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Auf eigenen Wegen zurück durch die Zeit

Die Cellistin Marianne Dumas hat eine barocke Spieltechnik wiederentdeckt. Jetzt ist sie mit Bach-Suiten live zu erleben

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Johann Sebastian Bachs Cello-Suiten sind die Bibel für jeden Cellisten. Musik ist hier auf ihren wesentlichen Kern reduziert. Ein Mikrokosmos von Stimmungen und Charakteren, der auch die französische Cellistin Marianne Dumas seit Beginn ihrer Karriere fasziniert. Eine feste Orchester-Anstellung in Madrid gab die Musikerin auf, um Deutschland, die Heimat Bachs, kennenzulernen. In Berlin ließ sie sich ein Barock-Cello nachbauen und machte damit eine aufregende Entdeckung: Das Instrument lässt sich auch auf ganz andere Weise spielen, als man es gemeinhin tut. Marianne Dumas probierte weiter, forschte in Bibliotheken. Das Ergebnis: eine neue Version von Bachs Cello-Suiten, die gerade auf CD erschien.

»Als ich mein neues Barock-Cello hatte, begann ich, mit dem Klang und meiner Haltung zu experimentieren«, erinnert sich die Musikerin. »Bald merkte ich, dass die betonten Zählzeiten besser klingen, wenn ich sie mit Aufstrich spiele - also genau andersrum, als man es normalerweise macht. Ich fühlte die Vibration des Cellos; beim Arpeggio folgte mein Arm ganz natürlich den Saiten.« Auf- und Abstrich vertauscht - auf diese Weise wird die Gambe gespielt. Aber Cello und Gambe ähneln sich; sie erfordern eine ähnliche Haltung. Wurde da nicht auch der Bogen auf dieselbe Weise gebraucht?

Marianne Dumas durchforstete Bibliotheken und Archive. Sie fand zahlreiche Noten, Bilder und Schriftstücke, die bezeugen, dass die von ihr entdeckte »verkehrte« Spieltechnik tatsächlich bis Ende des 18. Jahrhunderts gepflegt wurde. Eine Beschreibung fand sie zum Beispiel bei Johann Joachim Quantz, dem komponierenden Flötenlehrer Friedrichs II.

Die Cellistin ließ sich nach einem Gemälde von 1681 einen Barockbogen anfertigen, außerdem Saiten nach historischen Vorlagen. Sie verfeinerte die neue Bogentechnik, was mindestens so herausfordernd sein dürfte, wie als Rechtshänder das Schreiben mit links zu lernen. »Eine Zeitlang konnte ich nicht mehr schlafen«, erzählt sie. »Das Denken, Singen und Tanzen in meinem Kopf hörte nicht auf. Eines Nachts um zwei wachte ich auf und hatte den Einfall, sämtliche Bach-Suiten auf diese Weise zu spielen.«

Mittels Crowdfunding sammelte Marianne Dumas das Geld für eine Aufnahme im Tonstudio ein. Damit klopfte sie bei verschiedenen Labels an. Am 21. März, dem 333. Bach-Geburtstag, konnte die CD schließlich bei dem Label Urania erscheinen.

Dumas’ Interpretation der Cello-Suiten klingt angenehm zurückhaltend und sachlich. »Es handelt sich um die Dokumentation eines Forschungsprojekts«, begründet die Musikerin ihre Herangehensweise. »Beim Aufnehmen war ich mehr am Klang interessiert als an meinen eigenen Emotionen. In meinen Konzerten nehme ich mir dann die Freiheit, die Suiten auf eine persönlichere Weise zu spielen.«

Um die historische Spielweise bekannt zu machen, nutzt Marianne Dumas übrigens ganz zeitgemäße Wege: Sie hat einen Blog und unterrichtet auch per Skype. Auge in Auge mit dem Publikum stellt sie ihre Version der Cello-Suiten nun im Schöneberger Salon »Piano Insel« vor.

13. und 14. April, 19.30 Uhr, Piano Insel, Martin-Luther-Str. 78, Schöneberg

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