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  • Torfbrände in Indonesien

Die Million im Moor

Eine deutsche Firma hat eine Technik entwickelt, um von Torfbränden bedrohte Waldgebiete in Indonesien zu kartieren

  • Von Christian Mihatsch
  • Lesedauer: 4 Min.

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Für Indonesien war es ein ökologisches, ökonomisches und diplomatisches Desaster: Die Wald- und Torfbrände im Jahr 2015 verursachten Schäden von 16 Milliarden Dollar, 1,6 Milliarden Tonnen CO2 wurden freigesetzt und die Nachbarstaaten Malaysia und Singapur drohten wegen der massiven Rauchbelästigung indonesischen Firmen mit Geldstrafen. Dies sollte sich nicht wiederholen. Doch Indonesiens Regierung hatte ein Problem: Sie wusste nicht, wo sich die Torfmoore befinden, geschweige denn, wie dick die Torfschicht ist. Es fehlte eine Karte, und niemand wusste, wie sich der Waldboden trotz des Blätterdachs der Wälder und Plantagen kartieren lässt.

Vor diesem Hintergrund konzipierte die US-Beratungsfirma Context Partners den »Torf Preis« (englisch: Peat Prize). Wer eine Technik entwickelt, um Torfböden schnell und billig zu kartieren, gewinnt eine Million Dollar. »Ein Preis hilft, ein Problem zu definieren«, sagte Context-Chef Charlie Brown gegenüber dem US-Magazin »Portland Monthly«. 44 Forscherteams aus der ganzen Welt traten im Februar 2016 zum Start an. Zwei Jahre später wurden die Ansätze der zuletzt fünf Finalisten dann von einer wissenschaftlichen Jury bewertet, nach den Kriterien Genauigkeit, Schnelligkeit und Kosten. Das Ergebnis war einstimmig: Das Team um die Firma Remote Sensing Solutions (RSS) aus Baierbrunn bei München hatte die Million gewonnen.

Torfgebiete haben in der Regel einen Durchmesser von fünf bis 40 Kilometern, und die Torfschicht ist meist etwa zehn Meter dick. Um diese Flächen zu finden, hat RSS einen dreistufigen Ansatz entwickelt, bestehend aus der Analyse von Satellitenbildern und eines Geländemodells sowie Bohrungen vor Ort. »Auf Torfböden wächst eine spezifische Vegetation und diese kann man auf multispektralen Bildern von Satelliten erkennen«, erklärt RSS-Chef Florian Siegert, der auch Biologieprofessor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München ist. Dies gelte aber nur für ursprünglichen Regenwald: »Wenn diese Gebiete schon einmal abgeholzt wurden oder abgebrannt sind, dann ist die für Torf typische Signatur nicht mehr erkennbar.« Das betrifft etwa die Hälfte der Torfgebiete Indonesiens. »Aus diesem Grund arbeiten wir mit historischen Bildern aus den 70er und 80er Jahren. So wissen wir, wo früher Torfwald wuchs und wo heute noch Torf sein muss.«

Anschließend kommt das Geländemodell zum Zug. »Wenn die Torfschicht dicker als ein Meter ist, wölbt sich die Mitte eines Torfgebiets nach oben.« Da Torfmoore in Senken entstehen, in denen sich Wasser staut, sind Torfschichten typischerweise linsenförmig, also in der Mitte dicker als am Rand. Außerdem sind Torfgebiete auffällig glatt und unterscheiden sich damit deutlich vom Relief des umliegenden Terrains. So lassen sich viele Torflinsen schon auf dem satellitengestützten, globalen Geländemodell des Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus erkennen. Ergänzend kommt die flugzeuggestützte Lidar-Technik zum Einsatz. So wurde zuletzt eine Maya-Stadt in Guatemala kartiert, die längst vom Urwald überwuchert ist. Dabei wird mit Laserstrahlen ein dreidimensionales Bild des Bodenreliefs erzeugt.

Zuletzt werden vor Ort Bohrungen durchgeführt, um die Dicke der Torfschicht zu messen. Aus all diesen Daten lässt sich schließlich eine Karte von den Torfgebieten erstellen, die nicht nur zeigt, wo diese sind, sondern auch, wie mächtig die Torfschicht ist und wie viel Kohlenstoff darin gespeichert ist. Bei Kosten von einem Dollar pro Hektar ist die Kartierung aller indonesischen Sumpfgebiete zudem bezahlbar. In dem südostasiatischen Land werden Torfgebiete mit einer Fläche von 20 Millionen Hektar vermutet (200 000 Quadratkilometer). Siegert geht davon aus, dass die Kosten deutlich reduziert werden können, wenn man die Kartierungstechnik großflächig einsetzt. Auch der Zeitaufwand hält sich in Grenzen: »Innerhalb von zwei Jahren müsste das zu schaffen sein«, so Siegert.

Damit wäre dann die Voraussetzung geschaffen, um die Torfgebiete wirkungsvoll zu schützen. Indonesiens Regierung hat angeordnet, dass Gebiete mit dicken Torfschichten nicht mehr in Ölpalm- oder Akazienplantagen umgewandelt werden dürfen. Außerdem müssen trockengelegte Torfflächen wieder vernässt werden. Dafür will Siegert auch das von der David and Lucile Packard Foundation gestiftete Preisgeld nutzen: Erst werden den Teammitgliedern ihre Kosten erstattet. Der Rest des Geldes wird dann in eine Forschungskooperation zwischen deutschen und indonesischen Universitäten investiert, die Methoden zur Renaturierung gestörter Torfgebiete entwickelt. Außerdem sollen wissenschaftliche Daten über die bisher unerforschten Torfgebiete im Kongobecken in Afrika gesammelt werden. So bleibt die Million dem Sumpf erhalten.

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