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Die ARD stellt sich selbst infrage

»Maischberger«-Talk

  • Von Thomas Gehringer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Fernseh-Talkshows haben nicht den besten Ruf, aber man kann doch einiges lernen. Punktuell jedenfalls. Zum Beispiel, dass Beatrix von Storch keine »Tagesschau« guckt, deren Berichterstattung aber für einseitig hält. Oder dass Pinar Atalay abends nicht mit Politikern mauschelt, sondern mit der Familie daheim fernsieht. Und Tom Buhrow hat noch nie irgendetwas nur wegen des Geldes getan. Außerdem trat am Mittwochabend bei »Maischberger« in der ARD mal wieder Georg Kofler auf den Plan und tat, was er schon vor Jahrzehnten als Pro7- und Premiere-Chef bei Medienkongressen aller Art getan hat: sich über den seiner Ansicht nach »zu großen und atemberaubend ineffizienten« öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu beschweren. »Wir müssen die Systemfrage stellen«, sagte Kofler, und zumindest auf die Schweiz trifft das zu. Am Sonntag entscheiden die Bürger dort bei einem Volksentscheid, ob die Rundfunkgebühren abgeschafft werden sollen.

Der Gegenwind, dem sich das öffentlich-rechtliche System in Deutschland ausgesetzt sieht, ist in den vergangenen Monaten gefühlt stetig stärker geworden. Die Landesregierungen fordern nach der Gebühren-Umstellung auf eine Haushaltsabgabe echte Reformen, die Verleger sind wegen der Konkurrenz im Netz auf Konfrontationskurs, und die AfD will dem öffentlich-rechtlichen System das Wasser gleich ganz abgraben. Statt eines leidenschaftlichen Plädoyers in eigener Sache klang das in eine Frage gekleidete Maischberger-Thema »Wozu brauchen wir noch ARD und ZDF?« nach Selbstzweifeln.

Seltsam war der Auftritt von Beatrix von Storch, Vize-Fraktionschefin der AfD im Bundestag, die widersprüchlich argumentierte. Erst wollte sie den Rundfunkbeitrag durch eine Steuerabgabe ersetzen, später redete sie einem verschlüsselten »Bürgerfernsehen« das Wort, bei dem die Menschen nur das bezahlen, was sie auch sehen wollen. Und schließlich hielt sie ARD und ZDF angesichts des »riesigen Angebots im Internet« sowieso für überflüssig.

Die Besetzung der Talkshow war irritierend: Storch als einzige Parteienvertreterin und der neoliberale Kofler, der alles dem Markt überlassen und das öffentlich-rechtliche System am liebsten auf die vier Sender Arte, 3sat, Phoenix und ZDFinfo reduzieren möchte - angesichts von so viel Populismus kamen seriöse Ansätze für eine Neuaufstellung von ARD und ZDF kaum zur Geltung. Zumal neben der angenehm sachlichen Pinar Atalay auch Thomas Gottschalk als prominenter Insider gebucht war, was schon mal unterhaltsam, aber selten erhellend ist. Wieso zum Beispiel in seiner Suada gegen »diese Gremien, die keine Ahnung vom Fernsehen haben«, der Satz »Ich bin ein katholischer Ministrant gewesen« auftauchte, erschließt sich nur durch mehrfaches Studium der Sende-Aufzeichnung.

Sandra Maischberger bemühte sich sichtlich, neutral aufzutreten. Die Redaktion hatte Interviews mit Passanten geführt, Posts und Videos von Zuschauern gesammelt. Das Lob haben »wir diesmal etwas weniger berücksichtigt«, erklärte Maischberger. Dafür fand sich in der ausgestrahlten Auswahl zum Beispiel das Video eines jungen Berliners, der sich über die »permanente Propaganda zu den offenen Grenzen und Massenmigration« beschwerte und ARD-Journalisten als »Pressesprecher der Grünen« bezeichnete. Dass Atalay und Buhrow darauf ganz ernsthaft antworteten, zeigt nur, wie ernst die Lage ist. epd/nd

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