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Besuch in einem leeren Museum

Bauhaus-Archiv feiert Sanierungsbeginn mit einem »Open House«

Nackte Wände, leere Räume, freigelegte Fensterfronten: Das Berliner Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung lädt kurz vor Sanierungsbeginn zu einem kostenlosen »Open House«. Das von allen nachträglichen Einbauten befreite Museum biete den Besuchern in den kommenden knapp sechs Wochen einen seltenen Anblick, sagt Direktorin Annemarie Jaeggi. Das 1979 nach Plänen von Bauhaus-Gründer Walter Gropius (1883 - 1969) fertiggestellte Gebäude am Berliner Landwehrkanal mit seinen markanten Shed-Dächern ist leergeräumt und so auf seine bloße Architektur zurückgeworfen. Diese ist seit Mittwoch bis zum 29. April Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung.

Geboten werden laut der Museumsdirektorin tägliche Architekturführungen, Klangperformances sowie Tanz- und Videoprojekte. Am 29. April, dem letzten Öffnungstag, gibt es zudem ein ganztägiges Programm »Au Revoir« mit Yoga, Wandel- und Jazzkonzerten, Breakdance und Poetry Slam. »Das Gebäude wird als das größte Objekt des Bauhaus-Archivs zum Protagonisten und das Raumerlebnis zum primären Ausstellungsgegenstand«, sagte die Kuratorin der Abschlusswochen, Andrea Bärnreuther.

Von Mai an wird das Gebäude dann saniert. Zudem wird auf dem Gelände ein gläserner Museumsneubau errichtet. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 56,2 Millionen Euro, die je zur Hälfte von Bund und Land getragen werden. In dieser Zeit bezieht das Bauhaus-Archiv zwei Interimsquartiere im Berliner Schillertheater und im Haus Hardenberg unweit des Ernst-Reuter-Platzes. Die Rückkehr an den alten Standort ist für 2022 vorgesehen.

Dass Sanierung und Neubau ausgerechnet in die Zeit des 100. Jubiläums der 1919 gegründeten Architektur-, Design- und Kunstschule fallen, ist für Direktorin Jaeggi »bedauerlicher Zufall« und »immenses Geschenk« zugleich. Durch den Neubau vergrößert sich die Ausstellungsfläche künftig um das Dreifache, von derzeit 700 auf über 2000 Quadratmeter. In den Ausweichquartieren »werden wir aber auch während der Sanierung weiter wahrnehmbar sein«, sagte Jaeggi. Zu den anderen Bauhaus-Standorten in Weimar und Dessau bestehe eine enge Vernetzung. Zudem soll die Zeit genutzt werden, um die mehr als eine Million Objekte umfassende Sammlung zur Geschichte des Bauhauses (1919 - 1933) weiter zu digitalisieren.

Gegründet wurde das Bauhaus-Archiv 1960 in Darmstadt von dem Kunsthistoriker Hans Maria Wingler mit Unterstützung von Walter Gropius. Ziel war, der nach 1933 in alle Welt verstreuten materiellen Erbschaft des Bauhauses ein neues Domizil zu geben. Da sich ein eigener Museumsneubau für die Sammlung in Darmstadt kommunalpolitisch nicht durchsetzen ließ, zog das Bauhaus-Archiv nach Berlin um, wo es ab 1971 in einer Interimsunterkunft untergebracht wurde. 1979 bezogen Archiv und Museum dann den Neubau am Berliner Landwehrkanal, der seit 1997 unter Denkmalschutz gestellt ist. epd/nd

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