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Gasgeschäft mit Gegenwind

Israel und Ägypten schließen Förderabkommen - besonders Katar ist nicht begeistert

  • Von Oliver Eberhardt, Tel Aviv
  • Lesedauer: 4 Min.

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Ägyptens Präsident Abdelfattah al Sisi lächelte in die Kameras, »einen großen Sieg« habe man errungen, sagte er den Reportern. In Jerusalem sprach Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu nahezu zeitgleich von »einem historischen Abkommen«. Insgesamt 64 Milliarden Kubikmeter Gas für umgerechnet zwölf Milliarden Euro wollen der israelische Konzern Delek und das US-amerikanische Unternehmen Noble Energy im Laufe der kommenden zehn Jahre an die ägyptische Dolphinus Holding exportieren.

Vor allem in der ägyptischen Öffentlichkeit hat die Vereinbarung indes für großes Erstaunen und einigen Widerstand gesorgt: Denn nicht nur steht die ägyptische Bevölkerung Israel nach wie vor sehr kritisch gegenüber. Auch verfügt Ägypten selbst mit dem Zohr-Gasfeld über das größte Feld im Mittelmeer; im Dezember wurde dort offiziell mit der Förderung begonnen. Bereits Ende des Jahres soll dort genug Erdgas gefördert werden, um das Land unabhängig von Importen zu machen, was vor allem bedeutet: vom Emirat Katar.

Denn unter dem östlichen Mittelmeer liegen die zweitgrößten Gasreserven der Welt; neben Ägypten und Israel hoffen auch Palästina, der Libanon, Zypern und die Türkei darauf, davon profitieren zu können; sehr zu Katars Gram: »Jeder Kubikmeter, den eines dieser Länder exportiert, ist ein Kubikmeter, den Katar nicht verkauft«, fasst die arabischsprachige Zeitung »Aschark al Awsat« mit Sitz in London zusammen.

Bislang baute man in Katars Hauptstadt Doha darauf, dass die meisten Anrainerstaaten nicht über die Infrastruktur verfügen, um das geförderte Gas so aufzubereiten, dass es zu wettbewerbsfähigen Preisen an weiter entfernte Abnehmer geliefert werden kann. Zwar wollen einige Länder Pipelines nach Europa bauen, doch das dauert, kostet und schränkt die Vermarktungsmöglichkeiten auf bestimmte Regionen ein. Um das Gas per Schiff zu transportieren, muss es verflüssigt werden; die Anlagen dafür sind aber sehr teuer.

Womit Ägypten ins Spiel kommt: Dort gibt es zwei von weltweit 634 Verflüssigungsanlagen. Das aus Israel gelieferte Gas soll hier aufbereitet und weiterverkauft werden. Ähnliche Deals erhofft man sich in Kairo auch mit Zypern. Mit Libanon hat man eine Absichtserklärung geschlossen, mit einer fast unüberschaubaren Zahl von Verträgen wurde die Grundlage für den Bau von Pipelines Richtung Ägypten gelegt.

Damit entstehen neue regionale Konflikte: Vor Zypern blockiert die türkische Marine ein Bohrschiff, die Regierung in Ankara beansprucht einen Teil des dortigen Gasfeldes für Nord-Zypern. Dessen Führung wiederum fordert eine Vereinbarung über die Aufteilung der Einnahmen aus Öl- und Gasvorkommen zwischen Zypern und der Türkei.

Ein ähnlicher Streit ist auch zwischen Israel und Libanon entbrannt: Nachdem Beirut drei Unternehmen beauftragt hatte, nach Öl- und Gasvorkommen zu suchen, beanspruchte Israel einige dieser Seegebiete für sich. Denn zwar hatten die Vereinten Nationen im Jahr 2000 den Grenzverlauf zwischen beiden Ländern festgelegt, doch die libanesische Hisbollah will die Entscheidung nicht anerkennen. Mittlerweile hat sich auch die libanesische Regierung dieser Position angeschlossen.

Umstritten ist auch ein Seegebiet mit einem Umfang von gut 860 Quadratkilometern. 2012 hatte der US-Diplomat Frederic Hoff einen maritimen Grenzverlauf vorgeschlagen, der Libanon zwei Drittel des Gebiets zugesprochen hätte. Libanon möchte aber nun auch im restlichen Drittel forschen lassen, und lehnt die Hoff-Grenze, auch auf Druck der Hisbollah, nun ab.

Auf den palästinensischen Gasfeldern passiert derweil gar nichts: 30 Kilometer vor Gaza gelegen, wollte eigentlich der mittlerweile von Shell übernommene Ölkonzern BP das Gas fördern, scheiterte aber vor allem am Machtkampf zwischen Fatah und Hamas in Palästina: Israel fordert, dass die Einkünfte nur an die palästinensische Regierung in Ramallah gehen, und blockiert die Förderung, so lange dies nicht sichergestellt ist. Mittlerweile möchte Shell seine Anteile am Gasfeld wieder verkaufen, findet aber keinen Käufer.

Denn während die Politik euphorisch ist, warnen Experten vor übergroßen Hoffnungen: Schon Katar und Russland produzieren jährlich mehr Flüssiggas, als sie verkaufen können. Die Förderung im Mittelmeer wird die weltweiten Überkapazitäten weiter steigern.

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