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  • Berlin
  • Brand in Moschee in Reinickendorf

Entsetzen nach Terroranschlag

Feuerattacke auf Moschee wird einhellig verurteilt / Ruf nach Polizeischutz

  • Von Marie Frank
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der beißende Gestank nach verbranntem Plastik steigt einem schon von Weitem in die Nase. Vor der Koca-Sinan-Camii-Moschee an der Pankower Allee Ecke Kühleweinstraße türmen sich die ausgebrannten Gebetsbänke und anderes Inventar. Ein Blick ins Innere zeigt: Der Hauptraum ist komplett ausgebrannt, hier wird so schnell kein Gottesdienst mehr stattfinden.

In der Nacht zum Sonntag hatte es einen Brandanschlag auf die Moschee in Reinickendorf gegeben. Gegen zwei Uhr morgens hörten AnwohnerInnen ein Klirren und sahen drei Jugendliche wegrennen. Daraufhin entdeckten sie die eingeworfenen Scheiben sowie ein Feuer im Hauptraum und alarmierten die Rettungskräfte. Die Feuerwehr konnte den Brand nach anderthalb Stunden löschen, verletzt wurde niemand.

Vor der rußgeschwärzten Fassade mit den eingeschlagenen Fensterscheiben steht Mustafa Karabolut, der Vorsitzende des Moscheevereins. Er hofft, die Moschee so schnell wie möglich wieder aufbauen zu können. »Es muss weitergehen, die Leute müssen ja beten«, sagt er. Außer ihm haben sich noch einige Gemeindemitglieder eingefunden und begutachten den Schaden. Ein Nachbar kommt vorbei und drückt Karabolut einen Hundert-Euro-Schein in die Hand. Eine Spende für den Wiederaufbau der Moschee. »Das muss jeder machen, das sind schließlich unsere Nachbarn«, ist er überzeugt. Mit dieser Ansicht scheint er nicht alleine zu sein, am Zaun drängeln sich einige Kinder und überreichen Karabolut Zehn-Euro-Scheine.

Die Solidarität der Nachbarschaft scheint groß. Bereits am Sonntag halfen Viele beim Ausräumen des verkohlten Inventars. Auf den Fensterläden im Erdgeschoss hängen deutsche und türkische Fahnen, auch einige Plakate wurden angebracht. »Hände weg von meiner Moschee«, steht dort, oder »Gotteshäuser gehören uns allen«. Andere scheinen auch in solch schwierigen Zeiten ihren Optimismus nicht zu verlieren: »Danke für einen Neuanfang« hat jemand mit Filzstift auf ein Blatt Papier geschrieben. Die Koca-Sinan-Camii-Moschee gehört zum Ditib-Verband (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion), dem deutschen Ableger der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet. Insgesamt 13 Ditib-Moscheen gibt es in der Hauptstadt, erzählt Gürsel Tabaktas, selbst Vorsitzender einer Berliner Ditib-Gemeinde. Das, was hier passiert ist, könne jeder von ihnen passieren, glaubt er und fordert Polizeischutz. »Wir können nicht jede Nacht hier stehen und uns schützen. Das muss die Polizei machen!« Tabaktas vermutet einen antiislamischen Hintergrund der Tat. »Diese Leute sind gegen den Islam. Was anderes kann ja nicht sein«, glaubt er. Insgesamt lässt ihn die Tat ratlos zurück. »Wieso passiert so etwas? Wen stört das hier? Die Leute gehen rein, beten, und kommen wieder raus.«

Die Polizei hat nach eigenen Angaben noch keine Erkenntnisse zu Tätern und Motiv. Da eine politische Tatmotivation aber auch nicht auszuschließen sei, ermittele der polizeiliche Staatsschutz, sagte ein Polizeisprecher am Montag.

Der Türkische Bund Berlin-Brandenburg fordert eine schnelle und lückenlose Aufklärung der Tat und der Motive. Ein besonderes Augenmerk müsse dabei auf einem möglichen islamfeindlichen und rassistischen Hintergrund liegen. Schließlich seien in fast allen Fällen der 950 Angriffe auf Muslime und muslimische Einrichtungen im Jahr 2017 die TäterInnen Rechtsextreme gewesen. Die Politik müsse Angriffe auf Moscheen zudem unmissverständlich verurteilen.

Berlins Integrationsbeauftragter Andreas Germershausen zeigte sich von dem Anschlag entsetzt und sprach von Terror. »Wer Gotteshäuser anzündet, dem geht es nur um ein Ziel: Angst und Einschüchterung zu verbreiten. Dem geht es darum, eine Bevölkerungsgruppe zu terrorisieren«, teilte er am Montag mit. Germershausen schließt einen möglichen Zusammenhang mit dem Angriff der türkischen Regierung auf das kurdische Afrin in Syrien nicht aus. Wer jedoch versuche, die Konflikte in den Herkunftsländern vieler Berlinerinnen und Berliner zu instrumentalisieren und hier auszutragen, sei nicht besser als die Rassisten.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) verurteilte den Angriff als Anschlag auf die politische und religiöse Freiheit, der schnellstmöglich aufgeklärt werden müsse.

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