Werbung

Umbau des Flaschenhalses

Flughäfen wollen Passagier- und Gepäckkontrollen in die eigene Hand nehmen

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

2017 wurden an deutschen Flughäfen rund 234,7 Millionen Passagiere gezählt. Das entspricht einem Plus von 5,2 Prozent im Vergleich zu 2016. Entsprechend steigen die Anforderungen an die Passagier- und Gepäckkontrollen. Die sind ein Flaschenhals bei der Abfertigung. Seit Jahren räumt die Bundesregierung Mängel bei Sicherheitsvorkehrungen ein, EU-Kontrollen ergaben Qualitätsmängel. Nun hat die neue Große Koalition im Regierungsprogramm festgehalten, dass die Zuständigkeiten bei der Luftsicherheit überprüft werden sollen.

Experten von der Gewerkschaft der Polizei forderten in der Vergangenheit vehement, dass die Privatisierung der Luftsicherheitskontrollen rückgängig gemacht wird. Angesichts der Personalnot bei der Bundespolizei verstummten sie. Umso lauter verschafften sich Fluggäste Gehör. Sie klagen über Wartezeiten und die Unfreundlichkeit vieler staatlich beliehener »Luftsicherheitsassistenten«.

Wenn sie selbst die entsprechenden Dienstleister auswählen und steuern dürften, seien effizientere Prozesse ohne Abstriche bei der Sicherheit möglich, sagte der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, diese Woche gegenüber dpa. Die bislang dafür zuständige Bundespolizei könne sich dann auf ihre ursprünglichen Aufgaben konzentrieren, lockt der Airport-Lobby-Vertreter.

Doch der Ärger bei Passagieren ist nicht der alleinige Grund für die angestrebte Neuordnung. Das bisherige System, so Beisel, sei im internationalen Vergleich wenig leistungsfähig und zu teuer. Das liege in erster Linie an unzuverlässigen Dienstleistern, die zwar Ausschreibungen des Bundesbeschaffungsamtes gewönnen, sie dann aber in der täglichen Praxis nicht erfüllen könnten.

Was da als Gedanken für die Zukunft daher kommt, ist auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn offenbar schon in Gang. Der dort bislang für die Passagierkontrollen zuständige Dienstleister Kötter bestätigte dieser Tage »einen Betriebsübergang«. Der Vertrag über Personal- und Warenkon- trollen laufe Ende März aus, die bisherigen 96 Mitarbeiter würden vom Airport übernommen.

Kötter gilt als Buhmann, wenn es um die Neuordnung von Airport-Kontrollen geht. Bereits ab Januar musste das Essener Unternehmen die Arbeit am Flughafen Halle/Leipzig und in Köln/Bonn abgeben. Ärger gibt es auch in Düsseldorf. Der dortige Airport belegt mit 24 624 895 Passagieren im vergangenen Jahr Platz drei im Deutschland-Ranking. Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di fehlen in Düsseldorf allerdings pro Tag zwischen 80 und 120 Kontrolleure. Das ist der Normalzustand. Im vergangenen Sommer kam es wegen Personalmangels zu stundenlangen Wartezeiten an den Kontrollstellen und zu Terminalsperrungen. Ein erneutes Chaos zu Ostern ist programmiert. Ursache für die Personalnot sind offiziell die »unerwartet schlechten Besteherquoten in den Prüfungen«. Von 80 angeblich trainierten Security-Bewerbern hätten lediglich 16 die Prüfungen bestanden.

Ob das aber alles besser wird, wenn die Airports ohne staatliches Anraten selbst bestimmen dürfen, wer die Kontrolle von Passagieren und Gepäck ausführt? Flughafenverbandessprecher Beisel tut großspurig: »Wenn die ihre Leute vernünftig behandeln, haben sie auch nicht so hohe Krankenstände.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen