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Dicke Luft in Bangkok

Thailands Hauptstadt erstickt im Feinstaub

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Mundschutzmasken sind in Bangkok ein häufig gesehenes »Modeaccessoire«. Es herrscht dicke Luft in der thailändischen Hauptstadt. Feinstaubpartikel der gefährlichen Kategorie PM2,5 machen den 14 Millionen Einwohnern der Megastadt das Leben und Atmen schwer. Umweltschützer schlagen Alarm. »Bangkok darf nicht weiter an gefährlicher Luft ersticken. Die gefährdet das Leben der Menschen, betrifft die wirtschaftliche Produktivität und hat eine negative Auswirkung auf den Ruf einer der populärsten Städte der Welt«, findet Tara Buakamsri, Chefin von Greenpace Thailand.

Diese eindringliche Botschaft übermittelte Greenpeace Ende Februar auch Thailands Juntachef und Premierminister General Prayuth Chan-Ocha. Aktivisten übergaben einem Mitarbeiter des Politgenerals eine mit Staub aus den am stärksten betroffenen Vierteln von Bangkok und anderen thailändischen Städten gefüllte Sanduhr. »Der Premierminister, der gleichzeitig Vorsitzender des Nationalen Umweltamtes ist, sollte die Behörde zur Kontrolle der Luftverschmutzung anweisen, die Luftqualität des Landes zu verbessern und sofort zum Schutz der Gesundheit der Menschen korrekte Mess- und Warnsysteme zur Luftqualität einzuführen«, fordert Tara Buakamsri. Feinstaub wird nach Angaben des thailändischen Pollution Control Department (PCD) bis zu einem Wert von 50 als »gut« und bis zu 100 als »moderat« angesehen. Das ist das allerdings das Doppelte des von der WHO festgesetzten Unbedenklichkeitswertes von 25 Mikrogramm.

In den ersten 52 Tagen dieses Jahres, davon 40 hintereinander, wurde in Bangkok die schlimmste Luftverschmutzung seiner Geschichte gemessen. In Teilen der Metropole lag die Belastung der Luft mit Feinstaubpartikeln PM2,5 weit über dem Grenzwert der WHO. Zeitweise stieg der Feinstaubindex in Bangkok auf 174 und erreichte damit ein Niveau am oberen Ende der Skala von »sehr ungesund«.

Ursache der Feinstaubverschmutzung ist der horrende Verkehr, der Bangkok in die weltweite Liga der Städte mit den massivsten Staus katapultiert hat. Weitere Quellen sind das produzierende Gewerbe, die Stromerzeuger, die offene Verbrennung von Hausmüll und das abbrennen abgeernteter Reisfelder rings um die Kapitale.

Die Behörden raten Bürgern mit Atemwegs-, Herz- oder Gefäßerkrankungen, aber auch Kindern, Alten und Fitnessfans von anstrengenden Aktivitäten im Freien ab. An trauernde Hinterbliebene richtete die Stadtverwaltung den eindringlichen Appell, keine »unnützen Dinge« in die Särge ihrer lieben Verblichenen zu legen. Gemäß ihrer Religion verbrennen Thailands Buddhisten ihre Toten und geben ihnen Gold, Schmuckstücke und persönliche Erinnerungsstücke mit auf den letzten Weg.

37 500 Thais sterben pro Jahr durch verschmutzte Luft. Das geht aus den Daten für 2016 der State of Global Air hervor. Einer gemeinsamen Studie der Harvard Universität und Greenpeace zu Folge sind Kohlekraftwerke Ursache für weitere 1550 Todesfälle pro Jahr. Diese Zahl könnte auf bis zu 5300 pro Jahr steigen, warnen die Wissenschaftler und Umweltschützer, wenn die Pläne zum Bau weiterer Kohlekraftwerke Wirklichkeit werden.

In Bangkok sorgte in den letzten Tagen Buddha für eine weniger von Feinstaub belastete Luft. Lagen bis zum 28. Februar laut des Onlinedienstes World Air Quality Index die PM2,5-Werte zwischen 62 und 127 Mikrogramm, sanken sie ab 1. März, dem buddhistischen Makha-Buddha-Feiertag. Viele Betriebe hatten geschlossen und weil viele Bangkoker das lange Wochenende nutzten, um der Stadt zu entfliehen, waren auch deutlich weniger Autos unterwegs.

Dafür aber kam Luftalarm aus Chiang Mai. Dicker grauer Smognebel hing über der »Rose des Nordens«. Laut dem Luftqualitätsbericht der Internationalen Luftqualitäts-Überwachungsbehörde erreichte der Feinstaubwert PM2,5 am Buddhatag in Thailands zweitgrößter Stadt extrem ungesunde 203 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Die Daten des thailändischen PCD hingegen zeigten »nur« 110,72 Mikrogramm, immerhin noch immer mehr als das Doppelte des thailändischen Grenzwertes.

Der Mensch ist ein geduldiges Wesen, der das Beste aus dem macht, was er als Einzelner nicht ändern kann. Atemschutzmasken kommen daher nicht mehr nur in klinisch-schnödem Weiß daher. In Blau, in Braun, in Grün und gar schon in bunten modischen Farben, mit und ohne Blümchenmuster lässt sich mit den wenig kleidsamen Dingern trotz alledem auch ein modisch-individuelles Statement setzen. Und für die Straßenhändler sind sie ein nettes Zusatzgeschäft.

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