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Londons Neue Rechte

Am Samstag treffen sich Identitäre in der britischen Hauptstadt erstmals zu öffentlicher Konferenz / Redner aus allen Teilen Europas erwartet

  • Von Simon Volpers
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Werbefilm zur Konferenz »European Reunion« (»Europäische Wiedervereinigung«), die am Samstag in London stattfindet, könnte auch als Trailer einer Techno-Party durchgehen. Im Hintergrund läuft elektronische Musik, bunte Effekte blitzen und wie berühmte DJs werden die Namen und Gesichter der Redner eingeblendet. Das Video wirbt aber für alles andere als eine Spaßveranstaltung. Die Konferenz, die es zum Inhalt hat, ist der bisher größte Auftritt der »Generation Identity« (GI), des britischen Ablegers der neurechten Identitären Bewegung (IB).

Die IB ist 2012 in Frankreich entstanden und fand bald Ableger in anderen europäischen Staaten, unter anderem in Deutschland und Österreich. Die Mache des Videos ist ihr Programm: Sie verpackt völkisch-rassistische Inhalte in hippe Aufmachung und zielt so darauf ab, Anhänger im sogenannten vorpolitischen Raum zu gewinnen.

In Großbritannien stellt sie allerdings ein verhältnismäßig neues Phänomen dar. Erstmals ging die Gruppe im vergangenen Oktober nennenswert an die Öffentlichkeit, als ihre Mitglieder auf der Westminster Bridge im Zentrum Londons ein Banner mit der Aufschrift »Defend London, stop Islamisation« (»London verteidigen, Islamisierung stoppen«) entrollten.

Die in London lebende Rechtsextremismusexpertin und Autorin des Fachbuches »Wut«, Julia Ebner, hat undercover in der GI recherchiert. Dort offenbarte sich ihr das Vorgehen der Gruppe: Personen mit allzu augenscheinlichen Kontakten in die extreme Rechte werden zwar als Sympathisanten und Verbündete geschätzt, aus taktischen Gründen aber nicht aufgenommen. Altbekannte Inhalte sollen in neuem Gewand daherkommen. Trotzdem unterhält die GI Kontakte in die extreme Rechte, unter anderem zum ehemaligen Anführer der islamfeindlichen »English Defence League«, Tommy Robinson, sowie zu Anne Marie Waters, Gründerin der extrem rechten Kleinstpartei »For Britain«.

Die Konferenz könnte ein entscheidendes Event für die Entwicklung der GI werden. Bisher waren ihre Veranstaltungen vor allem einem internen Kreis zugänglich, nun wird öffentlich noch offensiver um Anmeldung geworben. »Die Identitären erreichen ihre Zielgruppen nur, indem große Aufmerksamkeit geschaffen wird. Die Konferenzinhalte werden stark über die sozialen Medien verbreitet werden«, sagt Ebner.

Dazu bietet die GI groß auf. Angekündigt sind Redner aus Norwegen, Italien, Ungarn, Deutschland und anderen europäischen Staaten. Im Ankündigungstext heißt es: »Generation Identity ist eine Stimme in der Wildnis gegen die zerstörerischen Kräfte, die unsere Gemeinschaften bedrohen«.

Dass mit solcher Rhetorik nicht nur Freunde zu machen sind, ist den Veranstaltern offensichtlich bewusst. Einen genauen Ort der Zusammenkunft gaben sie bisher nicht bekannt. Die Zurückhaltung hat ihre Gründe, Antifaschisten wollen gegen das Treffen vorgehen. Die »London Antifascists« kündigen einen Aktionstag an - unabhängig davon, ob sich die Identitären blicken werden lassen.

Ob die Konferenz also tatsächlich zu einem Erfolg werden und der GI zur Etablierung in Großbritannien verhelfen kann, ist also ungewiss. Julia Ebner meint, dass das nicht unwesentlich von der medialen Berichterstattung abhängt. »Bisher hat die britische Presse klug auf die Generation Identity reagiert und sie weitgehend ignoriert oder kritisch berichtet«, erläutert sie. Das sei ein gewichtiger Unterschied etwa zu Österreich, wo in der Vergangenheit einige Medien den Aktionen der Identitären oft unkommentiert eine Plattform baten und so ihrem Spiel mit der Öffentlichkeit auf den Leim gingen.

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