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Im Eisschnelllauf geht’s drunter und drüber

Bei der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft treten gleichzeitig Bundestrainer und Sportdirektor zurück

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Über Jahrzehnte waren die deutschen Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer Medaillengaranten, seit ein paar Jahren bleiben die Erfolge aus. Gab es 1992 in Albertville noch elf Medaillen (fünf goldene), kehrten die DESG-Athletinnen und -Athleten 2018 schon zum zweiten Mal nach 2014 ohne Edelmetall von Olympia zurück. Die beste Einzelplatzierung in Pyeongchang war ein siebter Platz durch Patrick Beckert über 10 000 Meter, was das schlechteste Abschneiden seit 54 Jahren bedeutete. Seit geraumer Zeit steht zudem fest, dass sich der langjährige Hauptsponsor DKB zurückzieht.

Am Sonntag erreichte die Verbandskrise einen neuen Tiefpunkt: Nachmittags verkündete Bundestrainer Jan van Veen am Rande des Weltcupfinales in Minsk, er werde seinen Vertrag nicht verlängern. Kurz darauf ließ DESG-Präsidentin Stefanie Teeuwert in dürren Worten per Presseerklärung mitteilen, dass auch Sportdirektor Robert Bartko zum Ende des Monats auf eigenen Wunsch seine Tätigkeit bei der DESG beende: De verband bedauere »das Ausscheiden von Herrn Bartko zum 31. März 2018 sehr« und wünsche alles Gute.

War man bei der DESG wirklich so unvorbereitet und das ausgerechnet vor der bevorstehenden Leistungssportreform mit umfangreicher Evaluierung durch das neuartige »Potenzial-Analyse-Systsem (PotAS)«? Bis 22. Mai müssen die 151 Fragen der PotAS-Kommission beantwortet werden. Nach Auswertung der Antworten soll entschieden werden, welche Sportarten künftig wie stark gefördert werden.

»Nun, bis vor Olympia haben wir nicht mit solchen Entwicklungen beim Personal gerechnet«, sagte Hubert Graf am Montag gegenüber »nd«. Der Inzeller ist als DESG-Vizepräsident für den Eischnelllauf zuständig, der Abgang des Bundestrainers am Sonntag hatte auch ihn offensichtlich überrascht: Van Veen habe kurz vor seiner Rücktrittserklärung per Mail seine Pläne mitgeteilt, seither habe man keinen Kontakt mehr gehabt. Zumindest in Sachen Bartko aber sei dem Verband klar gewesen, dass der Abschied anstehe.

Der Bahnrad-Olympiasieger von Sydney 2000 hatte seit 2014 als Sportdirektor bei der DESG gearbeitet, unter Kaderathleten soll er wegen seines autoritären Auftretens nur wenig beliebt gewesen sein. Der Potsdamer hatte unter anderem ein Nachwuchsentwicklungskonzept durchgesetzt, das bis 2032 wirken sollte.

Bartkos Abgang dürfte eine Rolle für die Kündigung des Bundestrainers gewesen sein, wie Graf andeutete: »Beide haben sehr eng zusammengearbeitet«, sagte der Vizepräsident, »es kann schon sein, dass es für van Veen ausschlaggebend war, dass er mitbekommen hat, dass Bartko geht.« Dies sei aber nur eine Vermutung. Bartko war am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Der scheidende niederländische Trainer kritisierte die DESG deutlich: »Ich habe große Zweifel, ob die notwendige Umstrukturierung, die meiner Meinung nach durchgeführt werden muss, durch alle am Prozess beteiligten Personen mitgetragen werden würde. Ich habe mich deswegen entschieden, meinen Vertrag mit der DESG nicht zu verlängern«, so van Veen gegenüber dpa.

Bei der DESG beginnt nun die Suche nach neuem Personal. »Wir müssen die Ärmel hochkrempeln und ohne Aktionismus den Markt abklopfen. Wir werden mit Bedacht entscheiden« sagte Graf. Verbindungen zu anderen Verbänden oder dem Deutschen Olympischen Sportbund könnten eine Rolle spielen. Die PotAS-Analyse sei auch ohne den scheidenden Sportdirektor zu schaffen, glaubt Graf: »Wir haben ja Leistungssportreferenten im Eischnelllauf und Shorttrack, und auch das Präsidium wird seine Aufgaben dabei übernehmen müssen. Das geht eh nur im Team.«

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