass der Fondsmanager taugt und die britische Wirtschaft nach dem Brexit nicht den Bach runter geht. Aber keine Angst: Bill Galvin, Chefmanager des Fonds, hat sich gerade eine siebzehnprozentige Gehaltserhöhung genehmigt: auf 566 000 Pfund im Jahr, mehr als das Dreifache von Premierministerin Theresa May. Dass die Hochschullehrer einen Rentenverlust von 10 000 Pfund im Jahr befürchten, fällt bei dem Cheforganisator wenig ins Gewicht. Gerade dieser Gegensatz hat bei sonst besonnenen Arbeitnehmern zum Aufstand und zum Postenstehen geführt. Auch Bibliothekare, IT-Personal und Sachbearbeiter machen beim Streik mit: Das Ausmaß des geplanten Rentenklaus sei inakzeptabel, so Vicky Blake von der Universität Leeds im linksliberalen »Guardian«.

Die Politik reagiert auf die Arbeitsniederlegung erwartungsgemäß. Labourführer Jeremy Corbyn unterstützt die Streikenden, konservative Abgeordnete loben Streikbrecher. Interessanter ist jedoch die Antwort der durch die Aktion leidenden Studierenden. Diese blechen 10 000 Pfund Studiengebühren im Jahr, schließen ihren dreijährigen Bachelor-Kurs mit durchschnittlichen Schulden in Höhe von 55 000 Euro ab, die größtenteils nicht zurückgezahlt werden können und bei den Steuerzahlern hängen bleiben. Sie müssten dementsprechend massenweise nach Rückgabe ihres Geldes verlangen.

Doch kein Gedanke: 61 Prozent der Befragten unterstützen ihre streikenden Lehrkräfte und protestieren gegen die Idee der »Bildung als Ware« mit. Überdies sehen alle, wie sich nicht nur Rentenverwalter Galvin, sondern Uni-Rektoren landauf, landab eine goldene Nase verdienen.

Diese Mischung von Egoismus von oben und »Waren-Denken« bildet den gar nicht geheimen Hintergrund des Arbeitskampfes. Universitäten waren früher Lehranstalten, heute ähneln sie eher Profitcentern, in denen Studierende als Geldspender und Personal allzu häufig als lästige Kostenfaktoren betrachtet werden.

Der Streik hätte durch Verhandlungsbereitschaft auf der Arbeitgeberseite durchaus vermieden werden können, wenn die Uni-Chefs weniger an eigene Bonuszahlungen und mehr an seit Jahren immer schlechter bezahlte Mitarbeiter denken würden, denen auch noch durch kurzzeitige Verträge jede Job-Sicherheit fehlt. Auch noch an deren Renten sparen zu wollen, bleibt für desillusionierte Lehr- und sonstige Arbeitskräfte jedoch zu viel.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!