Werbung
  • Sport
  • Fußball in Griechenland

Bewaffneter Platzsturm

Der Besitzer von PAOK Saloniki sorgt für einen neuen Eklat in Griechenlands Fußball. Jetzt ruht der Spielbetrieb

  • Von Erik Roos, Saloniki
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Als Ivan Savvidis wutentbrannt auf den Schiedsrichter zustürmte, war die Pistole an seinem Gürtel nicht zu übersehen. Und doch beließ es der Vereinschef von PAOK Saloniki nicht dabei. Immer wieder schob er seine schwarze Jacke zur Seite, ganz so, als wolle er den Referee und die verdutzten Spieler auf die Waffe hinweisen. Wenig später legte Savvidis seine Jacke komplett ab, die Pistole lag nun frei. Schiedsrichter Giorgos Kominos brach die Begegnung daraufhin ab. Savvidis ist Besitzer des griechischen Pokalsiegers, mit seinem gepflegten grauen Bart sieht der 58-Jährige durchaus seriös aus. Im Spitzenspiel der griechischen Superleague gegen Tabellenführer AEK Athen brannten bei ihm jedoch alle Sicherungen durch.

Die griechische Regierung reagierte am Montag auf den neuerlichen Eklat im Fußball und ordnete eine Unterbrechung der Liga an. Zwischen Thessaloniki, Athen und Tripolis ruht nun auf unbestimmte Zeit der Ball. »Wir haben entschieden, die Liga zu stoppen. Ohne eine von allen Seiten getroffene Vereinbarung wird es keinen Neustart geben«, sagte der stellvertretende Sportminister Georgios Vassiliadis nach einem Treffen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras. Wie und wann es weitergeht, ist offen. Der Weltverband FIFA erklärte, dass auch er das Geschehen rund um das Spiel verurteile.

Auslöser der Krise war »Pistolenmann« Savvidis. Als Schiedsrichter Kominos am Sonntag in der 90. Minute das vermeintliche 1:0 für PAOK wegen einer Abseitsstellung nicht anerkannte, lief der Klubchef auf den Rasen und fuchtelte wild mit den Händen. Die grimmigen Bodyguards an seiner Seite griffen eher halbherzig ein. Die Folge war Chaos: Die Spieler von AEK verließen den Rasen und ließen sich auch nicht mehr zu einer Rückkehr überreden. PAOK dagegen wollte die fünfminütige Nachspielzeit zu Ende bringen, noch zwei Stunden nach dem Abbruch machte sich das Team vor inzwischen leeren Rängen warm. Dann erklärte Referee Kominos plötzlich, das Tor zähle doch. Unklar blieb, ob er diese Entscheidung schon vor dem »Platzsturm« durch Savvidis getroffen hatte.

Der PAOK-Boss ließ erklären, die Aufregung sei völlig übertrieben. »Ivan Savvidis hat niemanden mit einer Waffe bedroht. Die provokanten Überschriften in diversen Medien sind absolut unwahr«, teilte seine Medienabteilung der russischen Zeitung »Sport Express« mit. Er trage eine Waffe, »weil er die Erlaubnis dazu hat. Das ist in Griechenland nicht verboten.« Die griechische Polizei leitete dennoch eine Untersuchung ein - allerdings nicht wegen des Tragens der Waffe, für die Savvidis offensichtlich eine Lizenz besitzt, sondern wegen des unerlaubten Betretens des Rasens. Ja, Savvidis habe sich »überzogene Emotionen erlaubt«, gab sein Büro zu. »Aber noch einmal: Er hat niemanden bedroht.« Der Slowake Lubos Michel, Technischer Direktor von PAOK und ehemaliger FIFA-Schiedsrichter, soll Medienberichten zufolge dem Referee dagegen ein »Du bist fertig« zugeraunt haben. Das gilt nun erst einmal für die gesamte Liga. SID/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen