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Ein Mann spielte Harfe

Staatsoper Berlin: Daniel Barenboim dirigierte Mahlers 7. Symphonie mit den Wiener Philharmonikern

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Bis in die 1960er Jahre hinein erklang sie ganz selten. Und obschon die Mahler-Renaissance in der Zeit anhob, erst im Westen, dann weltweit, kam die 7. Symphonie aus ihrem Randdasein kaum heraus. Wie die 6. Symphonie galt sie als sperrig und nicht unbedingt publikumswirksam. Das änderte sich freilich. Fast alle großen Dirigenten machen sie indes. Dass Daniel Barenboim das Werk nun für seine »Festtage der Staatsoper« erkor, noch dazu mit den Wiener Philharmonikern, die es als ihre heilige Pflicht ansehen, ihren Landsmann Mahler aufzuführen, ist für Berlin großes Glück. Eine glänzende Aufführung kam in der ausverkauften Philharmonie zustande.

Mahlers »Siebte«, 1908 uraufgeführt in Prag unter eigener Leitung, ist neben der 6. Symphonie die vielleicht inspirierteste Musik des Wiener Komponisten. Das Werk hat fünf Teile. Um das Scherzo ranken sich konzentrisch zwei unter der Überschrift »Nacht« und zwei groß aufgemachte Eckteile. Das Ganze gleicht einem monumentalen »Naturbild«, das in sich die lieblichsten Geläute und Ausschmückungen ebenso bewegt wie Gewalten aus Wind und Wetter, Blitz und Donner, um es bildlich zu sagen. Mahler selber sagte, es sei sein bestes Werk und vorwiegend »heiteren Charakters«.

Allemal in der »Siebten« fährt der Furor immer wieder durch die Faktur. Was eben noch zerstreut, versonnen, friedlich einkehrt, kracht plötzlich zusammen, oder umgekehrt, aus wütenden Märschen erwächst ein Lied (Teil 5). Material etwa eines Chorals rückt an Stellen, wo sie niemand vermutet. Klanggebirge brechen zusammen, um sich, getragen etwa von Trillerketten der Bläser, wieder aufzurichten.

So die kompositorische Seite. Der Komponist selbst bestieg keinen hohen Berg. Mahler fühlte sich vielmehr zu »poetischen Landschaften« hingezogen. In der ersten »Nachtmusik« der 7. Symphonie erklingen aus der Ferne Herdenglocken. Er wollte damit ein »verhallendes Erdengeräusch« zeigen.

Barenboim legte die Wiedergabe der »Siebten« keinesfalls auf solche Charakteristika fest. Die 7. Symphonie, bewiesen die Wiener unter ihm, trage neben ihrem provokanten Donner tatsächlich heitere Züge. Das von Hörnern begleitete Schellengeläut klingt nicht, als wollten Kühe der Alm Menschen überrennen. Sie klingen zurückhaltend, ja zärtlich. Auch das blinkende Tenorhorn im Eröffnungsteil, obwohl die ganze Kraft aus ihm heraustönt, wirkt gezügelt, aber zuletzt auch drohend, bedrohlich. In der zweiten »Nacht« klimpern plötzlich neben Streichern und gedämpften Holzbläsern Mandoline und Gitarre. Diese dürfen über 80 Minuten weg nur dreimal von der Liebe des Komponisten zum Alltag des »Volkes« künden.

Auffällig: ein Mann spielte eine der zwei Harfen, was selten ist. Die Konzertmeisterin, klar und energisch ihre solistischen Partien, ist eine junge Dame. Ansonsten fast überall Herren im Orchester. Barenboim vertraute ihnen; einige Marcato-Abläufe ließ er ohne Stabführung einfach laufen. Aufgebot in den monumentalen Eckteilen sind acht Bässe, die beiden Harfen, Pauken links, die Horngruppe ganz rechts, in der Horizontale weiterspannt die Streicher-, Holz- und Blechbläsergruppen, dazu Tuba, Schlagzeug. Ungewöhnlich die Aufstellung. Ein Riesenapparat, mit dem der Dirigent umging, als wäre er der aufgeklärte, dem Abgott Mahler in allem ergebene König der Manege. Jubel ohne Ende.

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