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Frauen ohne Karriere

Der soziale Aufstieg aus eigener Kraft ist für Frauen immer noch besonders schwierig

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

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Selbst die Herkunft der Urgroßmutter entscheidet über eine Karriere mit. Gerade in Deutschland hängt der soziale Status einer Person maßgeblich vom sozialen Status der Vorfahren ab: So lassen deren Bildungsgrad oder Berufsstand auf den ihrer Nachfahren der vierten Generation schließen.

»Soziale Ungleichheit baut sich sehr viel langsamer ab als bislang geglaubt«, meint Arbeitsmarktforscher Sebastian Braun vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) Kiel, der zusammen mit Jan Stuhler von der Universität Madrid den sozialen Status von Familien erforscht hat. Besonders betroffen von der schleppenden sozialen Mobilität sind Frauen. Klassische Rollenbilder werden so auch in der Wirtschaft immer wieder erneuert.

Die Folgen sind 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechtes gravierend. So haben Frauen geringere Rentenansprüche als Männer. Wenn man die Einkünfte aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente und privater Altersvorsorge zusammenrechnet, ergibt sich für das Jahr 2015 ein »Gender Pension Gap« von 53 Prozent. Das heißt: Männer verfügen im Schnitt über eine mehr als doppelt so hohe Alterssicherung wie Frauen. Im Westen fällt die Lücke deutlich größer aus als im Osten. Im europäischen Vergleich schneiden Deutschlands Frauen besonders schlecht ab.

Ausgerechnet Erfolgsmeldungen zeigen, wie groß die Kluft zwischen dem postulierten Anspruch der »Politischen Korrektheit« und der Wirklichkeit im Arbeitsleben ist. Die EU-Kommission unter Präsident Jean-Claude Juncker will mit gutem Beispiel vorangehen und den Anteil von Frauen in den kommissionsinternen Führungspositionen erhöhen. »Eine geschlechtermäßig ausgewogene Verwaltung ist effizienter und erreicht bessere Ergebnisse«, ist die EU-Kommission überzeugt. Zu Beginn seiner Amtszeit im November 2014 betrug der Anteil von Frauen unter den Führungskräften auf allen Ebenen 30 Prozent - bis November 2017 war der Frauenanteil auf 36 Prozent gestiegen. Das heißt aber auch, zwei von drei Spitzenpositionen sind immer noch fest in Männerhand.

Zudem zeigt sich in Europa wie in Deutschland: Je höher »man« schaut, desto weniger Frauen sind zu finden. Im Mittelpunkt dieser Diskussion stehen die Aufsichtsräte. Im Regelfall werden sie von Aktionären und Beschäftigten gewählt und legen maßgeblich den Kurs eines Unternehmens fest. Auch entscheidet der Aufsichtsrat über die Berufung des Vorstandes.

Seit 2016 gilt hierzulande eine Geschlechterquote: 30 Prozent der Aufsichtsratsmandate der Kapitalgesellschaften, die börsennotiert und paritätisch mitbestimmt sind, müssen weiblich besetzt sein. So sitzen nun fast 29 Prozent Frauen in den Kontrollorganen von 107 Unternehmen. Zuvor waren es knapp 23 Prozent.

Doch das Erreichte genügt nicht. Schließlich stellen Frauen in der deutschen Bevölkerung mit 51 Prozent die Mehrheit. »Wir sind noch weit entfernt von einer hinreichenden, flächendeckenden Beteiligung von Frauen in Leitungsgremien«, sagt Marion Weckes, Expertin für Unternehmensführung bei der Hans-Böckler-Stiftung. Der Geltungsbereich der Quote sei viel zu eng gesteckt und sollte ausgedehnt werden.

Weckes schlägt in einem ersten Schritt vor, alle deutschen »kapitalmarktorientierten« Gesellschaften zu verpflichten. Damit würde die Frauenquote für alle Unternehmen gelten, die wegen ihrer Bedeutung für den Kapitalmarkt ohnehin unter strengerer Aufsicht der Bundesfinanzaufsicht BaFin stehen. 2017 waren das 561 Unternehmen. Langfristig fordert Weckes, die Aufgabe der Geschlechtergleichstellung allen großen Kapitalgesellschaften im Sinne des Handelsgesetzbuchs (ab 250 Beschäftigte) zu übertragen. Insgesamt würde die Quote dann in mehr als 2200 Firmen gelten.

Mehr Frauen im Aufsichtsrat reichen jedoch nicht aus, um mehr Frauen in Spitzenjobs zu bringen. Dafür gibt es neben den historischen auch kulturelle, soziale und betriebswirtschaftliche Gründe. In der Folge ist laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der »Pool potenzieller Kandidatinnen« in den meisten Firmen klein.

Ohne Quote geht es offenbar nicht voran. So herrscht in den Vorständen fast wieder Stillstand: In den 200 umsatzstärksten Konzernen lag der Anteil weiblicher Vorstände Ende 2017 weiter bei nur rund acht Prozent. Um nachhaltig mehr Frauen nach oben zu bringen, fordert auch das DIW in Berlin die nächste Bundesregierung auf, die bislang freiwilligen Vorgaben für Frauen in hohen Führungspositionen zu verschärfen.

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