Werbung

Erdogan lässt Kosovo beben

Neuwahlen scheinen nach der Entlassung von Innenminister und Geheimdienstchef unausweichlich

  • Von Thomas Roser, Belgrad
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Freude über die lange geschätzte Nähe zum fernen Schutzherrn kommt bei Kosovos Regierungspolitikern kaum mehr auf. Die Freundschaft gegenüber der Türkei lasse sich keineswegs in ein »Vasallenverhältnis« eintauschen, so die erzürnte Osterbotschaft von Vizepremier Fatmir Limaj an den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan. Der Chef der mitregierenden Nisma-Partei warnte, nur Kosovos Volk habe das Mandat, seine Regierungen zu wählen - und auszutauschen: »Niemand sollte der Regierung und dem Premier Kosovos drohen. Kein Land, kein Führer - egal wie mächtig - kann uns beherrschen.«

Schon am Tag der Unabhängigkeitsklärung hatte die Türkei Kosovo am 18. Februar 2008 als einer der ersten Staaten anerkannt. Doch eine von Ankara inszenierte und gemeinsam mit Kosovos Geheimdienst AKI organisierte Abschiebung hat das Verhältnis der Bruderstaaten nachhaltig getrübt: Seit der Verhaftung und Deportation von sechs vermeintlichen Gülen-Anhängern am vergangenen Donnerstag fliegen zwischen Ankara und Pristina die Fetzen.

Der Despot vom Bosporus lobt - und grollt. Er sei Kosovos Präsident Hashim Thaci für die Verhaftung der »wichtigsten Vertreter« der Gülen-Bewegung auf dem Balkan »dankbar«, so Erdogan nach der Abschiebung von fünf Lehrern und einem Mediziner in die Türkei. Gleichzeitig ließ er am Wochenende seinem Groll über Kosovos Premier Ramush Haradinaj freien Lauf: Dieser hatte wegen der mit ihm nicht abgestimmten Deportationen zum Ärger von Erdogan sowohl Kosovos Innenminister als auch den Geheimdienstchef gefeuert.

Haradinaj sei eine »Marionette, dessen Fäden von anderen gezogen« werden, tobte Erdogan über dessen »historischen Fehler« der Ablösung derjenigen Würdenträger, die »nur ihre Arbeit gemacht« hätten: »Wir kannst Du so gegen die Türkei arbeiten? Was für eine Politik ist das? Ich weiß, dass meine kosovarischen Brüder gegen diese Entscheidung sind. Du wirst dafür zur Rechenschaft gezogen: Die Karriere des Premiers wird zu Ende gehen.«

Tatsächlich scheinen die Amtstage von Haradinajs wackliger Vierparteienkoalition angesichts der zunehmenden Spannungen auf Kosovos chaotischem Politparkett gezählt: Seit dem vorläufigen Regierungsabschied der Partei der serbischen Minderheit vergangene Woche verfügt sein Kabinett über keine eigene Parlamentsmehrheit mehr. Doch sind es weniger Erdogans Tobsuchtseskapaden als die als rechtloses »Kidnapping« kritisierten Abschiebungen, die die Rufe nach Neuwahlen verstärken. Dass nach Haradinaj und Veseli nun auch Erdogan-Spezi Thaci beteuert, vorab nicht unterrichtet gewesen zu sein, lässt nicht nur die Opposition die Frage stellen, wer Kosovo regiere.

Vor der Parlamentssondersitzung am Dienstag macht sich Endzeitstimmung breit: Die Parteien scheinen sich bereits für Neuwahlen zu rüsten. Wer in der Staatsführung nicht wisse, was sich im Land abspiele, sei auf dem »falschen Posten«, so Bilal Sherifi, Generalsekretär der Nisma-Partei. Die »skandalösen« Abschiebungen hätten gezeigt, dass Premier Haradinaj weder die Kontrolle über die Regierung, noch über Polizei und andere Staatsinstitutionen habe, so Avdullah Hoti, Chef der Oppositionspartei LDK. Klar sei, dass Staatschef Thaci nicht zum ersten Mal seine Kompetenzen übertreten habe. Doch »wir werden nicht zulassen, dass die Türkei den Staat Kosovo kommandiert.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen