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Rein gar nichts »macht Sinn«

Der Feuilletonredakteur, der gegen Damoklesschwerter kämpft

  • Von Regina Stötzel
  • Lesedauer: 3 Min.

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Kürzlich ist es wieder passiert. Leser beschwerten sich. Über diesen Herrn Blum. Er hatte etwas über Bertolt Brecht geschrieben, was jene Anrufer und Schreiber unerhört fanden. Wir mussten ihnen erklären, dass es sich bei dem Text unter der Überschrift »Unten links« wie immer um eine Glosse handelt. Deren Thema war nicht das Werk Brechts, sondern die Schmähung von Autoren durch ihre politischen Gegner - aus Anlass der von der AfD verlangten Bundestagsdebatte über Texte von Thomas Blums Freund und Kollegen Deniz Yücel. Die vermeintliche Verunglimpfung Brechts war somit, auch wenn der nicht zu Thomas Blums Lieblingsautoren gehört, nur uneigentliches Sprechen, also ein rhetorischer Kniff.

Thomas Blum ist einer, für den ein Text niemals nur ein Text ist. Zumindest bemüht er sich nach Kräften darum, selbst im stressigen Tageszeitungsalltag Buchstaben, Wörter und Informationen nicht in eine Texthülle zu pressen »wie in der Wurstfabrik« (ein von ihm gern gezogener Vergleich). Texte sind für ihn immer auch Kritik und ein bisschen Kunstwerk. Er ist allergisch gegen krumme Metaphern, kämpft beharrlich gegen »Gretchenfragen«, »Damoklesschwerter« und Überschriften, in denen »Grünes Licht« oder »Rote Karte« vorkommt. Er besteht darauf, dass rein gar nichts »Sinn macht«, sondern allenfalls »Sinn ergibt«, und »zeitgleich« nicht das Gleiche ist wie »gleichzeitig«. Eine originelle Textform zieht er jederzeit der knallharten Nachricht vor.

Als er vor acht Jahren beim »nd« anfing, wirkten seine Texte manchmal wie Ufos, die in fremder Umgebung gelandet waren, vor allem, als er für das Wirtschaftsressort schrieb. Mittlerweile ist er längst am richtigen Platz, im Feuilleton, und zuständig für Popmusik und Film, seine großen Leidenschaften neben der Literatur. Er erzählt gern, wie er als Jugendlicher in der schwäbischen Provinz, aufgewachsen in einer Arbeiterfamilie, genau davon träumte: Popredakteur zu werden. Und übrigens auch, dass er sich schon als Praktikant bei der »Heilbronner Stimme« mit einem kritischen Text ordentlich Ärger einhandelte.

Es war ihm nicht in die Wiege gelegt, aber folgerichtig, dass es ihn als lebenslustigen, linksradikalen Punk nach Berlin verschlug, wo er zunächst ausgiebig das Kultur- und Nachtleben studierte, die alte und die neue Frankfurter Schule und außerdem auch an der Universität. Sein Geld verdiente er in der Schwerstbehindertenbetreuung, bis er begann, als freier Autor zu schreiben, und Lektor bei der Wochenzeitung »Jungle World« wurde.

Er war immer politisch, aber nie Aktivist; die Theorie liegt ihm in jederlei Hinsicht mehr als die Praxis. Jeden Tag kann er sich aufs Neue aufregen über »rechte Arschgeigen«, aber ganz herrlich auch über unhöfliche Busfahrer und eine Sprache, die aus Müllkippen »Recyclingparks« macht. Da für ihn keine steile Karriere absehbar war, druckten ihm Freunde einmal Visitenkarten, auf denen stand: »Thomas Blum - Lesen und Schreiben«.

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