Werbung

Makabrer saudischer Hilfsplan für Jemen

UNICEF-Vertreter: Hier soll Hilfe in der Hand von einer Kriegspartei monopolisiert werden

  • Von Oliver Eberhardt, Jerusalem
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Mit einer leeren Pressemitteilung brachte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Mitte Februar die eigene Sprachlosigkeit zur Lage in Syrien zum Ausdruck. Im Fall Jemens findet der UNICEF-Mitarbeiter Mohammed al-Asaadi indes deutliche Worte: »Es ist eine Situation, die uns Tag für Tag fassungslos macht, weil sie nicht nur tödlich ist, sondern auch noch unfassbar zynisch.«

Mehr als 10 000 Menschen wurden UNICEF-Daten zufolge seit Beginn des Krieges vor gut drei Jahren in Jemen bei Kampfhandlungen getötet; mindestens 50 000 weitere schwer verletzt. Hinzu kommen Tausende, die an Unterernährung oder der nach wie vor grassierenden Cholera gestorben sind. Bei UNICEF ist man um Neutralität bemüht, verweist deshalb auf die eigenen Statistiken. Und daraus geht hervor, dass mehr als zwei Drittel der Getöteten bei Bombenangriffen der internationalen Militärallianz starben, die der international anerkannten Regierung von Präsident Abedrabbo Mansur al-Hadi an die Macht zurück verhelfen will.

Für besonderen Ärger sorgt nun bei Mitarbeitern von UNO und Hilfsorganisationen ein Hilfspaket Saudi-Arabiens: Zwei Milliarden Dollar will die dortige Regierung dafür aufwenden, Häfen und Infrastruktur auszubauen und Hilfsgüter zu liefern. »Unser Plan wird neue Standards bei der humanitären Hilfeleistung setzen«, sagt ein Sprecher des saudischen Kronprinzen Mohammad bin Salman: »Güter werden künftig schneller und effizienter zu den Menschen kommen.«

Doch hinter den wohltönenden Worten klingt eine »bittere Wahrheit« durch, sagt Asaadi: »Dieser Plan wird Hilfe in der Hand einer der Kriegsparteien monopolisieren und vor allem dazu führen, dass weniger Güter geliefert werden können, als es jetzt der Fall ist.«

Denn ausgebaut werden sollen ausschließlich Häfen unter Kontrolle der Hadi-Regierung oder der Militärallianz; die beiden von den Huthi-Milizen kontrollierten Häfen Hodeida und Saleef bleiben nicht nur außen vor: Der saudische Plan sieht auch vor, dass die Einfuhren im Vergleich zum Juli 2017 um 200 Kubiktonnen im Monat verringert werden sollen. Damals waren nach UNICEF-Angaben mehr als 100 Kinder täglich an Unterernährung und Krankheiten gestorben: »Wenn schon damals nicht genug für alle da war, wie soll das heute der Fall sein?« fragt ein Mitarbeiter des Roten Halbmondes in Sanaa.

Für die Helfer ist deshalb klar: Die saudische Regierung wolle humanitäre Hilfe als Waffe einsetzen, heißt es allerorten; es sei völlig illusorisch, Güter über die Fronten hinweg quer durch das Land zu transportieren - falls es Regierungstruppen und Militärallianz überhaupt zulassen.

Kritik kommt auch vom neuen neuen UNO-Sondergesandten Martin Griffiths, der sein Amt im Februar antrat, nachdem sein Vorgänger, der mauretanische Diplomat Ismail Ould Scheich Ahmed, den Job aufgegeben hatte: »Nach drei Jahren der Erfolglosigkeit glaube ich, dass neue Impulse notwendig sind«, so Scheich Ahmed. Der 66-jährige Griffiths, der über Jahrzehnte lange Erfahrung in Konfliktlösung, Mediation und humanitärer Hilfe hat, fordert nun, Saudi-Arabien müsse sicherstellen, dass Hilfen ungehindert ins Land gebracht werden können. Dabei verweist er auf einen Bericht eines UNO-Expertenrats vom Januar, der die Situation in Jemen beobachten und dem UNO-Sicherheitsrat berichten soll: Saudi-Arabien nutze die Drohung mit dem Hunger als Kriegswaffe heißt es darin.

Doch obwohl die Kritik an den saudischen Militäreinsätzen mittlerweile auch unter Diplomaten immer lauter wird und die Angriffe auf die Huthi-Gebiete nach wie vor nur kurzzeitige Erfolge zeigen, betont Kronprinz Mohammad bin Salman, man werde weiter kämpfen, »bis die rechtmäßige Regierung den gesamten Jemen kontrolliert«.

Dabei wird er nun ausgerechnet von seinen eigenen Verbündeten blockiert: Per Schiff hatte die saudische Regierung 680 Millionen Dollar in jemenitischen Rial nach Aden bringen wollen, damit die Hadi-Regierung die Löhne der öffentlichen Bediensteten bezahlen kann. Doch die Marine der Vereinigten Arabischen Emirate hindert die Schiffe am Einlaufen. Dort unterstützt man mittlerweile eine Separatistengruppe, die für die Teilung Jemens in einen Nord- und einen Südstaat eintritt.

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen