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»Gnadenlose Gewalt«

Medico fordert klare Position Berlins zu Syrien

  • Von Roland Etzel
  • Lesedauer: 2 Min.

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UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, hat am Montag auf die entsetzliche Lage einer ganzen Generation von Kindern im Syrien-Krieg aufmerksam gemacht. »Es herrscht blanke, gnadenlose Gewalt gegen Kinder«, zitiert epd Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, in Köln. Geert Cappelaere, der zuständige UNICEF-Regionaldirektor, erklärte in Amman, der Schutz von Kindern in Konflikten gehöre zu den grundlegenden Prinzipien des Völkerrechts. Deshalb schaue er mit besonderer Sorge auf das eingeschlossene Rebellengebiet Ost-Ghuta. Dort lebten etwa 200 000 Kinder. 40 Prozent der Minderjährigen seien chronisch unterernährt. »Ost-Ghuta ist schlimmer als Ost-Aleppo«, das vor zwei Jahren traurige Schlagzeilen machte, so der Niederländer.

Auch die Hilfsorganisation medico international beklagt die katastrophale Lage der Zivilisten in der Ost-Ghuta, spart aber, anders als die zitierten UNICEF-Vertreter, den anderen aktuellen Brennpunkt des Syrien-Krieges nicht aus, nämlich die Afrin-Region an der Grenze zur Türkei, die von den eingefallenen türkischen Armee-Einheiten überrannt zu werden droht. Noch seien die Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung in Afrin verglichen mit Ost-Ghuta gering. Doch, so heißt es in einer ebenfalls am Montag veröffentlichten Presseerklärung von medico, das könnte sich sehr schnell ändern, denn die türkische Truppen und ihre syrisch-dschihadistischen Allierten seien nur noch wenige Meter von der Stadt Afrin entfernt. Die Außenbezirke, berichten mit medico verbundene Mediziner vor Ort, lägen bereits unter Dauerbeschuss von Mörsergranaten. Die Strom- und Wasserversorgung ist wohl unterbrochen. 800 000 Menschen seien schätzungsweise in Afrin, darunter viele Flüchtlinge aus anderen Regionen Syriens. Auch sind viele Menschen aus den Dörfern und Flüchtlingslagern rund um Afrin aufgrund der Angriffe in die Stadt geflohen. Ebenso leben im Kanton Afrin viele Angehörige der religiösen Minderheit der Yeziden. Sie fürchten besonders die von der Türkei als syrische Regierungsgegner gehätschelten islamischen Extremisten unter den Angreifern.

Medico fordert daher von Berlin endlich eine klare Position. Die Regierung klage laut über das Leid in der Ost-Ghuta, das ihrer Ansicht nach allein Damaskus und Moskau zu verantworten hätten, sei aber »auf dem türkischen Auge« blind. Berlin, so medico, müsse beim NA-TO-Partnerland Türkei massiv intervenieren, um eine weitere schreckliche Spirale im syrischen Konflikt zu verhindern.

»Stattdessen schweigt die Bundesregierung. In Syrien sind in Deutschland produzierte Panzer im Einsatz. In Deutschland werden Kurden kriminalisiert, die sich mit den Menschen in Afrin solidarisch erklären. Die Bundesregierung bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen Zuschauen und Billigung des türkischen Militäreinsatzes, dessen Ende in keiner Weise absehbar ist«, so Katja Maurer von medico international.

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