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Schweigen im Wald

Plötzlicher Eigentümerwechsel hat Projektanlauf am Schloss Dammsmühle ausgebremst

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 5 Min.

In den Forsten nördlich Berlins hatten im Oktober die Stürme »Xavier« und »Herwart« selbst in alte, gesunde Baumbestände Schneisen der Verwüstung gefräst. Erwischt hatte es auch die Wälder zwischen Schönwalde (Barnim) und Summt (Oberhavel). Zwar ist die Straße zum Schloss Dammsmühle, wie die meisten Waldwege, inzwischen beräumt, doch die vielen umgestürzten, zerborstenen Bäume stellen die Forstmitarbeiter vor fast unlösbare Probleme.

Das Schlossareal am vereisten Mühlteich bietet einen bizarren Anblick. Das vielgerühmte »Märchenschloss«, dem der Berliner Unternehmer Adolf Wollank ab 1894 seine Gestalt als Lustschloss verlieh und vor der Wende zuletzt Stasi-Gästehaus war, ist nach einer kurzen Zwischennutzung als Hotel in den vergangenen 20 Jahren zur Ruine verfallen. Dass sich aber am desolaten Zustand der Anlage auch in den vergangenen Monaten so gar nichts zum Besseren gewandelt hat, ist höchst ärgerlich. Von der Aufbruchstimmung, die hier im Herbst eingezogen war, ist jedenfalls nichts zu sehen. Dabei hatte der Berliner Unternehmensberater Gerd Matern, der im August 2017 die Baugenehmigung erhalten hatte, die Sanierung und Wiederbelebung der Anlage mit Schloss, Brunnenplatz und Schlossgarten in die Wege geleitet.

»Schaufenster Brandenburg« nann᠆te Matern sein Vorhaben, das den Wiederaufbau des von einem Naturschutzgebiet umgebenen Schlosses als Hotel, als Ort für Feierlichkeiten und Bälle, mit Gastronomiebetrieb vor allem an den Wochenenden vorsah. Im Internet kann man sich das noch ansehen. Ein Ausflugsziel und ein auch ein Etappenziel für Reisende auf den nahen Fernradweg Berlin-Kopenhagen sollte es werden. Schrittweise wollte Matern dem Kleinod seinen einstigen Charme zurückgeben, es restaurieren und ausbauen. Das Geld - »ein niedriger einstelliger Millionenbetrag«, wie er einst versicherte - sollte von den Eigentümern kommen. Scheue Leute, die dem Vernehmen nach in Süddeutschland saßen.

»Noch im November wollen wir mit den Bauarbeiten beginnen«, hatte Gerd Matern als Projektentwickler und »Bauherrenbevollmächtigter des Eigentümers« im September dem »nd« gesagt. Der Berliner Unternehmensberater, der sich als künftiger Betreiber des Objekts versteht, schien entschlossen, nach Jahren des Stillstands und des Verfalls, endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Noch im Winter wollte er das Dach über der Ruine dichtmachen, für Mai plante er am Schloss ein großes Fahrradfest, und im Spätsommer 2018 sollte Teileröffnung des Hotels sein. Bis dahin hatte die Agentur »go2know« bereits mit Führungen und Fototouren auf dem Gelände für mehr Öffentlichkeit sorgen sollen. Doch was rasch sogar zum Leuchtturmprojekt der Region mit starken Kultur- und Tourismusangeboten werden sollte, ist wieder einmal abgeblasen. Das »Schaufenster Brandenburg« bleibt leer, zumindest vorläufig. Denn seit November gibt es andere Neuigkeiten: Überraschend ist Schloss Dammsmühle verkauft worden. Überraschend auch für Gerd Matern, wie dieser dem »nd« auf Nachfrage versicherte.

Neue Eigentümer sind offenbar Berliner Unternehmer, die einen Hotelbetrieb mit gehobener Gastronomie planen. Matern will sich, wie er betont, derzeit nicht weiter dazu äußern. Von wem er ins Bild gesetzt wurde, ob von den alten oder den neuen Eigentümern? Kein Kommentar. Ja, er sei weiterhin Projektmanager, sagt er. Aber seine Aktivitäten im Zusammenhang mit dem »Schaufenster Brandenburg«, in das er so viel Zeit und Energie investiert und für das er dann im vergangenen Jahr so überzeugt geworben hat, die habe er eingestellt. »Ich werde in Dammsmühle keine Bauvorhaben mehr umsetzen«, so Materns Statement, wie er es auch gegenüber anderen Medien abgegeben hat. Immerhin lässt er durchblicken, dass er die Ankündigungen der neuen Eigentümer von Dammsmühle mit Skepsis betrachtet. »Ich kann mir kaum vorstellen, dass man in einem derartig sensiblen Umfeld Investitionen von 60 Millionen Euro oder auch mehr so einfach durchkriegt«, sagt er.

Mehr gibt da das Hotellerie-Magazin »Tophotel« preis, das bereits Anfang Dezember 2018 über ein geplantes 50-Millionen-Euro-Luxusrefugium in Dammsmühle berichtete. Neben dem Architekten Friedrich Weber seien auch der Berliner Gastronom Roland Mary - bekannt durch das Promi-Lokal »Borchardt« - sowie »drei bisher unbekannte Investoren« daran beteiligt, »das Schloss Dammsmühle im Norden von Berlin wieder zu Leben erwecken«. Der Architekt habe dem Schönwalder Ortsbeirat Ende November Pläne vorgestellt, nach denen insgesamt etwa 30 Zimmer entstehen sollen, berichtete das Magazin. Dazu komme ein Country Club sowie ein großzügiger Spa-Bereich, der in einem Nebengebäude untergebracht werden soll. Friedrich Weber rechne mit einer Fertigstellung in drei bis vier Jahren.

Berichtet hatte darüber zuvor schon die »Märkische Oderzeitung«. Dennoch hält sich Maria Brandt (SPD), die Vorsteherin des Wandlitzer Ortsteils Schönwalde, in Sachen »Dammsmühle« bei Nachfragen gern zurück. Zu den neuen Investoren und ihren Plänen will sie sich gegenüber dem »nd« einstweilen nicht äußern. In einer ersten Stellungnahme nach dem Verkauf hatte sie immerhin der »Märkischen Oderzeitung« mitgeteilt: »Wir hoffen ja seit Jahren, dass es mit Schloss Dammsmühle vorangeht. Möglicherweise stehen jetzt Investoren hinter dem Projekt, die auch über die nötigen Finanzen verfügen.« Beim Schönwalder Neujahrsempfang Anfang Februar habe sie sich in der Tat vorsichtig optimistisch zu Dammsmühle geäußert, bestätigte Maria Brandt auf Nachfrage. Sie habe dort ihrer Hoffnung Ausdruck verliehen, »in zwei, drei Jahren dort unseren Bürgerempfang stattfinden zu lassen«.

»Tophotel« verwies in seinem Beitrag auf die Internetseite von Schloss Dammsmühle. Dort hätten die Investoren zugesichert, dass Park und Schloss auch nach der Sanierung für die Öffentlichkeit frei zugänglich bleiben. Erste Schritte zur Rekultivierung der Anlage seien eingeleitet, Mitte 2018 solle der Park wieder geöffnet sein. Auch sollen Teile des Anwesens als Veranstaltungsort genutzt und gemietet werden können. Freilich stammt diese Absichtserklärung noch von Projektmanager Matern, verfasst für das »Schaufenster Brandenburg«. Vor Ort jedenfalls macht die Rekultivierung derzeit keine Fortschritte, die bisherigen Zeitpläne sind obsolet.

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