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Kein Preisgeld, aber Haferschleim

GutsMuths-Rennsteiglauf - schönster, härtester Amateur-Cross Europas/nd-Team wieder dabei

  • Von Michael Müller
  • Lesedauer: 4 Min.

Tief verschneit ist der Thüringer Wald derzeit, fast überall entlang des Rennsteigs heißt es: Ski und Rodel gut. Während sich die Thüringer Wintersportelite in Pyeongchang bei Olympia abrackert, genießen die Einheimische und die Urlauber zu Hause ihr Wintersportvergnügen. Schmiedefeld beispielsweise meldet dieser Tage 50 Zentimeter Bergschnee. Auch im Ort selbst sieht es malerisch aus. Nicht dass diese Frauen und Männer in ihrem kleinen, aber feinen Bürodomizil in der Vesserstraße keinen Blick dafür hätten, da ist das kleine Team um Geschäftsführer Marcus Clauder viel zu sehr thüringisch naturliebend. Doch zu seinem derzeitigen Hauptarbeitsthema passt Schnee eigentlich ganz und gar nicht. Hier in der Rennsteiglauf Sportmanagement & Touristik GmbH laufen nämlich alle Fäden für den 26. Mai zusammen, dem Tag des 46. GutsMuths-Rennsteiglaufes. Und alle hoffen, dass in 90 Tagen von der ganzen Schneepracht bestenfalls noch in den Hochlagen ein paar Nester übrig sein werden, die den härtesten und beliebtesten Breitensport-Cross Europas dann kaum stoppen können.

Jürgen Lange, ehrenamtlicher Präsident des Rennsteiglauf-Vereins, im Hauptberuf höherer Ministerialer bei der Landesregierung des Freistaates, geht im nd-Gespräch von etwa 17 000 Anmeldungen aus, »was ungefähr im Bereich von 2017 liegen würde«. Das meint die Summe aller fünf Lauf- und vier Wanderstrecken an diesem 26. Mai, wobei sich der Löwenanteil auf Supermarathon, mit 73,5 km die »Königsdisziplin«, den Marathon und den Halbmarathon verteilt. » Der «Halbe» liegt derzeit bereits bei weit über 7000 Anmeldungen, da müssen wir bald Schluss machen«, kündigt Lange an, denn Durchlassfähigkeit der Laufwege und Sicherheit müssen gewährleistet bleiben.

Der Rennsteiglauf ist ein echtes Ostgewächs und dazu die einzige Großsportveranstaltung, die den Transfer aus der DDR in die Bundesrepublik überstanden hat. Anfangs zwar mit leichten Blessuren, bald aber durch diese Erfahrungen noch stärker geworden. Die Erfolgsrezepte der 1970er Gründerjahre ziehen bis heute: breite ehrenamtliche Vernetzung und flache basisorientierte Organisation, regionale Sponsorschaften und ein bei aller Professionalität dominierendes Amateurgefühl. Dieses lässt beispielsweise auch keinen Platz für Preisgelder oder gar Antrittsgelder für Stars, wohl aber für nostalgischen Haferschleim an den Verpflegungspunkten und heiße Partystimmung vor und nach dem Lauf.

Längst hat das größte Thüringer Sportereignis auch nationale Anziehungs- und Strahlkraft. Beispielsweise ist der Rennsteig-Marathon bei der Umfrage des großen Laufsportportals »marathon4you« Ende 2017 bereits zum vierten Mal in Folge zum »beliebtesten Marathon des deutschsprachigen Raumes« gekürt worden. »Also wir in Thüringen erneut vor all den großen Stadtläufen in Berlin, Frankfurt, Hamburg oder München«, betont Jürgen Lange, selbst passionierter Freizeitläufer und -radler. »Wir sehen diese Bewertung als Ehre für unsere treue Läufergemeinde an und als Ansporn für uns als Organisatoren.«

»neues deutschland« hat den Rennsteiglauf fast seit seinen Gründungsjahren begleitet; 1977 war die erste große Reportage in der Wochenendbeilage zu lesen. Längst gehört »nd« auch mit einer eigenen Mannschaft aus Leserinnen und Lesern zur Rennsteiglauf-Community, in diesem Jahr zum 16. Mal. Den nd-LäuferInnen an dieser Stelle mal ein großes Dankeschön für ihre Blatt- und Sporttreue!

Das nd-Team kürt immer eine Ehrenkapitänin oder einen Ehrenkapitän. Das sind berühmte Ex-Sportstars, die Rennsteiglauftugenden verkörpern, vor allem aber Vorbildwirkung ausstrahlen. Diesmal hat Bernd Schröder das Amt übernommen, der längst legendäre Ex-Trainer der Fußballfrauen von Turbine Potsdam. »Leichtathletische Abläufe spielten in meinem Trainingsprogramm eine wesentliche Rolle«, erzählt er im nd-Gespräch. »Wir haben ja in Potsdam ein spitzenmäßiges Leichtathletikumfeld, davon konnten wir viel profitieren. Das hat uns mitunter geholfen, nach der 70. Minute Spiele noch zu drehen.« Und jetzt sei er gespannt, mal direkt zu erleben, was Rennsteigläufer »so drauf haben«, freut sich Schröder.

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