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Stadtwerk im Aufwind

Kommunales Unternehmen schafft mehr Kapazitäten und gewinnt neue Kunden

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Berliner Stadtwerke sind auf Wachstumskurs. 2017 verdreifachte der Energieversorger seine Kundenzahl. Statt 2000 wie noch im Januar beziehen nun 7000 Berliner kommunalen Ökostrom. Das sei vor allem dem Fall des Werbeverbots zu verdanken, sagt Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe, der Muttergesellschaft der Stadtwerke. Bis Jahresende soll sich die Zahl auf 15 000, also nach den Planungen noch einmal mehr als verdoppeln, so Simon. Obwohl es einen »sehr harten Wettbewerb um die Kunden« gebe, hält er das Ziel für erreichbar. »Wir wollen aber in keinen Dumpingwettbewerb über den Preis eintreten«, erklärt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). »Ziel ist es, in Berlin Ökostrom zu produzieren und nutzbar zu machen.«

»7000 Kunden sind okay, deswegen würde ich aber nicht auf dem Tisch tanzen«, sagt Michael Efler, energie- und klimapolitischer Sprecher der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus. »Entscheidend ist eher die Energieerzeugungskapazität«, so Efler. Mit 24 000 Haushalten, die die Stadtwerke rechnerisch mit Strom versorgen können, seien diese »absolut ernstzunehmen«.

»Berlin lag im Bundesländervergleich bisher immer ziemlich weit hinten beim Aufbau erneuerbarer Energieerzeugung«, berichtet Pop. Bezogen auf die Fläche sei die Hauptstadt inzwischen Spitzenreiterin in dieser Disziplin, triumphiert sie. 20 Megawatt Windstromleistung und weitere sieben Megawatt aus Photovoltaik haben die Stadtwerke inzwischen installiert. Allein 40 Prozent der neugebauten Sonnenstromkapazität der vergangenen zwei Jahre gehen auf das Konto des Landesunternehmens. Erst im März wurde auf einem Feld der Berliner Stadtgüter bei Großbeeren das dritte Windrad aufgestellt.

Ein Standbein der Stadtwerke sind die Mieterstromanlagen, von denen inzwischen 69 Stück betrieben werden. Dabei beziehen die Mieter den auf dem Dach ihres Hauses durch Solaranlagen produzierten Strom selbst. Durch den Wegfall der Netzentgelte ist der Preis fast konkurrenzlos günstig. Doch eine Abnahmeverpflichtung existiert nicht. Bisher hätten sich je nach Projekt erst zwischen 15 und 30 Prozent der Mieter für den Strom von ihrem Dach entschieden, berichtet Simon. »Das hängt stark von der Affinität der Bewohner für ökologische Belange ab«, erklärt der Chef der Wasserbetriebe. Außerdem rechne man mit einer Akquisitionsphase von drei bis vier Jahren, die Quoten können also noch steigen.

Erst im November haben die sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften zusammen mit den Stadtwerken eine Absichtserklärung unterzeichnet, mit der der Ausbau des Mieterstroms beschleunigt werden soll. Auch die Wohnungsgenossenschaft Mollstraße in Mitte hat inzwischen landeseigene Solarzellen auf dem Dach.

Ein weiteres Standbein sind Photovoltaikanlagen auf Dächern landeseigener Liegenschaften. Inzwischen sind 55 Stück installiert, allein sechs davon auf Gefängnissen. Bei diesen Projekten mussten die Stadtwerke sich noch auf Ausschreibungen bewerben. Inzwischen ist aber eine sogenannte Inhouse-Vergabe ohne Ausschreibung möglich. Dafür wurden zwei neue Tochtergesellschaften gegründet, die die vergaberechtlichen Voraussetzungen erfüllen. Dabei geht es nicht nur um die Installation von Photovoltaik, sondern um die energetische Sanierung ganzer Gebäude. »Wir sind mit der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement im Gespräch über eine sehr große Liegenschaft, bei der 2000 Tonnen Kohlenstoffdioxideinsparung erreicht werden können«, sagt Simon. Bis Jahresende sollen mehrere große Projekte abgeschlossen werden. Konkreter will er noch nicht werden.

Demnächst werden die Stadtwerke auch Eigenheimbesitzern ein Angebot machen: Solaranlagen mit oder ohne zusätzlichen Stromspeicher sollen sie bei den Stadtwerken mieten oder kaufen können. Und auch nach Brandenburg streckt der Landesbetrieb seine Fühler aus. In einigen Umlandgemeinden sollen Endkunden demnächst BrandenburgStrom beziehen können. »Unsere Windräder stehen schließlich auch dort«, sagt Wasserbetriebe-Sprecher Stephan Natz.

Für Michael Efler ist auch die soziale Komponente des Landesbetriebs ein wichtiger Aspekt: »Es gibt bei den Stadtwerken keine Bonitätsprüfung mehr und auch auf Stromsperren wird verzichtet.«

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