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»Sloba« ist zurück

Serbien: Belgrader Denkmal für Milosevic gefordert

  • Von Thomas Roser, Belgrad
  • Lesedauer: 2 Min.

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Das Antlitz des 2006 im Gefängnis des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag verstorbenen Slobodan Milosevic prangt in Serbien wieder auf den Titelblättern. »Sloba erneut zwischen uns«, titelt das Wochenblatt »Vreme« angesichts der Premiere der grotesken »Slobodan Show« im Belgrader Nationaltheater. Noch mehr Staub wirbelt eine Initiative auf, die für die Rehabilitierung des 2000 gestürzten Machthabers streitet: Die mitregierenden Sozialisten (SPS) fordern ein Denkmal in Belgrad. Blutige Kriege, Armut, Hyperinflation, der Verlust Kosovos, die NATO-Bombardierung, politische Auftragsmorde, kriminelle Privatisierungen sowie die Plünderung von Rentenkassen und Devisenkonten prägten die bleierne Amtszeit von Serbiens mächtigem Strippenzieher.

85 Prozent der Europäer würden heute ein »positives Bild« von Milosevic haben, ist der SPS-Ehrenvorsitzende Milutin Mrkonjic jedoch überzeugt. Milosevic sei ein Staatsmann gewesen, der »bis zum Ende seines Lebens für die nationale Integrität gekämpft« habe, begründet die SPS-nahe Bürgerinitiative »Sloboda - Freiheit« den kurz vor dem 12. Todestag ihres Idols in der Vorwoche bei der Stadt Belgrad und Präsident Aleksandar Vucic eingereichten Antrag für ein Denkmal: »Milosevic war ein Held seiner Zeit und Verteidiger des Landes in schweren Zeiten.«

Neu sind die SPS-Forderungen nach einem Sockel-Comeback ihres Gründers nicht. Doch die Chancen scheinen so gut wie selten zuvor. Ob in der Politik, Verwaltung, in der Armee oder den Chefetagen der staatlichen Unternehmen und Medien: Seit der Machtübernahme der nationalpopulistischen SNS 2012 sind die einstigen Mitstreiter von »Sloba« wieder auf dem Vormarsch. Selbst seine vom UN-Tribunal als Kriegsverbrecher verurteilten Generäle gelten in ihrer Heimat als längst rehabilitiert. Und nach den von der SNS klar gewonnenen Belgrader Kommunalwahlen zu Monatsbeginn scheint der Weg zum Milosevic-Monument nun geebnet. Das auffällige Schweigen der SNS zum Vorstoß ihres Juniorpartners werten besorgte Menschenrechtsorganisationen als Zeichen stillschweigender Zustimmung. SNS-Fraktionschef Aleksandar Martinovic hat angedeutet, dass das Milosevic-Monument im Doppelback mit dem von der Regierung bereits bewilligten Denkmal für den 2003 ermordeten Reformpremier und langjährigen Milosevic-Gegner Zoran Djindjic abgesegnet werden könnte. Der Djindjic-Mord sei ein »tragisches Ereignis« gewesen: »Aber dass Milosevic im Haager Tribunal starb, war auch tragisch.«

Kritiker spötteln, dass der allgewaltige Staats- und SNS-Chef Vucic auch in der Denkmalsfrage auf seine bewährte Schaukelpolitik setzen könnte, also Djindic und Milosevic. »Entweder Serbien oder Sloba«, warnt indes die Zeitung »Blic«: »Man kann nicht auf dem europäischen Weg sein und gleichzeitig ein Milosevic-Denkmal errichten und dessen düstersten Gefolgsleute wieder zurückbringen.« In der Milosevic-Geburtsstadt Pozarevac hat derweil eine Gegeninitiative die Umbenennung der Lenin-Straße in die »Straße der Opfer von Slobodan Milosevic« beantragt.

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