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Die Glocken läuten noch

Berlins Volleyballer erreichen mit Glück die nächste Runde der Champions League

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 4 Min.

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Der Europapokal kann für ungewöhnliche Bilder sorgen, egal in welcher Sportart. Da hatten die Berliner Volleys gerade ihr letztes Gruppenspiel in der Champions League gegen Jastrzębski Węgiel mit 3:2 gewonnen - und doch hüpften die Volleyballer des polnischen Spitzenklubs ausgelassen. Die Spieler des Deutschen Meisters klatschten sich dagegen nur müde ab. Man konnte meinen, dass - der wie üblich komplizierten Europapokalarithmetik zufolge - nur die Polen die nächste Runde erreicht hatten. Doch letztlich hatten auch die Berliner Grund zum Jubeln. »Ich weiß noch gar nicht, ob wir weiter sind«, grübelte Kapitän Robert Kromm Minuten später noch, obwohl der Hallensprecher schon einige Male in sein Mikrofon gebrüllt hatte, dass es doch noch gereicht hatte.

Die Zielstellung vor der Partie am Mittwochabend in der Berliner Max-Schmeling-Halle war klar. Nur der Gruppenzweite kommt hinter Zenit Kasan sicher unter die zwölf besten Mannschaften des Kontinents. Wegiel lag zwei Punkte vor den Berlinern, die also 3:0 oder 3:1 gewinnen mussten, um die polnischen Gegner in der Tabelle noch zu überholen. Für ein 3:2 gibt es im Volleyball nur zwei Punkte und der Verlierer erhält auch noch einen. Schon beim Zwischenstand von 1:2 jubelten also die Polen ausgelassen, während das Berliner Publikum kollektiv enttäuscht in seine Sitze zurückfiel. Platz zwei war nicht mehr zu schaffen.

Doch Trainer Stelian Moculescu schaffte es, seine Mannschaft davon zu überzeugen, erst einmal weiter um den Sieg zu kämpfen: »In Bayern sagt man: Die Kirche ist erst aus, wenn die Glocken nicht mehr läuten«, meinte er später. Und so glichen die Berliner das Spiel gegen die nicht mehr ganz so konzentriert spielende Mannschaft aus Jastrzębie-Zdrój zum 2:2 wieder aus. Mittlerweile war anhand der Ergebnisse in den anderen Hallen klar: Die BR Volleys hatten doch noch eine Chance, als einer der drei besten Gruppendritten die nächste Runde zu erreichen. Vor dem Matchball hatte es der Hallensprecher den Fans um die Ohre geschrien. Nur die Spieler auf dem Feld hatten es irgendwie nicht gehört, so dass sie nach ihrem Punkt zum 15:9 eben nicht so ausgelassen tanzten wie ihre Gegner, obwohl die das Spiel noch verloren hatten. »Doch, doch! Ich freue mich natürlich«, sagte Robert Kromm, nachdem er aufgeklärt wurde. »Die Gruppenphase haben wir sicher suboptimal gespielt und sind nur glücklich weitergekommen. Wir werden unsere Leistung aber weiter steigern - und so haben wir sogar alle Chancen, noch weiter zu kommen.

Die Zuversicht auf Besserung beruht stark auf dem neuen Trainer Moculescu. Und obwohl Kromm selbst ob seiner Annahmeschwäche einige Male auf die Bank degradiert wurde, lobte er dessen Arbeit. «Ein, zwei Kleinigkeiten haben wir verbessert. Wir schlagen mutiger auf und können so mehr Druck auf den Gegner ausüben», analysierte der Kapitän die erste wichtige Veränderung, an der im Training gearbeitet wurde.

Ein neuer Trainer kann jedoch keine grundlegenden Probleme einer Mannschaft mit einem Wink auflösen. Kromm, sein Vertreter Adam White und Jungnationalspieler Egor Bogachev sind allesamt zu inkonstant in der Annahme. Das wissen die Gegner auch und suchen sich die Schwachstellen beim Aufschlag gezielt aus. «So eine Technik umzustellen braucht Zeit und ganz viele Wiederholungen», sagte Kromm. In der Zwischenzeit soll Libero Luke Perry, einer der besten Annahmespieler der Bundesliga, mehr Verantwortung übernehmen. «Wir stellen uns etwas anders auf, so dass Luke links und rechts jetzt noch mehr Bälle annimmt, und bisher macht er das sehr gut», so Kromm.

«Wir haben heute 80 Prozent des Matches sehr gut gespielt», lobte dann auch Trainer Moculescu die Leistung seiner Mannschaft. Doch der 67-Jährige weiß, dass das in der nächsten Runde kaum reichen wird: «Jetzt kommen die wirklich guten Mannschaften. Und gegen die müssen wir in der Annahme noch zulegen. Da haben wir noch zu viele Hänger.» Ein möglicher Gegner ist übrigens Moculescus alter Verein: Der VfB Friedrichshafen, mit dem Moculescu in 20 Jahren je 13 Meisterschaften und Pokalsiege gefeiert hat, gewann in dieser Saison all seine Spiele in der Champions League, der Bundesliga, im Pokal und im Supercup. Im Gegensatz zu den Berlinern sind die Friedrichshafener deshalb bei der Auslosung an diesem Freitag gesetzt. Es könnte also bald ein interessantes Wiedersehen geben.

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