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Mit dem Bauch gewonnen

Dresden siegt im Abstiegsduell zweier Traditionsvereine in Kaiserslautern mit 1:0

  • Von Christoph Ruf, Kaiserslautern
  • Lesedauer: 3 Min.

Als Schiedsrichter Daniel Siebert die Partie abpfiff, explodierte die Gästekurve im ordentlich gefüllten Fritz-Walter-Stadion: Die Dresdener Fans feierten einen 1:0-Sieg, der Dynamo zumindest eine Gewissheit einbringt: Direkt absteigen wird man nach Lage der Dinge nicht mehr, zu groß ist der Sechs-Punkte-Abstand auf den Vorletzten aus Darmstadt.

Zum Zurücklehnen besteht allerdings kein Anlass, denn nach wie vor beträgt der Abstand auf den Relegationsrang, den derzeit der FC St. Pauli belegt, nur drei Punkte. Der FCK hingegen ist nach der Heimniederlage so gut wie abgestiegen. St. Pauli müsste alle drei ausstehenden Spiele verlieren - und die Pfälzer alle drei gewinnen, um den Abstieg noch abzuwenden. Darauf, dass das passieren könnte, deutete am Sonntag nichts hin. Dass die Qualität nicht für ein weiteres Jahr zweite Liga reicht, wurde abermals deutlich. Mindestens ein Verein, der über Jahrzehnte fester Bestandteil der Bundesliga war, wird also wohl nächste Saison drittklassig sein. Weitere könnten mit ihm gehen, denn die Partie passte bestens zur Dynamik in dieser Saison, in der auch andere große Traditionsvereine wie St. Pauli, Union Berlin oder Darmstadt 98 in Abstiegsgefahr schweben.

Doch das war nicht die einzige Parallele zwischen den beiden Kontrahenten vom Sonntag: Bei beiden Vereinen steht die Allianz zwischen Fanszene und Mannschaft auch in der derzeitigen prekären Lage. Statt branchenüblicher Slogans (»Wir woll’n euch kämpfen seh’n«) und Verwünschungen unterstützen beide Fanszenen ihre Teams seit Wochen nach Kräften. 3000 Lautern-Fans waren bei den letzten beiden Auswärtsspielen in Bochum und Duisburg. Und in Lautern drückten gut 4000 der insgesamt 26 851 Zuschauer den Sachsen die Daumen. Dynamo hat zuletzt zudem auch auf der administrativen Ebene Prinzipientreue bewiesen und sich zu Trainer Uwe Neuhaus bekannt. Der besonnene Westfale sprach nach dem Spiel ungewohnt euphorisch von einem »Sieg der Leidenschaft«, um sogleich einzuschränken, dass die dem Gegner natürlich auch nicht gefehlt habe.

Dresden war im niveauarmen Sechs-Punkte-Spiel das spielerisch bessere Team, das zudem die klareren Chancen hatte. In der 13. Minute musste FCK-Keeper Marius Müller per Fußabwehr einen Schuss von Rico Benatelli abwehren. Dann scheiterte Niklas Kreuzer mit einem Gewaltschuss an Müller, der erneut gut reagierte (36.). Auch die Gastgeber taten zwar alles, um die Minimalchance auf den Klassenerhalt zu wahren. Am Einsatz lag es nicht, wenn der FCK sich nach diesem Spiel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus der Liga verabschiedet. An der Qualität aber durchaus, die beste Chance der Gastgeber war ein Schuss von Lukas Spalvis, der von Christoph Moritz schön angespielt worden war. Doch auch dieser Ball kam nicht aufs Tor, Dresdens Florian Ballas blockte ihn ab (43.). Wirklich zwingende Chancen blieb der FCK auch im zweiten Durchgang schuldig. Ein Schuss von Philipp Mwene (48.), der ebenso deutlich übers Tor ging wie ein Abschluss von Sebastian Andersson (69.) - das war’s. Cleverer stellte sich Dynamo an, das in der 79. Minute durch Erich Berko das Tor des Tages erzielte. Nach Zuspiel von Pascal Testroet schoss der Angreifer zunächst Müller an, per Abpraller an Berkos Bauch landete der Ball dann aber im Lauter Tor. Dass das kuriose Tor die Partie entschied, freute niemanden mehr als Marco Hartmann: »Ich dachte schon, jetzt kippt das Spiel«, freute sich der Dresdener Kapitän, der in der 84. Minute zu Unrecht mit gelb-rot vom Platz gestellt worden war - de facto hatte Lauterns Halil Altintop den Dresdener gefoult und nicht umgekehrt. »Umso glücklicher bin ich, dass die Jungs das über die Zeit gebracht haben.«

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