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Das politische Spiel

Fußball und Macht sowie die WM in Russland sind die Schwerpunkte beim 15. Berliner Fußballfilmfestival »11mm«

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 4 Min.

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Die nationalen Ligen pausieren, es ist Länderspielzeit. Am kommenden Dienstag läuft die deutsche Nationalmannschaft im Berliner Olympiastadion auf; gegen Brasilien, ein Klassiker des Weltfußballs. »Wir bieten das kulturelle Rahmenprogramm dazu«, sagt Birger Schmidt und schmunzelt. Er ist einer von drei Organisatoren des Internationalen Fußballfilmfestivals »11mm« – 71 Filme in fünf Tagen, vom 22. bis 26. März im Kino Babylon in Berlin-Mitte.

Es ist keineswegs größenwahnsinnig, wenn Schmidt das sportliche Live-Spektakel mit dem vielfältigen Leinwanderlebnis im Zusammenhang erwähnt. Größenwahnsinnig waren er und seine Mitstreiter vielleicht im Jahr 2003, als sie den Verein »Brot & Spiele« gründeten. Idealisten waren sie zweifellos. Denn ihr Ziel war damals, »die Fußballkultur zu fördern«.

Mittlerweile ist es nicht mehr zu leugnen, dass Fußball mehr ist, als nur das Spiel über 90 Minuten oder die Verwaltung des Ligabetriebs und der Einnahmen daraus. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat das auch erst lernen müssen. Nun wird das 11mm-Festival auch in diesem Jahr wieder von der DFB-Kulturstiftung präsentiert. Deren Motto lautet »Fußball ist Kultur«. Gegründet wurde sie 2007. Schon drei Jahre zuvor fand das erste Internationale Fußballfilmfestival in Berlin statt, gezeigt wurden damals elf Filme.

»Der große Sprung kam mit der WM 2006«, erzählt Birger Schmidt. In der Euphorie über den neuen sportlichen Erfolg und vor allem in dem großen, friedlichen Drumherum bei der Weltmeisterschaft in Deutschland entdeckte der DFB neue Möglichkeiten, seinen Sport noch tiefer in der Gesellschaft und auf anderen Ebenen zu verankern - neue Vermarktungsfelder inklusive. Für den Verband war das Neuland, die Suche nach kompetenten Partnern aber nicht immer schwer. Es gab sie ja schon, so wie die Leute von »11mm«. Jetzt sitzen im Kino Babylon jedes Jahr auch aktive Fußballprofis auf der Bühne, oder Trainer, Manager und Spielerberater.

Im Programmheft zum diesjährigen Festival wird der ehemalige Verfassungsrichter Dieter Grimm zitiert: »Sport trägt zum Zusammenhalt der Gesellschaft bei, sät aber auch Zwietracht. Sport fördert die Völkerverständigung, ist aber auch für Nationalismus anfällig. Sport hält zur Fairness an, wird aber auch Anknüpfungspunkt für Gewalt«, sagte Grimm einmal. Für den Fußball gilt dies alles bei seiner großen Popularität im Besonderen.

Diese Ambivalenz greift »11mm« diesmal mit dem Festivalschwerpunkt »Fußball und Macht« auf. Sport und Politik, Einflussnahme und Instrumentalisierung: Zehn Filme und einige Gesprächsrunden wollen zur Aufklärung beitragen. So sind am Donnerstagabend im Eröffnungsfilm »Workers Cup« Arbeiter auf den Baustellen der WM 2022 in Katar zu sehen: Ein Leben »zwischen Heroisierung auf dem Platz«, wenn sie ihre eigene Meisterschaft ausspielen und »ihrem Alltag in gefängnisähnlichen Zuständen.« Zurückgeblickt wird in dem Dokumentarfilm »WM-Sieg unter Folter«: die Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien zwischen Militärdiktatur und Fußball. Der Film »Rebellen am Ball« stellt Fußballprofis vor, die ihre Popularität genutzt haben, um gesellschaftlich Gutes zu bewirken.

Das Verhältnis zwischen Fußball und Macht spielt auch bei der im Sommer anstehenden WM eine große Rolle. Russland als Gastgeber bekommt daher 2018 eine eigene Filmreihe, an einem eigenen Ort. Im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in der Friedrichstraße beschreiben sieben Filme aus 54 Jahren die Rolle des Fußballs in dem Land.

Entspannt war Birger Schmidt am Dienstag nicht. Das Festival? Nein. »Das läuft«, sagte er zwei Tage vor der Eröffnung. Er ist bei der Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Fanprojekte. Auch hier wird dieser Tage intensiv darüber diskutiert, wem der Fußball denn nun eigentlich gehört. Schmidt ist als Projektleiter des Vereins »Lernort Stadion« gekommen. Fußball ist eben mehr als nur ein Spiel. In diesem Fall Bildung. Der gemeinnützige Verein versucht über die Sportbegeisterung junger Menschen, deren Interesse für Politik zu wecken, und durch die integrative Kraft des Fußballs ihre sozialen Kompetenzen zu stärken.

Etwas mehr Zeit bleibt Birger Schmidt vielleicht auch, weil es für die Organisatoren von »11mm« nicht mehr ganz so schwer ist, gute Filme zu zeigen. Das Berliner Fußballfilmfestival hat sich als weltweit erstes seiner Art einen Namen gemacht, mittlerweile gibt es mehrere internationale Partnerveranstaltungen. Ein positiver Aspekt dieser Vernetzung: Mehr als 200 Filme wurden eingereicht. Die besten 71 sind ab Donnerstag im Babylon zu sehen, darunter drei Uraufführungen und 18 Deutschland-Premieren. Und weil auch im Fußball Kultur nicht nur Film ist, werden Lesungen, Ausstellungen und Musik das Festival begleiten.

15. Internationales Fußballfilmfestival »11mm«, 22. - 26. März 2018 im Kino Babylon, Rosa-Luxemburg-Straße 30, 10178 Berlin. Alle Filme, Zeiten und Veranstaltungen: www.11-mm.de

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