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Weniger Autos, weniger arbeiten

Degrowth heißt: Ein ressourcenarmes, aber gutes Leben für alle

Alberto Acosta und Ulrich Brand vertreten die Ansicht, dass ein »Green New Deal« nicht zu der notwendigen Transformation der Gesellschaft führen wird. Weder die neoklassische Austeritätspolitik noch die keynsianische Politik von Nachfrage und Umverteilung, die auf das fortwährende Brummen des Wachstums- und Wettbewerbsmotors setzt, sei geeignet, der Vielfachkrise zu begegnen. Vielmehr sei es notwendig, dass bestimmte Wirtschaftszweige wie der Individualverkehr inklusive der Produktion von Elektroautos, die Containerfracht, die Fleischproduktion oder der Flugverkehr radikal schrumpfen.

Die Autoren schlagen eine Art Doppelbewegung vor: Einerseits müsse der zivilgesellschaftliche Widerstand gegen den Neubau von Flughäfen, den Braunkohleabbau oder die klimaschädliche industrielle Landwirtschaft intensiviert werden. Gleichzeitig gehe es um die praktische Entwicklung von Alternativen, wie sie beispielsweise in den Übergangsstädten (transition towns) oder in der Bewegung für Ernährungssouveränität ihren Ausdruck finden. Dazu gehöre auch eine ökologische Steuerreform sowie die Durchsetzung strengerer Höchstgrenzen beim Verbrauch natürlicher Ressourcen und bei Emissionen.

»Degrowth« dürfe kein Label für eine »minoritäre Öko-Elite« sein. Vielmehr gehe es geht darum, ein ressourcenarmes, aber gutes Leben für alle zu ermöglichen. Dafür sei es notwendig, Produktionsketten zu verkürzen. Die Herstellung der existenzsichernden Güter könne auch lokal und mit viel weniger Kapitaleinsatz vonstatten gehen. Unternehmen würden dadurch nicht unter dermaßen hohem Druck stehen, Kredite zurückzuzahlen und zu expandieren.

Eine weitere zentrale Forderung ist die Verkürzung der Lohnarbeitszeit. Diese Forderung richtet sich vor allem an die Gewerkschaften, die oftmals noch immer in der fatalen Wachstumslogik des Wettbewerbsstaates gefangen sind. Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich würde bedeuten, Reproduktionsarbeit und zivilgesellschaftliches Engagement aufzuwerten. Voraussetzung dafür wäre allerdings eine höhere Besteuerung von Kapitalvermögen, Erben, Unternehmensgewinnen und Finanztransaktionen. abe

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