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Eine Erfahrung für alle Sinne

Die Ausstellung ISM Hexadome zeigt, warum Kunst mit neuester Technologie arbeiten sollte

  • Von Katharina Schwirkus
  • Lesedauer: 4 Min.

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Diese Ausstellung macht süchtig, so viel ist klar. Denn man ist sofort »drin«, wie in einer Achterbahn, einem Club oder einem spannenden Science-Ficton-Film, dem man sich nicht entziehen kann. Das Konzept scheint einfach: Bunte Bilder werden begleitet von Elektroklängen. Doch was sich in der Theorie banal anhören mag, setzt in der Wirklichkeit enorme Gefühle frei: Einmal ist man in einen Zustand der absoluten Besinnlichkeit versetzt, mal möchte man anfangen zu tanzen und ein andermal spürt man ein Schauern, den Beginn von Panik. Und das alles ohne Drogen.

Wer dieser Tage den Gropius-Bau in Berlin betritt, kann es selbst erleben: Man kommt in einen völlig dunklen Raum, in welchem sechs große Leinwände in einem Kreis angeordnet sind. Die Leinwände werden als Bildschirme genutzt, auf die unterschiedliche Bilder projiziert werden. In der Mitte des Kreises ist Platz für das Publikum. Diese hexagonale Kuppel-Architektur ist der Namensgeber für die Installation: »Hexadome«. Ihr zweites Element besteht aus einem hochklassigen 52-Kanal-Lautsprechersystem. Ausgedacht hat sich das Ganze das Institute for Sound and Music (ISM), hinter welchem sich ein gemeinnütziger Verein aus internationalen Künstler*innen in Berlin verbirgt.

Das Hexadome ist als Werkzeug gedacht, welches das ISM konzipiert hat, um herauszufinden, was passiert, wenn man Künstler*innen den Zugang zu neuester Technologie gibt. Es verfolgt auch das Ziel, Elektronische Musik als Kunstform zu stärken. »Es ist ein Beispiel dafür, was man in einem solchen Raum machen könnte«, erklärt die Pressesprecherin Mea Liedl. Langfristig möchten die Mitglieder des ISM »einen festen Raum in der Form eines elektronischen Museums in Berlin schaffen«, so Liedl weiter. Das Hexadome sei der Beginn einer Kampagne für dieses Vorhaben.

Das Werkzeug lebt von seiner Inszenierung, jedes Kunstwerk, das mit dem Hexadome entstanden ist, steht für sich und ist einmalig. So hat der britische Musiker Brian Eno die Besucherinnen mit seiner Installation aus ruhigen Elektrotönen und bunten Kreisen, die über die Leinwände tanzten, in einen Chill-Modus versetzt. Die repetitive Melodie aus den Lautsprechern - durch welche Anfang und Ende der Inszenierung immer wieder verschwammen - und die angenehm aufdringlich-hellen Farben, welche auf den Bildschirmen erschienen, sorgten für absolute Entspannung. Die meisten Besucher machten es sich auf dem Boden in der Mitte bequem, die herumstehenden Ledersitz-Hocker wurden mehr zum Anlehnen denn als Sitzgelegenheit genutzt. Hier und da war ein entspanntes Schnarchen zu hören, Pärchen knutschten ungehemmt, und man fühlte sich an die Atmosphäre eines lauen Sommernachmittags auf einem Musikfestival erinnert.

Musik von Thom Yorke während der Kunstinstallation mit Tarik Barri

Eine ganz andere Stimmung herrschte dagegen während der Installation von Tarik Barri und Thom Yorke. Letzterer ist als Sänger der Band Radiohead bekannt, was die atemberaubende Qualität der Popmusik erklären könnte, die von diesen Künstlern geboten wurde. Doch auch die visuelle Inszenierung hatte es in sich. Filmaufnahmen des Gesangs von Thom Yorke wurden kombiniert mit eindrucksvollen optischen Effekten. Konkret sah es so aus, dass der Kopf des Sängers zunächst klein auf eine Leinwand projiziert wurde, dann anwuchs und von einem Bildschirm zum nächsten sprang. Mal flog der Kopf im Uhrzeigersinn, mal in die andere Richtung, und zwischenzeitig war nicht abzusehen, wo er begleitet von gelben und roten Flammen wieder auftauchen würde. Die Zuschauer*innen verfolgten dieses Spektakel gebannt, einige wippten rhythmisch mit und man war versucht zu tanzen.

Die Installation des Elektromusikers René Löwe und der Pfadfinderei, die in ähnlicher Form als Live-Performance am 22. April gezeigt wird, überzeugt ebenfalls auf ihre eigene Art und Weise.

Sie lebt von computeranimierten Bildern, die Assoziationen freisetzen: Wo die eine glaubt, den Urknall zu sehen, sieht ein anderer nur Steine. Animationen von Tetris-Lego-Steinen können an Großstädte oder an die Industrialisierung erinnern. Am Ende ist es bei den Werken, die im Hexadome ausgestellt werden, wohl wie bei allem in der Kunst: Das Schöne liegt im Auge der Betrachterinnen. Unstrittig ist nach diesem Ausstellungsbesuch jedoch, dass die moderne Technologie in die Kunst gehört und sich mit ihr ganz neue Werke schaffen lassen.

ISM Hexadome, bis 22. April. GropiusBau, Niederkirchnerstraße 7, Kreuzberg.

www.berlin-ism.com

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