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Den Schäfern gehen die Weiden aus

Die Umstellung der EU-Agrarförderung bereitet der Branche zusätzliche Probleme - ein Bericht aus dem Nordosten

  • Von Frank Pfaff, Klein Salitz
  • Lesedauer: 4 Min.

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Es ist ein buntes Bild, das sich auf der Koppel am Rande des Biosphärenreservats Schaalsee im Westen Mecklenburgs bietet. Gut 200 Lämmer tollen dort über die Wiese. Ihr Fell ist goldgelb oder rotbraun, beige oder schokoladenbraun, weiß oder schwarz. Und in einigen Fällen wollte sich die Natur anscheinend nicht entscheiden und verlieh den Jungtieren ein scheckiges Wollkleid.

Schäfer Detlef Mohr lässt seinen Blick über die Herde schweifen. Er scheint zufrieden. Die Lämmer gedeihen trotz des noch dürftigen Angebots an frischem Grün für die Mutterschafe gut. Es sind Kreuzungen aus genügsamen Rassen wie dem Pommerschen Landschaf, dem Coburger Fuchsschaf oder der gehörnten Heidschnucke mit Böcken des fleischträchtigen holländischen Texelschafes.

»Für die Standorte hier brauche ich die Robustheit der Altrassen. Aber für den wirtschaftlichen Erfolg den Fleischansatz«, begründet Mohr seine Zuchtstrategie. In einem halben Jahr sind die Lämmer schlachtreif. Für das Ostergeschäft hatten Mohrs Vertragshändler Jungtiere vom Vorjahr abgeholt.

Etwa 1500 Lämmer zieht Mohr pro Jahr groß. Mit deren Verkauf erzielt er nach eigenen Angaben etwa die Hälfte seines Einkommens auf dem Arche-Hof in Klein Salitz, wo er in kleineren Herden auch für den Erhalt selten gewordener Rassen sorgt. Die andere Hälfte erhält er über staatliche Zuschüsse für den Naturschutz. Rund 90 Prozent seiner Weideflächen liegen im Naturschutzgebiet östlich des Schaalsees. Die Region im Grenzgebiet von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein steht seit 2000 als UNESCO-Biosphärenreservat unter besonderem Schutz. Davon profitiert auch Mohr. Mit seinen Herden trägt er maßgeblich dazu bei, fern der intensiven Ackerwirtschaft auf Feuchtwiesen und Magerrasenflächen eine möglichst große Artenvielfalt zu erhalten. Dafür gibt es Geld.

Doch die meisten seiner Berufskollegen haben zunehmend Probleme, noch genügend Weidefläche zu finden und ihren Lebensunterhalt mit der Schafhaltung zu verdienen. »Der Knackpunkt kam 2005 mit der Umstellung der EU-Förderung«, berichtet der Vorsitzende des Landesschafzuchtverbandes, Jürgen Lückhoff. Die Agrarzuschüsse würden seither in Deutschland flächenbezogen verteilt.

Tierprämien, wie zuvor für Mutterkühe oder Mutterschafe, würden in Deutschland nicht mehr gezahlt, erklärt Lückhoff und beklagt mangelnde Solidarität in der Agrarwirtschaft. Pachten seien kaum noch zu bekommen und vielfach würden Besitzer auf wenig ertragreichen Flächen nur eine Mulchmahd durchführen, um die Flächenprämie zu sichern. Nach Angaben Lückhoffs ging der Schafbestand in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren um etwa 40 Prozent auf 1,6 Millionen Tiere zurück. In Mecklenburg-Vorpommern seien es noch rund 71 000. Gut die Hälfte aller Schafe werde in den etwa 50 verbliebenen Schäfereien mit mehr als 300 Tieren gehalten.

Der Schafzuchtverband hofft auf die Wiedereinführung von Tierprämien. »In 22 von 28 EU-Länder gibt es solche Zahlungen noch«, sagt Lückhoff. Doch wurden im Schweriner Landtag Mitte März derlei Erwartungen gedämpft. Der CDU-Abgeordnete Holger Kliewe regte stattdessen eine Weideprämie für Schafe und Ziegen an und forderte leichteren Zugang für Schäfer etwa auf Landesflächen an Ostsee- und Elb-Deichen. Doch betonte der Schweriner Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD), dass die regulären Ausschreibung für die 528 Hektar Deichflächen in Mecklenburg-Vorpommern und die regulären Vergabeverfahren »alternativlos« seien.

Bei allen Problemen mit der Bereitstellung von Weideflächen sieht Lückhoff noch andere wesentliche Gründe für die Notlage vieler Schäfer. »Mit Wolle ist schon lange kein Geschäft mehr zu machen, sie muss vielfach schon als Sondermüll entsorgt werden. Und Schaffleisch haftet aus der Vergangenheit noch ein unguter Beigeschmack an. Zu Unrecht«, meint Lückhoff.

Nach Erhebungen des Bundesverbandes der Deutschen Fleischwarenindustrie liegt der Pro-Kopf-Verzehr von Lamm- und Schaffleisch in Deutschland bei durchschnittlich 0,6 Kilogramm. Das ist gerade ein Prozent des Fleischkonsums. Und ein Großteil davon ist Importware vor allem aus Neuseeland. »In der Direktvermarktung und im regionalen Absatz über Supermarktketten liegen bei uns noch große Reserven. Es gibt Ansätze, diese zu erschließen«, berichtet der Verbandschef. Für Schäfer Mohr war das für das diesjährige Osterfest aber noch kein Thema. dpa/nd

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