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»Nun bist du mit dem Kopf ...

Kathrin Gerlof über die Rettung des Klimas mit immer neuen Autos, Scheinlösungen und falsche Fragen

  • Von Kathrin Gerlof
  • Lesedauer: 3 Min.

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... durch die Wand, und was wirst du in der Nachbarzelle tun?« Der polnische Poet Stanislaw J. Lec wusste die richtigen Fragen zu stellen. Wäre schön, diese hier stünde im Parlament und im Kanzleramt in goldenen Lettern an der Wand. Noch besser aber wäre, die Politik meißelte sich den Erkenntnistheoretiker George Berkeley in den Sichtbeton: »Erst wirbeln wir den Staub auf und behaupten dann, dass wir nicht sehen können.« Ach, ist das schön.

Jenseits aller Dinge, die uns beschäftigen, bereitet uns die Enttäuschung des autoverliebten deutschen Volkes sicher die größten Bauchschmerzen. »Irgendwas stimmt hier nicht« (Sean Penn als Cheyenne in »This must be the place«). Cheyenne weiß am Ende, was es ist. Das könnte der Politik nicht passieren. Sie setzt die falschen Prämissen, nimmt die als richtige Grundlage, baut darauf ihre Vorstellung von der Rettung der Autorepublik auf und wundert sich dann, dass die Rechnung nicht aufgeht. Sie sucht, wie Paul Wazlawik in seinem wunderbaren Buch »Lösungen« beschrieben hat, immer nach einem Wandel erster Ordnung. Es soll sich was ändern - schon um der Wiederwahl willen -, aber dabei muss alles bleiben, wie es ist. Solch ein Wandel erster Ordnung ist der Wechsel von einem internen Zustand zu einem anderen innerhalb eines selbst invariant bleibenden Systems.

Vor 80 Jahren hat Hitler höchstpersönlich den Grundstein für das VW-Stammwerk gelegt. Seitdem läuft das Ding und läuft und läuft. Jetzt, da es uns passieren kann, dass Fahrverbote kommen, müssen wir eine Lösung finden, die garantiert, dass alles beim Alten bleibt (also, wer ein Auto fahren und sich einen Zweitwagen leisten will, soll das tun können; wer ein ganz großes Auto haben möchte, soll es bekommen; wem es Spaß macht, in verdreckten, lauten Innenstädten oder auf verstopften Autobahnen im Stau zu stehen, dem darf das Vergnügen nicht genommen werden).

Aus Sicht des parlamentarischen Staatssekretärs im Verkehrsministeriums Norbert Barthle (CDU) wäre die blaue Plakette »nichts anderes als eine kalte Enteignung von Millionen von Dieselfahrern«. Und der Mann verspricht, das Volk und seine Autos, also das Autovolk oder eben das Volksauto davor zu schützen. Die Umweltministerin wiederum findet so eine Positivkennzeichnung wie die blaue Plakette (Huhu, ich fahre ein Auto, das absolut gesund ist!) ziemlich gut. Barthle nicht, er ist aber superoptimistisch: »Mit jedem neuen Dieselfahrzeug, das in den Verkehr gebracht wird, wird die Luft ein Stück besser.« Die Umweltministerin folgt ihrem sozialen Gewissen und gibt zu bedenken, dass sich nicht jeder ein neues Auto leisten könne. Das heißt, die Frau geht aber schon davon aus, dass es doch schön wäre, könnte sich jeder (und jede meint sie wahrscheinlich auch, bald ist Frauentag, wir müssen ein bisschen aufpassen, was die größte gedisste Minderheit der Welt anbelangt) ein neues Auto leisten. Überhaupt. Das war schon erklärtes Ziel vor 80 Jahren, als der »Kraft-durch-Freude-Wagen« gerade mal 990 Mark kosten sollte (»Fünf Mark die Woche musst du sparen, willst du im eignen Auto fahren.«).

Auch jetzt und heute, da wir uns zwar eingestehen müssen, die Mietsache Planet nicht allzu schonend behandelt zu haben, ist es erklärtes Ziel der Politik (auch der grünen Politik), den Leuten weiszumachen, dass sie auch künftig alle werden allein im Auto sitzen und fahren können. Denn es werden saubere Autos sein, E-Mobile zum Beispiel, über deren Ökobilanz bei der Produktion wir vornehm schweigen. Es werden Dieselautos sein, die nur ganz wenig Stickoxid ausstoßen. Auch die LINKE sorgt sich eher um die betrogenen Käufer (also uns) als um die Umwelt (also uns alle).

Eine falsche Antwort zu identifizieren ist eigentlich ziemlich leicht. Eine falsche Frage zu entdecken, dafür muss man intelligent und mutig sein. Die Autorin spricht der Politik insgesamt Intelligenz nicht ab. Punkt.

Rosa - Dietz-Verlag

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