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Hat die gute alte Tafelkreide ausgedient?

Bayerns Schulen sollen digitaler werden und ein passendes Medienkonzept erarbeiten

  • Von Christiane Gläser, Karlstadt
  • Lesedauer: 3 Min.

Alle Klassenzimmer haben neben den klassischen grünen auch weiße Tafeln für digitalen Unterricht, alle Lehrer organisieren Arbeits- und Schulalltag am Tablet - das Johann-Schöner-Gymnasium im unterfränkischen Karlstadt ist eine Bilderbuchschule mit Blick auf Digitalisierung. »Die Schule ist fantastisch ausgestattet«, sagt Elternbeiratsvorsitzender Harald Wiggenhorn. Nun will die Schule, die Referenzschule für Medienbildung ist, ihr Wissen weitergeben. Dafür haben Lehrer, Eltern und Schüler das Projekt »Digital Media Lab« (digitales Medienlabor) auf die Beine gestellt. Das Ziel: Schulen, Kinder und Eltern auf die Digitalisierung vorbereiten und gemeinsam den Weg zur digitalen Schule gestalten.

»Denn es macht ja keinen Sinn, wenn jede Schule ihr eigenes Rad erfindet«, sagt Wiggenhorn. Ein Ansatz, der vielen bayerischen Schulen gerade recht kommen könnte. Bis Ende des Schuljahres 2018/2019 sollen alle Schulen im Freistaat ein zu ihnen passendes Medienkonzept erarbeitet haben. Um diese Hausaufgabe meistern zu können, ist ein Blick zu den Klassenbesten sicherlich hilfreich.

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sieht im leistungsfähigen Internetanschluss die wichtigste Voraussetzung für ein digitales Klassenzimmer. Auch das Ministerium hat sich in Sachen »Digitale Schule« einiges ins Hausaufgabenheft geschrieben. »Das zweite ist die Digitalität als Unterrichtsgegenstand.« Sein Ministerium überarbeite derzeit die Lehrpläne für alle weiterführenden Schulen. Geplant sind mehr Stunden für Digitales und Informatik, dafür sollen zusätzliche Lehrer eingesetzt werden. Damit die dafür fit sind, sind Fortbildungen für Zehntausende Lehrer geplant. Einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag will sich das Ministerium das kosten lassen, 170 Millionen Euro allein in diesem Jahr. Gleichzeitig will es den Schulen nicht vorschreiben, wie umfassend sie die Digitalisierung umsetzen müssen. Also sind auch die Schulen selbst gefragt. Spaenle hat zudem die Eltern zur Mitarbeit aufgefordert.

Jürgen Böhm, Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbandes, sieht eine große Chance in dieser Offensive. »Ich halte es für sinnvoll, dass sich jede Schule selbst überlegen muss, was für sie sinnvoll ist. Es gibt ja überall andere Voraussetzungen«, sagt Böhm, der den Bundesverband der Realschullehrer anführt. Für ihn ist wichtig, dass Kinder den Umgang mit Digitalem sicher lernen. Dass sie fit für den digitalen Alltag sind und sich auch mit Fakenews und Rassismus im Netz auskennen. »Das ist Teil der Werteerziehung.«

Die gute alte Tafelkreide stehe deshalb noch lange nicht vor dem Aus, meint Böhm. »Kreide, Bücher, Digitalisierung - das gehört alles zur Vielfalt dazu.« Wichtig sei, dass den Schülern die Gefahren, aber auch die Chancen vor Augen geführt werden.

Der Bayern-SPD sind die Vorstöße nicht konsequent genug. Der Kultusminister solle endlich selbst ein tragfähiges Konzept für digitale Schulen vorlegen und Richtlinien vorgeben, so der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Güll. Es sei ohne Frage wichtig, Schüler im Umgang mit digitalen Medien zu unterstützen. »Dass die Geräte aber wirklich sinnvoll im eigentlichen Unterricht eingesetzt werden, davon ist Bayern Lichtjahre entfernt.« dpa/nd

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