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OECD will fairere Vermögensteuer

Häufig werden Reiche gegenüber Kleinsparern vom Fiskus bevorteilt

Der Reichtum der Welt ist bekanntlich sehr ungleich verteilt. Und der Trend geht zu noch mehr Ungleichheit. So sorgte eine Studie der Hilfsorganistion Oxfam Anfang des Jahres für Aufsehen, der zufolge 2017 das reichste Prozent der Weltbevökerung 82 Prozent des weltweiten Vermögenswachstums auf sich vereinen konnte, während die Hälfte der Weltbevölkerung leer ausgegangen sei. Linke Ökonomen fordern deshalb schon seit Längerem, dass die Staaten als zentrale Umverteilungsinstanz tätig werden sowie Reiche und Vermögen stärker besteuern sollten.

Auf diesen Zug ist längst auch die Industriestaatenorganisation OECD aufgesprungen. »Es gibt gute Gründe, Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen durch das Steuersystem anzugehen, insbesondere durch eine effektive Besteuerung von Kapital«, sagte in dieser Woche OECD-Steuerfachmann Pascal Saint-Amans. Regierungen hätten die Möglichkeit, sowohl die Effizienz als auch die Gerechtigkeit ihrer Steuersysteme zu erhöhen.

Bereits 2016 hatte die OECD in einer Studie auf die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich hingewiesen und die darüber geführte Debatte auf ein neues Niveau gehoben. Schließlich ist sie eben kein Zirkel von Kapitalismuskritikern, sondern der Zusammenschluss von 35 Industriestaaten. Nun legte die OECD zwei neue Studien vor, inwieweit Steuern auf Vermögen genutzt werden und wie unterschiedlich ihre Mitglieder sowie fünf Partnerländer (Argentinien, Bulgarien, Kolumbien, Litauen und Südafrika) die Ersparnisse ihrer Bürger besteuern.

Die Forscher kommen zwar nicht zu dem Schluss, dass Vermögen prinzipiell höher besteuert werden sollten. Jedoch machen sie eine gewisse Ungerechtigkeit in der Besteuerung der jeweiligen Vermögensarten aus. So neigen weniger wohlhabende Steuerzahler der einen Studie zufolge dazu, einen größeren Anteil ihres Vermögens auf relativ hoch besteuerten Bankkonten zu halten. Wohlhabendere Menschen investieren hingegen in Investmentfonds, Pensionsfonds und Aktien, die in den untersuchten Ländern oft vergleichsweise niedrig besteuert werden.

Besonders auffällig ist, dass immer weniger OECD-Staaten eine Vermögensteuer erheben. Während es 1990 noch zwölf Länder waren, sank ihre Zahl bis 2017 auf nur noch vier. Deutschland setzte die Vermögensteuer 1997 aus. Dabei wächst der Reichtum hierzulande weiter an. Abzüglich der Schulden stieg das Nettogeldvermögen der privaten Haushalte 2017 gegenüber dem Vorjahr um knapp 5,7 Prozent auf 4131 Milliarden Euro, wie die Bundesbank am Freitag bekannt gab. Wie das Vermögen verteilt ist, geht aus den Daten jedoch nicht hervor.

Eine Vermögensteuer kann laut OECD durchaus sinnvoll sein - vor allem wenn andere Steuern auf Vermögen wie Erbschaft- und Kapitalertragsteuer nicht oder nur in sehr geringem Umfang erhoben werden. Zudem sprechen sich die OECD-Ökonomen dafür aus, dass diverse Vermögensarten progressiver besteuert werden sollten. Das heißt, dass diejenigen, die viel besitzen, auch einen höheren effektiven Steuersatz zahlen sollten.

Mit ihrer Einsicht, dass der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich mit einer gerechteren Besteuerung von Vermögen entgegengewirkt werden sollte, knüpfen die Studienautoren an die Arbeiten des französischen Starökonomen Thomas Piketty an. Dieser konstatierte in seinem 2015 erschienen Buch »Das Kapital im 21. Jahrhundert«, dass mit wachsender Ungleichheit die Wirtschaftsleistung abnimmt. Besonders im Hinblick auf die Entwicklung der Ungleichheit greifen die OECD-Autoren auf Studien von Piketty zurück.

Demnach sei die Akkumulation von Vermögen ein sich »selbst verstärkender« Prozess, der ohne Steuern größer sei, heißt es in einer der beiden Studien der OECD. Gutverdiener seien in der Lage, mehr zu sparen und so letztlich mehr Vermögen anzuhäufen.

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