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Schlangenschnaps und verzweifelte Touristen

Die schönsten Momente einer Reise

  • Von Felix Trochowski
  • Lesedauer: 5 Min.

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Vietnam: Schlangenschnaps und verzweifelte Touristen

Ich erwache etwas zerknautscht. Der Zug zuckelt im Bahnhof von Hoi An ein. Wir haben unser heutiges Reiseziel erreicht. Die Stadt gilt wegen seiner jahrhundertealten Bauten als Weltkulturerbe.

Nach unserer Ankunft im Hostel entschließen wir uns zu einem Stadtspaziergang durch die wunderschöne Altstadt von Hoi An. Die Straßen zieren prächtige alte chinesische Handels- und Versammlungshäuser. In den tunnelartigen Hinterhöfen warten unzählige geheimnisvolle Orte. Auch viele andere kulturelle Einflüsse, wie die bunten japanischen Brücken, belegen den multikulturellen Charakter dieser Metropole.

Vietnam: Schlangenschnaps und verzweifelte Touristen

Der Verkehr in der Innenstadt unterscheidet sich von dem in anderen Städten. In den Straßen hier sind hauptsächlich Fahrräder unterwegs, Motorräder sieht man nur in den Randbezirken. Auf den Märkten werden neben Obst, Fisch und Fleisch auch vietnamesische Spezialitäten wie Schlangenfleisch und Schlangenschnaps angeboten.

Ein besonderes Spektakel bietet sich, wenn die Nacht hereinbricht. Dann nämlich lassen die Einwohner kleine Gondeln mit bunten Lampions, in denen sich Kerzen befinden, zu Wasser und verwandeln den Fluss Sông Thu Bôn in ein Sternenmeer.

Jeden Tag werden jedoch ganze Busladungen an Touristen in der Innenstadt abgesetzt. In Windeseile füllen sich die engen Straßen der Stadt mit Reisegruppen, vor allem aus China und Japan. Dicht an dicht drücken sich die Touristen mit Selfie-Sticks bewaffnet durch die Straßen. Karawanen von Fahrradrikschas, verloren gegangene Touristen, die verzweifelt ihre Gruppe suchen, und Souvenierhändler, die den immer gleichen Ramsch anbieten, zerstören in kurzer Zeit das zuvor wunderschöne Stadtbild.

Wasserbüffel und Gräber am Wegesrand

Vietnam: Schlangenschnaps und verzweifelte Touristen

Um dem touristischen Rummel in Hoi An zu entkommen, mieten wir uns Fahrräder und fahren ans Südchinesische Meer. Der Weg durch die Randgebiete entpuppt sich als Herausforderung, weil die Straßen vom Verkehr überfüllt sind. Nachdem wir die Stadt verlassen haben, biegen wir von der Landstraße in einen Feldweg, der sich durch weitläufige Reisfelder schlängelt. Hier und dort blicken Wasserbüffel aus dem Schlamm hervor.

Am Wegesrand sehen wir immer wieder kleine Gräber zwischen den Feldern aufragen. In Vietnam werden die Toten traditionell nicht auf Friedhöfen begraben. Die Menschen wollen den Toten auf ihrem eigenen Grund und Boden die letzte Ruhe gewähren.

Je näher wir dem Meer kommen, desto weniger Reisfelder und einfache Dörfer sehen wir. Stattdessen tauchen immer mehr Hotels und Ressorts auf. Jetzt weiß ich, wo die vielen Touristen herkommen, die wir in Hoi An gesehen haben.

Vietnam: Schlangenschnaps und verzweifelte Touristen

Nach einer Weile treten wir den Rückweg an. Als ich die ersten Hupen höre, die Abgase rieche, den Staub in den Augen spüre und die aufgetürmten Müllhaufen am Straßenrand sehe, muss ich erkennen, dass uns die Zivilisation vor der wir flohen, wieder eingeholt hat

Karaoke und Straßen voller Reis

Wir nehmen uns ein Taxi und fahren zu den Ruinen der Cham-Türme. Diese prächtigen Bauten wurden vor mehreren hundert Jahren zu Ehren des Buddhismus erbaut. Der Buddhismus ist eine in Asien weit verbreiteten Religion, der weltweit zwischen 230 und 500 Millionen Menschen angehören.

Noch beeindruckender als das märchenhafte Bild der Türme ist unsere Aussicht auf die Umgebung. Blechhütten und Palmen bestimmen das Bild. Dazwischen ragt ein einsamer Funkmast in die Höhe. In der Ferne erstrecken sich Bergketten. Sie werden nur noch von gewaltigen Wolkengebirgen überragt.

Die Fahrt geht weiter in das Töpferdorf Thanh Ha. Die Menschen hier töpfern Figuren aus Lehm und verkaufen diese. Die Bauern breiten ihren Reis zum Trocknen unter der glühenden Sonne auf der Straße aus. Im gesamten Dorf ist der Asphalt bedeckt mit Reis.

Wir verlassen das Dorf in Richtung Meer. Der Strand ist sauber und weitläufig. Eine Weile sitzen wir am klaren Wasser, unterhalten uns, trinken vietnamesisches Bier in der Sonne und vergraben unsere Füße im Sand.

Vietnam: Schlangenschnaps und verzweifelte Touristen

Ein paar Einheimische sitzen am Strand vor einem Fernseher und singen lauthals Karaoke. Ihr manchmal schräger Gesang hallt über den menschenleeren Strand und wird von den gegenüberliegenden Bergen zurück geworfen. Karaoke wird in Vietnam als »Volkssport« bezeichnet und die Jungs scheinen diesen »Sport« zu mögen. Es wird viel und laut gelacht, während sie offenkundig vietnamesische Schlagerlieder zum Besten geben.

Die Sonne versinkt im türkis-blauen Meer. Wir fahren zurück in die Stadt. Am Bahnhof haben wir noch Zeit, uns an einer der vielen Straßenküchen mit Essen zu versorgen. Unser Zug hat Verspätung - keine Seltenheit in einem Land, dessen Eisenbahnstrecken sehr alt und marode sind.

Es ist kurz vor Mitternacht, als unser Zug einfährt. Die noch frischen Erinnerungen an den stickigen und überfüllten Nachtbus, der uns zuletzt in ein Bergdorf im Süden des Landes gefahren hat, lassen mich kurz schaudern. Dann treibt mich die Müdigkeit in unsere Schlafkabine. Richtige Betten und Zugang zu frischer Luft wischen meine Bedenken beiseite.

Kurze Zeit später werde ich von betrunkenen Amerikanern geweckt, die im Gang des Zuges eine Party feiern. Eine Standpauke meiner Mutter über die Kriegsverbrechen der US-Amerikaner während des Vietnamkrieges lässt sie verstummen.

Habt ihr etwas nicht verstanden oder Anmerkungen, Fragen und Ideen? Schreibt uns an: kinder@nd-online.de oder an Kinderredaktion, neues deutschland, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin. Außerdem könnt ihr uns eigene Geschichten schicken. Mit ein wenig Glück wird sie auf einer der kommenden nd-Kinderseiten abgedruckt.
Die nächste Ausgabe erscheint am 31. März 2018.

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