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Balkanroute verschiebt sich nach Süden

  • Von Thomas Roser, Belgrad
  • Lesedauer: 3 Min.

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Allein in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres habe sich die Zahl der in Bosnien und Herzegowina offiziell registrierter Immigranten »um 600 bis 700 Prozent erhöht«, teilte der bosnische Sicherheitsminister Dragan Mektic mit - und lässt die Alarmglocken schrillen. In absoluten Zahlen klingt der Zuwachs weniger dramatisch. Wurden 2016 noch weniger als 100 Immigranten aufgegriffen, waren es 2017 bereits 800 - und in den ersten beiden Monaten 2018 rund 500 gefasste Transitflüchtlinge, die über Bosnien nach Westeuropa zu gelangen hoffen. Erwartet wird, dass deren Zahl mit dem Einsetzen des Frühlings kräftig steigt. Denn die sogenannte Balkanroute, über die 2015 über Mazedonien und Serbien bis zu zehntausend Personen pro Tag nach Westeuropa gelangten, verschiebt sich nach Süden.

Auf bis zu 50 000 Menschen wird von Hilfsorganisationen die Zahl derjenigen Flüchtlinge geschätzt, die seit der offiziellen Abriegelung der Balkanroute im Mai 2016 zwischen Griechenland und Kroatien gestrandet sind. Ähnliche Flüchtlingsbewegungen wie noch vor zwei Jahren sind im Südosten des Kontinents derzeit zwar kaum zu erwarten. Doch dicht ist die sich ständig ändernde Balkanroute keineswegs. Wegen der weitgehenden Abriegelung von Serbiens Grenzen zu Ungarn und Kroatien nutzen Flüchtlinge und Schlepperbanden zunehmend die südliche Route, die von der Türkei über Griechenland, Albanien, Montenegro und Bosnien durch Kroatien bis nach Südslowenien führt.

Von einer »neuen und tödlichen Flüchtlingsroute« spricht die Zagreber Zeitung »Jutarnji List«. Meist gelangten die aus Montenegro kommenden Transitmigranten bei Trebinje über Bosniens grüne Grenze. Vom westbosnischen Grenzort Velika Kladisa unweit von Bihac führe der nur 70 Kilometer kurze Kroatienkorridor in der Region Karlovac über den Grenzfluss Kulpa direkt ins Schengenland Slowenien: Die neue Route würden außer Flüchtlingen aus Nahost und Zentralasien auch Einwanderer aus Kosovo nutzen.

Obwohl in dem noch immer von den Folgen des Bosnienkriegs gezeichneten Staat noch rund 7500 heimische Vertriebene in über 100 Auffangzentren leben, ist das Flüchtlingsland der steigenden Zahl von Transitflüchtlingen kaum gewachsen. Den geschätzten 1500 Migranten, die sich derzeit in Bosnien aufhalten sollen, stehen gerade einmal 154 Plätze in den offiziellen Auffanglagern gegenüber.

Während Bosnien einen ansteigenden Druck auf seine ebenso langen wie schwerlich zu überwachenden Grenzen fürchtet, hat Ungarns Innenministerium in dieser Woche für 2018 nur noch 66 versuchte illegale Einreisen an seinen abgezäunten Grenzen vermeldet. Die Südverschiebung der Balkanroute bestätigen auch Flüchtlingshilfeorganisationen in Serbien: Seit drei bis fünf Monaten versuchten Flüchtlinge von Serbien und Montenegro aus verstärkt über Bosnien nach Kroatien und Westeuropa zu gelangen.

Neben den noch immer über die grüne Grenze von Mazedonien und Bulgarien nach Serbien gelangenden Flüchtlingen ist der starke Anstieg von legal per Flugzeug einreisenden Iranern ein relativ neues Phänomen. Seit sich Serbien und Iran im August auf die Abschaffung der Visapflicht verständigten, sind laut Angaben der Hilfsorganisation Info Park rund 6000 Iraner als Touristen eingereist: In Serbiens Auffanglagern stellten sie mittlerweile die drittgrößte Gruppe.

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