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Nur halb so wild: Pferdegeschichte wird umgeschrieben

In den Steppen der Mongolei leben wieder einige Przewalski-Pferde. Eine Studie zeigt: Echte Wildpferde sind sie nicht

  • Von Andrea Barthélémy
  • Lesedauer: 3 Min.

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Bislang galten Przewalski-Pferde als die letzten Wildpferde der Welt. Jetzt zeigt eine Studie: Die robusten Tiere mit ihren dicken Fellen und Borstenmähnen sind gar keine echten Wildpferde, sondern - ähnlich wie Mustangs - nur verwildert. Sie stammen von gezähmten Botai-Pferden ab, die bislang als Ursprung aller domestizierten Pferde galten. Nach dem überraschenden Ergebnis einer Genom-Studie müsse die Pferdegeschichte also ein Stück umgeschrieben werden, berichten ein internationales Forscherteam im Fachblatt »Science« (DOI: 10.1126/science.aao3297). Und: Echte Wildpferde gibt es demnach nicht mehr auf der Welt.

»Das war eine Riesenüberraschung«, bilanziert die Mitautorin Sandra Olsen von der University of Kansas in einer Mitteilung. Die Forscherin leitete die Ausgrabungen an den historischen Botai-Orten im nördlichen Kasachstan. Mit der Analyse der dort gefundenen Pferdeüberbleibsel wollten die Forscher eigentlich die Herkunft moderner domestizierter Pferde aufklären.

Doch als die 47 beteiligten Forscher von insgesamt 28 Institutionen weltweit die Genome von 88 historischen und modernen Pferden analysiert hatten, kam heraus: Die Pferde, die das sesshafte Volk der Botai vor rund 5500 Jahren im nördlichen Kasachstan erstmals zähmte, waren die Vorfahren der Przewalski-Pferde.

Diese sind heute fast ausgestorben. Es gibt Zuchtprogramme, vereinzelt wurden sie in der Mongolei sogar wieder ausgewildert. Einst bevölkerten sie jedoch die Steppen Eurasiens. Vermutlich im östlichen Kasachstan oder der westlichen Mongolei hätten sich vereinzelte Sprösslinge der Botai-Pferde wieder in die Wildnis abgesetzt, folgern die Forscher.

Wie ein beteiligtes Team vom französischen Nationalen Zentrum für Wissenschaftliche Forschung (CNRS) betonte, ging bei dieser Verwilderung auch das typische schwarz-weiße Leoparden-Muster der Botai-Pferde wieder verloren. Möglicherweise sei dies durch natürliche Selektion geschehen, denn die Genvariante für die schwarz-weiße Fellfarbe sei zugleich auch für Nachtblindheit verantwortlich.

Im Vergleich mit den 20 untersuchten Botai-Genomen trat beim Erbgut moderner eurasischer Pferde aus den vergangenen 4000 Jahren dann die zweite Überraschung zu Tage: Es fand sich keinerlei Übereinstimmung mit den historischen Botai-Pferden. Der Ursprung unserer heutigen Pferde liegt bis auf Weiteres also wieder im Dunkeln.

Die Forscher schätzen jedoch, dass spätestens um etwa 3000 v. u. Z. eine andere Gruppe von Pferden als Vorfahren unserer heutigen Pferde diente. Im Fokus der weiteren Suche liegen nun Gebiete in Zentralasien, im Westen der Eurasischen Steppe (Pontokaspis) und in Anatolien.

Alissa Mittnik vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte Jena, deren Gruppe ebenfalls an der Studie beteiligt war, hält eine zweite Domestizierung der Pferde in Osteuropa für denkbar. Zwar fehlten Pferdegenome aus dem 3. Jahrtausend v. u. Z. Aber Menschengenome und archäologische Funde aus dieser Zeit zeigten, dass sich Menschen von der Pontokaspis nach Zentraleuropa ausbreiteten. Pferde könnten dabei geholfen haben. »Dazu kommt, dass die ältesten bekannten Pferdegenome, die zur heute domestizierten Linie gehören, aus Osteuropa stammen.« dpa

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