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»Wir sind wieder auf Augenhöhe«

Schwerins Trainer prognostiziert im Finale um die Volleyballmeisterschaft gegen Stuttgart weitere enge Spiele

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 5 Min.

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Wie groß ist die Euphorie nach dem Sieg in Spiel eins der Finalserie gegen Stuttgart?

Nach so einem Spiel ist die Stimmung natürlich sehr gut. In den ersten vier Sätzen ging das Momentum hin und her. Und dann war Satz fünf das i-Tüpfelchen und hochdramatisch. Ständig wechselte wieder die Führung, bis Stuttgart auf 12:9 wegzog. Doch dann haben wir das glückliche Händchen, dass wir Jelena Oluic am Aufschlag einwechseln, die dann die Partie zum 15:12 dreht. Da haben wir jeden Ball verteidigt, geblockt, konsequent zurückgebracht. Das war ganz großes Kino und der Start, den wir uns erträumt haben. Trotzdem wissen wir alle, dass es nur eins von eventuell fünf Spielen war.

Schon 2017 hieß das Finalduell Schwerin gegen Stuttgart. Wie hat sich das Niveau beider Mannschaften seitdem verändert?

Nach der Hauptrunde war Stuttgart diesmal Erster und wir Dritter. Wir hatten einen Umbruch in der Mannschaft nach dem Titel im letzten Jahr. Es dauerte ein bisschen, bis die Gruppe als Mannschaft wieder zusammenfand. Stuttgart hat sich auf dem Spielermarkt stark verstärkt und meines Erachtens die beste Mannschaft, man je hatte. Dementsprechend liegen wir enger zusammen.

Leistungsträgerinnen wie Maren Brinker und Lenka Dürr verließen Schwerin vor der Saison. Konnten Sie sie gleichwertig ersetzen?

Wir haben es geschafft, das gut zu kompensieren. Ich würde nicht »ersetzen« sagen, weil es um mehr geht als nur um sportliche Fähigkeiten. Maren und Lenka waren Persönlichkeiten, die wichtige emotionale Dinge für das Team geleistet haben. Jetzt haben andere Spielerinnen mehr Verantwortung mitbekommen. Außerdem haben natürlich auch wir neue Kräfte verpflichtet, um die sportlichen Lücken zu schließen, auch wenn Spielerinnen wie Greta Szakmáry aus Ungarn jünger und international viel unerfahrener sind. Aber die machen das gut, und ich glaube, wir sind jetzt mit Stuttgart auf Augenhöhe, so dass es eine sehr spannende Finalserie sein wird. Sie wird mindestens vier Spiele wenn nicht sogar die maximalen fünf dauern.

War Platz drei nach der Hauptrunde befreiend, weil Sie mal nicht in der Favoritenrolle waren?

Gegen wen wir auch spielen, Schwerin ist immer Favorit. Das ist schon kurios. Selbst die Wettbüros sahen uns vor dem Finale vorn, obwohl Stuttgart den Heimvorteil hatte. Der Druck lastet also immer auf uns. Das heißt aber auch, dass alle Mannschaften viel Respekt vor uns haben.

Im Sommer läuft der Vertrag von Jennifer Geerties aus. Verlässt dann die nächste deutsche Leistungsträgerin Schwerin? Sie ist eine junge Spielerin, die vielleicht sagt: »Jetzt war ich ein paar Jahre an der Spitze der Bundesliga, nun will ich mal ins Ausland gehen.«

Damit haben Sie die Lage ganz gut umschrieben. Wir möchten mit Jennifer verlängern, sind im Gespräch mit ihrem Agenten, aber davor sind wir nie gefeit. Die Bundesliga hat sich verbessert, besonders im Frauenbereich mit den regelmäßigen Fernsehübertragungen. Trotzdem sind Ligen in Italien oder der Türkei finanziell viel finanzkräftiger. Viele reizt es, auch mal eine andere Kultur kennenzulernen. Das ist ein normaler Werdegang. Ebenso kommen ja Spielerinnen von anderen deutschen Vereinen zu uns, wenn sie den nächsten Schritt gehen wollen. Wenn dann unsere Spielerinnen die Möglichkeit bekommen, in die Topligen zu gehen, macht uns das in gewisser Weise auch stolz. Dort wird dann geboten, was wir eben nicht mehr bieten können.

Ist die Bundesliga nur besser, weil mehr Ausländerinnen verpflichtet wurden, oder hat sich auch das Niveau der deutschen Spielerinnen weiterentwickelt?

Es ist ein Mix aus allem: Teams eins bis zehn sind mittlerweile alles Profimannschaften. Die trainieren zweimal am Tag, haben gute Betreuerteams, stellen sich medial besser dar. Sie schaffen es zudem, aufstrebende deutsche Spielerinnen zu etablieren und weiterzuentwickeln. Dazu hat man noch bessere Ausländerinnen verpflichtet. Wir sehen viel mehr Nationalspielerinnen aus anderen Nationen. Mannschaften wie Vilsbiburg werden Achte, obwohl sie sechs Nationalspielerinnen auf dem Feld hatten. Ich hoffe, dass durch das Fernsehen der Finanzrahmen der Vereine noch weiter angehoben werden kann, so dass wir vielleicht an Nationen wie Italien, Russland oder die Türkei ein wenig dichter herankommen.

Ende September beginnt die WM in Japan. Wird der Aufschwung dem Nationalteam zugute kommen?

Wir haben ein paar interessante junge Spielerinnen für den Sommer eingeladen, die sich gut präsentiert haben. Aber es wird ihre erste internationale Erfahrung sein. Für die WM haben wir schwere Gegner zugelost bekommen. Aber ich glaube, wir können noch mal einen Schritt nach vorne kommen, wenn wir die richtige Euphorie in der Gruppe verbreiten.

Die Männer haben ihre WM verpasst. Erhöht das den Druck auf Sie, jetzt Ergebnisse liefern zu müssen?

Ich glaube, das erhöht erst mal den Druck auf den Männer-Bundestrainer (lacht). Nein im Ernst, der Verband wird nun sicher besonders hoffen, dass wir eine sehr gute WM spielen, aber der Präsident würde nie von mir fordern, irgendwelche Kohlen aus dem Feuer zu holen. Alle wissen, dass wir Trainer und Spielerinnen immer alles geben und bis jetzt noch nie ein Turnier gespielt haben, bei dem wir unter unseren Möglichkeiten geblieben sind. Selbst der Umstand, dass an der Platzierung Fördergelder vom DOSB und dem BMI hängen, wird nicht an die Mannschaft weitergereicht. Für uns geht es nur um den sportlichen Erfolg, und dass wir Deutschland gut repräsentieren wollen.

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