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Ein Erfolg als Warnung

Münchens Fußballer geraten in Sevilla erst in Bedrängnis, können das Viertelfinalhinspiel aber glücklich drehen

  • Von Maik Rosner, Sevilla
  • Lesedauer: 4 Min.

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Erst mit der Einwechslung von James Rodriguez (vorn) konnte der FC Bayern das Mittelfeld kontrollieren.
Erst mit der Einwechslung von James Rodriguez (vorn) konnte der FC Bayern das Mittelfeld kontrollieren.

Als es später darum ging, die eigene Leistung beim FC Sevilla einzuordnen und die mittelfristigen Aussichten einzuschätzen, glückte mehr als im Viertelfinalhinspiel zuvor. Das galt für nahezu alle beteiligten Spieler des FC Bayern München, die sich am Dienstagabend mit einiger Berechtigung glücklich schätzten, das stimmungsvolle Estadio Ramón Sánchez-Pizjuán mit besten Chancen auf den Halbfinaleinzug verlassen zu können. »Mit einem 2:1-Auswärtssieg können wir absolut zufrieden sein - was das Ergebnis betrifft«, sagte stellvertretend Thomas Müller.

Der einschränkende Nachsatz bezog sich vor allem auf weite Teile der ersten Halbzeit, in der die Münchner nach gutem Beginn zunehmend in Turbulenzen und durch Pablo Sarabias Gegentor verdientermaßen auch in Rückstand geraten waren (32.). Erst ein Eigentor aus dem Nichts von Sevillas Jesús Navas brachte die Bayern zurück ins Spiel (37.). In Halbzeit zwei erzielte Thiago Alcántara (68.) mit einem abgefälschten Kopfball dann den Endstand.

Allein an den beiden abgelenkten Toren der Münchner, jeweils nach Vorarbeit von Franck Ribéry, war abzulesen, dass ein paar glückliche Fügungen zusammenkommen mussten, um einigermaßen beruhigt ins Rückspiel am kommenden Mittwoch in München ziehen zu können. Selbst eine 0:1-Niederlage würde dort schon für die Versetzung in die Runde der letzten Vier genügen. Mats Hummels nahm aus der Steigerung in der dominant geführten zweiten Halbzeit immerhin die Erkenntnis mit, man habe insgesamt »okay und gut« gespielt. »Aber mit okay und gut gewinnt man die Champions League nicht«, konnte sich auch der Nationalspieler keinen relativierenden Zusatz verkneifen. Das war ganz im Sinne von Trainer Jupp Heynckes, der klarstellte: »Wenn wir die Champions League gewinnen wollen, müssen wir uns steigern.«

Es war in der Tat ein Erfolg, der eher als Warnung denn als Bestärkung daherkam. Denn Sevilla hatte ein euphorischer Wuchtstil trotz der individuellen Unterlegenheit genügt, um die Münchner in Verlegenheit zu bringen. Mit schnellen Kontern nach Ballgewinnen kam Sevilla schon vor dem 1:0 zu mehreren großen Chancen. Auch nach der Führung schien die Mannschaft des italienischen Trainers Vincenzo Montella dem nächsten Tor näher als die Münchner dem Ausgleich. Man habe »zu viele Ballverluste im Vorwärtsgang« erlitten, erkannte Heynckes, »im Mittelfeld waren wir nicht geordnet.«

Das besserte sich erst, nachdem James Rodríguez kurz vor dem Seitenwechsel für den angeschlagenen Arturo Vidal und Rafinha zu Beginn der zweiten Hälfte für den schwachen Linksverteidiger Juan Bernat eingewechselt worden waren. Hinzu kam, dass Sevillas Angriffselan wohl auch wegen körperlicher Defizite erlahmte. »Wir hatten keine Kraft mehr, uns weitere Torchancen herauszuspielen«, räumte Montella ein. Nach dieser Heimniederlage trotzdem noch erstmals ins Halbfinale der Champions League einzuziehen, hält er nun für »fast unmöglich«.

Die Münchner wissen natürlich, dass sie nach ihrem 2:1 mit einer konzentrierten Leistung am Mittwoch wenig zu befürchten haben. Aber ebenso, dass wesentlich mehr nötig sein dürfte, um die Hoffnung aufs Triple nachhaltig zu stärken. Unterfüttert wurde diese Erkenntnis durch das Parallelspiel, in dem Real Madrid beim 3:0-Sieg bei Juventus Turin erahnen ließ, dass das Spanien-Trauma der Bayern gegen Sevilla vermutlich noch nicht vollständig überwunden werden kann. Viermal in Serie waren die Münchner zuletzt an spanischen Mannschaften in Europas Eliteliga gescheitert. Gegen Real (2014), den FC Barcelona (2015) und Atlético Madrid (2016) jeweils im Halbfinale, in der Vorsaison gegen Real Madrid bereits im Viertelfinale.

Nun könnte es erneut zu einer Halbfinalverabredung nach Spanien gehen, da neben Real auch Barcelona als Gegner in Aussicht steht. Vor allem mit Blick auf den Titelverteidiger aus Madrid sagte der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge noch am Dienstagabend: »Wie man an dem Spiel in Turin sieht: Die Gegner werden nicht einfacher.« Das gilt gewiss ebenso für die anderen potenziellen Kontrahenten Manchester City oder FC Liverpool, die zwar nicht aus Spanien kommen, aber eben auch nicht aus der Bundesliga, in der die Münchner derzeit niemand so fordern kann wie der spanische Tabellensiebte FC Sevilla.

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