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U-Boot-Jagd im Mittelmeer

NATO-Militärs und ihre russischen Kollegen messen ihre Kräfte in Syrien - eine politische Lösung ist nicht in Sicht

  • Von René Heilig
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das UN-Food-Programme versorgt im Jahresdurchschnitt 5,5 Millionen Menschen in Syrien mit den nötigsten Nahrungsmitteln. So könne man zumindest »den Kindern bieten, was sie brauchen, und auch gewisse Lücken füllen, sodass die Menschen ihre Heimat nicht verlassen«, erklärte David Beasley, Chef des World Food Programme am Mittwoch im Deutschlandfunk. Das UN-Food-Programme sucht dringend Spender. Man habe, so Beasley, im Moment nur zwei Drittel der benötigten Mittel, um die nächsten sechs Monate abdecken zu können.

Noch vor 30 oder 60 Tagen sei er »naiv genug« gewesen zu hoffen, dass der Syrien-Krieg bis Jahresende beigelegt sein könnte. Jetzt sei er sich »nicht mehr sicher« - und mit aller durch sein Amt gebotenen Vorsicht bezeichnet der US-Republikaner und einstige Gouverneur von South Carolina den Raketenangriff der USA, Frankreichs und Großbritanniens auf Syrien am Samstag als eine »Eskalation«, die die Lage »bis zu einem gewissen Punkt verschärft« habe.

Die Angreifer selbst jedoch, unterstützt von weiteren NATO- und EU-Staaten glauben, dass ihre Raketen Syrien einer politischen Lösung näher gebracht haben. Doch ein von Frankreich vorgelegter Entwurf einer neuen UN-Resolution zum Syrien-Konflikt hat keine Chancen auf Erfolg. Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja beschied, die Vorschläge würden schon von bestehenden Resolutionen gedeckt und müssten schlicht umgesetzt werden. Kann Deutschland, das die westliche Attacke zwar begrüßte, doch sich militärisch aus dem völkerrechtswidrigen Angriff heraushielt, mehr bewirken? Zumindest will sich Bundeskanzlerin Angela Merkel »in absehbarer Zeit« mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen. Dabei stehe das Thema Syrien auf der Tagesordnung.

Was vor sieben Jahren als syrischer Bürgerkrieg begonnen hat, ist längst ein internationalisierter Konflikt von globaler Bedeutung. Insbesondere durch hemdsärmlige Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der vor dem Angriff Russland direkt herausgefordert hat, sehen sich Militärexperten des Westens wie Russlands zum nicht nur theoretischen Muskelspiel herausgefordert.

Erstmals seit Jahren haben die USA und Russland einen Teil ihrer militärischen Kapazitäten wieder einmal im direkten Duell vergleichen können. Man testet, wie wirksam sogenannte Abstandswaffen sind, bei denen die Angreifer sich nicht in den Feuerbereich von Verteidigern begeben müssen. Neben den erprobten Cruise Missiles, die von US-Navy-Schiffen abgefeuert wurden, hat die US-Luftwaffe erstmals 19 JASSM-ER-Marschflugkörper von B-1-Bombern gestartet. Sie werden von Lockheed-Martin produziert und haben mit über 900 Kilometern fast die doppelte Reichweite ihrer Vorgänger. Für Kriegsspieler ist bedeutsam, dass man so beispielsweise aus dem Ostsee-Luftraum Moskau erreichen kann.

Dort wiederum hat man die Wirksamkeit der in Syrien stationierten Aufklärungssysteme gegen anfliegende Marschflugkörper analysiert. Auch US-Generale sind durchaus beeindruckt. Sie dementieren nicht direkt, das von den 105 gestarteten Marschflugkörpern der USA, Frankreichs und Großbritanniens 71 abgeschossen wurden. Und zwar ohne dass die modernsten russischen Boden-Luft-Raketen S-400 eingesetzt wurden. Selbst die aus dem Abschuss einer malaysischen Verkehrsmaschine über der Ukraine unrühmlich bekannten BUK-Raketen trafen. Auch die S-125- und Strela-10-Systeme sollen sich bewährt haben. Besonders stolz ist Moskau auf die an Syrien gelieferten hochmodernen Panzir-Systeme - mit 25 gestarteten Abwehrraketen vernichtete man 23 anfliegende Marschflugkörper.

Wie gefährlich solche amerikanisch-russischen Konfrontationen (auf dem Rücken anderer Nationen) sind, zeigt ein Vorfall im Mittelmeer, der in Moskau kolportiert und in London nicht dementiert wird. Danach soll die russische Marine in der vergangenen Woche mit einem britischen U-Boot der Astute-Klasse »Katz und Maus« gespielt haben. Beteiligt waren russische Fregatten, ein Iljuschin-Aufklärungsflugzeug sowie vermutlich zwei russische U-Boote der Kilo-Klasse. Die hätten das britische Boot so lange und intensiv gejagt, bis das alles Versuche aufgab, seine Marschflugkörper gegen Syrien zu starten. Was wie ein Filmesujet anmutet, kennt man aus dem vergangenen Kalten Krieg, der mehrmals kurz davor stand, in einen atomaren Weltbrand abzugleiten.

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