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Nasskonservierung mit Risiken

Ein radioaktiv verseuchter Bergwerksschacht nahe Donezk wird wohl geflutet - eine Gefahr für die Wasserversorgung

  • Von Bernhard Clasen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Behörden der abtrünnigen Volksrepublik Donezk (DNR) im Osten der Ukraine haben am vergangenen Samstag möglicherweise mit der Flutung des Kohlebergwerkes Yunkom in dem Städtchen Jenakiewo begonnen. Dies hatten DNR-Chef Alexander Sachartschenko und Alexej Smyslow vom Energieministerium der Volksrepublik in der vergangenen Woche angekündigt. Umweltschützer befürchten durch eine »nasse Konservierung« des 40 Kilometer von der ostukrainischen Stadt Donezk entfernten, radioaktiv verseuchten Bergwerkes langfristig eine Gefahr für die Trinkwasserversorgung.

Derzeit gibt es indes noch keine offizielle Bestätigung etwa der OSZE, ob mit der Maßnahme tatsächlich schon begonnen wurde. Eine Anwohnerin des Schachtes berichtete gegenüber dem »nd« am Telefon, sie habe bisher nicht beobachten können, dass sich am Schacht etwas verändere. Umgekehrt erklärte der Chef der Bergarbeitergewerkschaft, Michailo Wolynetz, auf Nachfrage, dass die Flutung bereits Mitte März begonnen haben könnte.

Am 16. September 1979 hatte die sowjetische Armee im Bergwerksschacht Yunkom in 900 Metern Tiefe eine atomare Explosion mit einer Sprengkraft von 300 Tonnen TNT ausgelöst. Zum Vergleich: Die Bombe von Hiroshima hatte die 70-fache Sprengkraft. Mit der Sprengung wollte man ein drängendes Methanproblem in den Griff bekommen. In dem Schacht war das Treibhausgas immer wieder in bei der Kohleförderung entstandene Hohlräume eingedrungen. Die zu hohe Grubengaskonzentration führte zu Explosionen, bei denen zahlreiche Bergarbeiter ums Leben kamen. Nachdem sowjetische Wissenschaftler herausgefunden hatten, dass sich nach natürlichen Erdbeben im Osten der Sowjetunion in den Gesteinsschichten Risse gebildet hatten, durch die Methan entweichen konnte, war man auf die glorreiche Idee gekommen, in dem Schacht Yunkom mittels der Atombombe ein künstliches Erdbeben auszulösen. Das Projekt scheiterte kläglich; das Methan ließ sich durch die Explosion nicht freisetzen. Das zurückgebliebene radioaktive Material ist tief im Schacht in einer Kaverne eingeschlossen, über deren Zustand ist wenig bekannt ist.

2001 wurde die Kohleförderung eingestellt, doch geschlossen wurde der Schacht nicht. Mehrere Dutzend Bergarbeiter, die weiter zu Yunkom auf die Arbeit gingen, stellten sicher, dass die Pumpen reibungslos funktionierten. So konnte ein Ansteigen des Wassers verhindert werden.

Nun haben sich die Behörden der Volksrepublik Donezk zu einer »Nasskonservierung« entschlossen. In einem auf der Homepage des Energieministeriums veröffentlichten Video erklärt Alexej Smyslow, zuständig für Modernisierung und Schließung von Kohlebetrieben, es sei besser, kontrolliert zu fluten, als den Schacht seinem Schicksal zu überlassen. »Einige Bergwerke«, so Smyslow, »sind bereits geflutet, da sie durch die Kampfhandlungen in Mitleidenschaft gezogen wurden.« In dem mit Yunkom vernetzten Nachbarschacht Poltawskaja sei das Wasser um 2,5 Meter gestiegen. »Schon deswegen könnte es zu einem unkontrollierten Austreten von Wasser in Richtung des Bergwerkes Yunkom kommen«, so Smyslow. In diesem Fall könnten 200 Kubikmeter die Stunde unkontrolliert abfließen. Vor diesem Hintergrund habe man sich für eine kontrollierte Flutung ab dem 14. April entschieden.

Gegenüber »nd« warnte Michail Volynetz, Chef der »Unabhängigen Gewerkschaft der Bergarbeiter der Ukraine«, vor der Flutung. In direkter Nachbarschaft sei in dem ebenfalls stillgelegten Schacht Alexander-Sapad im Dezember 1989 ein Lager mit dem leicht entflammbaren und hoch toxischen Nervengift Mono- nitrochlorbenzol explodiert, wobei über 200 Arbeiter so schwer verletzt wurden, dass sie Zeit ihres Lebens Invaliden bleiben werden.

Laut Volynez könnte sich das radioaktive Wasser von Yunkom mit dem chemisch verunreinigten Wasser von Alexander-Sapad vereinen. Diese hochgiftige Brühe könnte spätestens nach einem halben Jahr im Fluss Siwerskiyi Donez ankommen. Und der gilt derzeit noch als beliebtes Ziel von Anglern.

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