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Am Airport Leipzig/Halle droht noch mehr Lärm

Flughafen soll zentraler Frachtumschlagspunkt Deutschlands werden - Bürgerinitiative fordert Schutzmaßnahmen

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Leipzig. Der Flughafen Leipzig/Halle und damit verbunden auch die gesamte Logistikbranche in der Region könnten von dem neuen Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD profitieren. Die neue Bundesregierung will nämlich die Landerechte für Frachtflugzeuge für den Flughafen erweitern. Zudem soll er in internationalen Luftverkehrsabkommen generell als Landepunkt ausgewiesen werden. Damit würde der Airport mit dem internationalen Kürzel LEJ zum zentralen Frachtflughafen für Deutschland.

Für den Airport würde das einen kräftigen Aufwind bedeuten. Flughafen-Chef Johannes Jähn hat bereits seiner Hoffnung Ausdruck verliehen, dass sich dann neue Frachtflieger dort ansiedeln. Bei Anwohnern stoßen die Pläne dagegen auf Kritik. Die örtliche Bürgerinitiative gegen Fluglärm beklagte Anfang März in einem Gespräch mit Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD), die Vorhaben würden für »einen Lärm-Expansionsschub sorgen, der seines gleichen sucht«. Im Gegenzug würden jedoch keine konkreten Aussagen zur aktiven Lärmminderung getroffen. »Wer konkret in die Gesundheit der Bürger eingreift, sollte auch konkrete Behandlungsmethoden vereinbaren«, forderte die Initiative.

Wichtigstes Anliegen für die Fluglärmgegner ist laut MDR Sachsen vor allem die gleichmäßige Verteilung der Starts und Landungen auf die Startbahnen Süd und Nord des Leipziger Flughafens. Bislang nutze DHL vor allem die stadtnahe Südbahn nachts zu fast 100 Prozent, erklärte BI-Sprecher Matthias Zimmermann. Die 50/50-Regelung sei aber im Planfeststellungsbeschluss festgeschrieben, also eine Auflage. Das Ministerium im fernen Dresden sieht das allerdings nicht so und definiert die Regelung als Empfehlung, der nicht zwingend gefolgt werden muss. »Hier bedarf es noch sehr viel Austausch von Informationen und Gesprächen«, sagte Zimmermann nach dem Treffen mit Dulig. Flughafen-Chef Jähn preist dagegen die Bedingungen am Airports: »Der Flughafen Leipzig/Halle hat einen großen Vorteil gegenüber all seinen Konkurrenten: die noch verfügbaren Entwicklungsflächen.« Dies sei ein großer Wettbewerbsvorteil. Schon heute ist LEJ Drehkreuz für Güter aus aller Welt. »Im vergangenen Jahr wurden im Frachtverkehr von Leipzig/Halle aus mehr als 200 Flughäfen weltweit angeflogen, darunter Ziele wie Los Angeles, New York, Cincinnati, Hongkong, Delhi, Singapur und Seoul«, zählt Uwe Schuhart auf, Sprecher der Mitteldeutschen Flughafen AG. An Werktagen seien allein bis zu 65 Maschinen für DHL am Flughafen im Einsatz. Insgesamt nutzen nach Schuharts Angaben rund 40 Frachtfluggesellschaften den Airport regelmäßig.

Das Aufkommen an Luftfracht ist seit Jahren wachsend. 2017 wurden fast 1,14 Millionen Tonnen Fracht abgewickelt, was einem Zuwachs von 8,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutete. »Im Dezember konnte zudem mit über 105 768 Tonnen ein neuer absoluter Rekordmonat in der Unternehmensgeschichte verzeichnet werden«, teilte der Flughafen mit. Damit sei Leipzig/Halle Europas fünftgrößtes Frachtdrehkreuz, so Schuhart. Das schlägt sich auch in den Mitarbeiterzahlen in der Logistikbranche nieder: Die Stadt Leipzig nennt für das Jahr 2017 insgesamt 36 492 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, was ein Plus von 47,8 Prozent im Vergleich zu 2005 bedeute.

Was den Flughafen aus Betreibersicht noch weiter voranbringen könnte, ist eine zweite Absicht der Koalitionäre: Sie wollen Genehmigungen für kurzzeitig angesetzte Frachtflüge deutlich verkürzen. Aircargo Club Deutschland, die Vereinigung von Unternehmen der Luftfrachtbranche, beklagt schon seit Längeren, dass hierzulande mehrere Tage vergingen, bis eine solche Genehmigung erteilt wird. Dagegen würden in Belgien, Luxemburg und den Niederlanden Anträge für Eilfrachtcharterflüge binnen Stunden genehmigt. Auch eine solche Regelung würde wohl mehr Fluglärm für die Anwohner bedeuten. dpa/nd

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