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Die Kripo benötigt Nachwuchs

Bis Oktober soll der Innenminister dem Landtag sagen, was bei der Ausbildung machbar ist

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.

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»Wir waren keine Freunde, wir werden keine Freunde werden«, sagt Andreas Schuster, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, über sein Verhältnis zu Finanzminister Christian Görke (LINKE). Es wäre auch fragwürdig, wenn Gewerkschaftsfunktionäre und Finanzminister so dicke miteinander wären. Aber Schuster zollt Görke und der rot-roten Koalition insgesamt Anerkennung, weil der Personalabbau bei der Polizei gestoppt wurde. Weil im Moment mehr Kollegen in Pension gehen, als Absolventen der Oranienburger Fachhochschule der Polizei nachkommen, sinkt die Zahl der besetzten Stellen zwar noch. Gegenwärtig arbeiten im Dienst des Landes 8024 Polizisten. Doch für das Jahr 2019 sind 8250 Stellen geplant.

10 200 Polizisten hatte das Land im Jahr 2000 noch beschäftigt. Nach dem Willen des früheren Finanzministers Rainer Speer (SPD) hätten es inzwischen nur noch 7000 sein sollen. Doch mehr Senioren in der Bevölkerung führten nicht wie erwartet zu einem starken Absinken der Straftaten. »Kriminelle setzen sich nicht zur Ruhe«, wie Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) sagt. Das Personalproblem der Landespolizei insgesamt scheint gelöst zu sein. Das heißt aber nicht, dass es keine Schwierigkeiten mehr geben würde. Zum Beispiel mangelt es an Nachwuchs für die Kriminalpolizei, die in Brandenburg etwa 2000 Männer und Frauen stark ist. Von den Kollegen, die in der DDR an der Berliner Humboldt-Universität Kriminalistik studierten, sind nicht mehr viele im Dienst. Eine Statistik dazu wird nicht geführt. Doch man kann es sich leicht ausrechnen. 1990 wurde die Sektion Kriminalistik abgewickelt. Die letzten Absolventenjahrgänge müssten inzwischen Mitte Fünfzig sein. »Es werden immer weniger. Viele sind schon ausgeschieden. Das Korsett der DDR-Kriminalisten ist nicht mehr da«, weiß der Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Scharfenberg (LINKE).

Heutzutage erhalten alle Polizisten an der Fachhochschule der Polizei eine einheitliche Ausbildung, egal, ob sie nun später bei der Bereitschaftspolizei, im Wach- und Wechseldienst oder bei der Kripo eingesetzt werden. Unterschieden wird nur zwischen einer Ausbildung für die niederen Ränge und einem Studium für die Führungskräfte.

Das heißt nicht, dass die Polizisten von kriminalistischer Vorgehensweise zunächst gar keine Ahnung haben. Jeder Polizeischüler lernt beispielsweise, wie er sich an einem Tatort zu verhalten hat, um nicht unbeabsichtigt Spuren zu verwischen. Um etwa bei Mordfällen die Spuren zu sichern, auszuwerten und den Täter zu ermitteln, müssen dann allerdings Spezialisten anrücken. Die Kripobeamten erwerben ihr Wissen aber heute überwiegend nach der Methode »learning by doing«, also indem sie sich in der Praxis etwas bei den erfahrenden Kollegen im Landeskriminalamt abschauen. Eine wissenschaftliche Systematik wie an der Humboldt-Universität gibt es dabei selbstverständlich nicht.

Ausgerechnet die CDU-Landtagsfraktion - großer Sympathie für die Verhältnisse in der DDR nicht verdächtig - fordert schon lange die Einführung einer spezialisierten Kriminalistenausbildung »und die Abkehr vom Irrweg des sogenannten Einheitspolizisten«, wie der CDU-Abgeordnete Björn Lakenmacher es bereits vor zwei Jahren formulierte.

Sozialist Scharfenberg schätzt die Fähigkeiten der in der DDR umfassend ausgebildeten Kriminalisten und lehnte trotzdem im Januar einen Antrag der CDU zur Einführung einer Spezialausbildung für Kripobeamte ab. Die rot-rote Koalition schmetterte den Vorstoß der CDU im Parlament ab.

Wieso? Weil es nicht möglich wäre, wie von der CDU verlangt, für eine relativ geringe Zahl in Brandenburg benötigter Kriminalpolizisten in Oranienburg eine qualitativ hochwertige Ausbildung mit Dozenten für alle möglichen Spezialgebiete der Kriminalistik aufzuziehen, erklärt Scharfenberg. Alternativ habe Rot-Rot beschlossen, die kriminalistische Fortbildung zu verstärken. Denkbar wäre beispielsweise auch, dass angehende Kriminalpolizisten im letzten halben Jahr oder auch im letzten Jahr ihrer Ausbildung Spezialkurse besuchen, während die anderen Schüler und Studenten der Fachhochschule einen anderen Weg gehen.

Diese Trennung gegen Ende der Ausbildung würde zu einer Anweisung von Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke passen. Mörke hat angeordnet, dass jeweils 20 Absolventen nicht, wie üblich, zunächst zur Bereitschaftspolizei gehen oder in einen Streifenwagen gesetzt werden, sondern direkt am Landeskriminalamt eingesetzt werden, weil dort Personal gebraucht wird.

Vom Tisch ist ein extra Kriminalistikstudium damit aber noch nicht. Es wäre nämlich denkbar, dies in Kooperation mit anderen Bundesländern zu organisieren, um die erforderliche Zahl von Studenten zusammenzubekommen, die es erlaubt, geeigneten Dozenten anzuheuern. Anbieten würde sich eine solche Zusammenarbeit mit den Ländern Berlin, Sachsen und Thüringen sowie mit dem Bund, erläutert Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD), der dafür plädiert, die Durchlässigkeit des Polizeidienstes hin zur Kripo, aber auch in die andere Richtung beizubehalten. Bis Ende Oktober soll Schröter dem Landtag Bericht erstatten, was nun geht und was nicht.

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