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Flugzeuge und Schiffscontainer sind nichts für die Rente

Grauer Kapitalmarkt

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

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Was viele Kleinanleger vergessen: Hohe Renditeversprechen bergen immer auch ein hohes Risiko. Und das kann eintreten! Wie kürzlich bei einem Vermittler von Seecontainern, der ausgerechnet aus Grünwald bei München stammt und ein Milliardenloch hinterlässt.

Die Pleite des größten Containervermittlers schockt die kleinen und großen Anleger in Deutschland. Zum Opfer der Insolvenz von P&R wurden mehr als 50 000 »Investoren«. Vom Untergang bedroht sind bis zu 3,5 Milliarden Euro. Doch der Vermittler von Container-Investments ist kein Einzelfall.

4,2 Milliarden Euro investiert

Dies zeigt ein Blick auf ein anderes Anlagevehikel: Über Hunderttausend Anleger haben trotz Einführung verschärfter Regeln insgesamt 4,2 Milliarden Euro in 123 geschlossene Publikumsfonds investiert. Das sind die Eckdaten einer Bilanz, die besser ausfällt, als von vielen »Marktteilnehmern« erwartet wurde, berichtet der Finanzanalyst Stefan Loipfinger in seiner neuesten »Marktanalyse der Geschlossenen Publikums-AIF 2018«. Seit vier Jahren zeigt die Umsatzkurve dieser riskanten Geldanlagen wieder nach oben.

Vor allem der Zuwachs im Vorjahr von 19 Prozent auf über 1,5 Milliarden Euro stimmt Loipfinger und seine Branche zuversichtlich. »Geschlossene inländische Publikums-AIF« haben zwar bei Weitem nicht mehr die Bedeutung wie die geschlossenen Fonds bis zur Finanzkrise 2007/2008 hatten, als jährlich zwischen 10 und 12 Milliarden Euro von den Finanzdienstleistern eingesammelt werden konnten.

Allerdings ist die Produktpalette von heute eine andere: War sie früher mit Schiffsfonds, Windkrafträdern oder spekulativen Unternehmensbeteiligungen (»Private Equity«) groß, dominieren heute Immobilien die Fondsszene.

Getrieben vom billigen Geld, mit dem die Zentralbanken die Finanzmärkte fluten, sind neben Aktien, normalen Investmentfondsanteilen und Zertifikaten auch mehr oder weniger unternehmerische Beteiligungen (wie eben geschlossene Fonds) stark im Kommen.

Der tiefe Fall von P&R

Ein »geschlossener Fonds« ist ein Investmentfonds, bei dem eine feststehende Anzahl von Anteilen oder eine feststehende Kapitalsumme von einem Anbieter »eingeworben« wird. Der Unterschied zu »offenen« Investmentfonds: Die Anteile an geschlossenen Fonds können nicht vor Laufzeitende zurückgegeben werden. Außerdem können die Anleger im schlechtesten Fall sogar gezwungen sein, Geld nachzuschießen.

Wie riskant solche unternehmerischen Beteiligungen sind, belegte in der Vergangenheit der »alternative« Windanlagenbetreiber Prokon. Und nun folgt die noch größere Pleite von P&R. Mehrere Gesellschaften des Containervermittlers aus München meldeten im März Insolvenz an. Im Feuer stehen jetzt 3,5 Milliarden Euro.

Der Plan ging nicht auf

P&R hatte Container zur privaten Geldanlage angeboten. Zehntausende Anleger kauften von den Bayern diese Boxen. P&R vermietete sie für einige Jahre an Leasinggesellschaften und Transportindustrie. Dafür wurde dem Anleger auf seinem Konto eine Miete gutgeschrieben. Am Ende der Vertragslaufzeit soll P&R die Container dann zurückkaufen.

So der Plan, der lange - das Unternehmen wirkt seit 1975 - aufging. Doch nun kann P&R die Container weder zurückkaufen noch die Mietzahlungen aufbringen. Wie viel Geld die Anleger zurückerhalten, wird noch lange offen bleiben. Die Abwicklung von P&R dürfte sich über Jahre hinziehen.

Alternative Investments wie in Container oder geschlossene Fonds sind nichts für die Rente. Verbraucher sollten bei solch risikoreichen Anlagen sehr vorsichtig sein, warnen Verbraucherschützer: »Diese sind für die Altersvorsorge für die meisten Menschen nicht geeignet«, so ein Sprecher der Verbraucherzentrale Sachsen.

Seit einer 2014 von der Großen Koalition beschlossenen Reform müssen sowohl Anbieter als auch Vermittler verschärfte Auflagen erfüllen. Die strengeren Regeln etwa im Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) sollten Kleinanleger jedoch nicht in Sicherheit wiegen.

Auch mit dem Kleinanlegerschutzgesetz von 2015 erhielt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zwar mehr Befugnisse und Sanktionsmöglichkeiten gegen Anbieter und Vermittler. Die Finanzaufsicht kann das Angebot von Vermögensanlagen bei Verstoß gegen gesetzliche Bestimmungen untersagen.

Doch in der Praxis werben Anbieter weiterhin mit hohen Renditen von 5 oder 6 Prozent, teilweise sogar (für Holz-Investments) zweistellig. Hohe Renditeversprechen bedeuten aber immer auch ein hohes Risiko für den Sparer!

Verbraucherschützer warnen

Seit Jahren weist der Bundesverband der Verbraucherzen-tralen (vzbv) in Berlin darauf hin, »dass Produkte des grauen Kapitalmarktes ohne transparente Preisbildung etwa an einer Börse nicht an Privatanleger verkauft werden sollten«. Für Verbraucher ohne professionelle Kenntnisse, so vzbv-Chef Klaus Müller in einem Interview mit dem »Handelsblatt«, seien Produkte auf diesem Markt »zu komplex und bergen zu hohe Risiken«. Ein aktiver Vertrieb sollte verboten werden.

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