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Zweimal geschossen, zweimal geklingelt

Der FC Bayern hadert nach der Heimniederlage in der Champions League gegen Madrid mit der eigenen schlechten Chancenverwertung - und der umso besseren von Real

  • Von Klaus Bergmann und Manuel Schwarz, München
  • Lesedauer: 4 Min.

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Trotz, Wut, Selbstanklagen. Die auch personell sehr schwer getroffenen Bayern kämpften nach dem nächsten Heimaussetzer gegen ihren neuen Angstgegner Real Madrid mit ihren Gefühlen. Die Münchner mussten dem Titelverteidiger um Weltstar Cristiano Ronaldo nach dem 1:2 (1:1) keineswegs zu einer finalwürdigen Champions-League-Leistung gratulieren. Sie mussten sich vielmehr selbst als »naiv« anklagen, wie es der einzige Torschütze Joshua Kimmich am Mittwochabend auch tat.

»Das Wichtigste, was im Fußball zu tun ist, haben wir nicht gemacht: Tore schießen. Es ist auch Wut dabei auf uns selbst«, sagte Kapitän Thomas Müller. Drastische Worte wurden nach dem Halbfinalhinspiel gewählt, dass vor der Revanche in Madrid Qualitätsfragen aufwarf. »Jetzt müssen wir uns aufrichten - und dann schauen wir am Dienstag in Madrid, ob wir den Arsch in der Hose haben«, knurrte Müller.

Emotional ging es zu, als selbst die innerlich aufgewühlten Bayern-Bosse sprachlos in die Umkleide trotteten. »Es gab aber keinen negativen Kommentar in der Kabine, dass wir es verkackt hätten«, sagte Verteidiger Niklas Süle, der »die Eiertore« von Real beklagte und trotzig verkündete: »Ich habe in München nicht oft so ein schwaches Real gesehen. Wir können auch im Bernabéu-Stadion ein Riesenspiel machen.« Franck Ribéry, der mit 35 Jahren noch mal viel Dampf gemacht hatte, äußerte sich martialisch: »Die Schlacht ist verloren, aber der Krieg ist nicht vorbei.« Ein Riesenspiel gelang den Bayern auch nach dem 1:2 im Vorjahr im Viertelfinale in Spaniens Hauptstadt - zumindest bis zur Verlängerung. Ist das wiederholbar - diesmal sogar mit Happy End? Nicht nur das Hinspielergebnis verschaffte Real »einen großen Vorteil«, zeigte sich Bayerns Trainer Jupp Heynckes eher skeptisch. »Wir waren nicht effizient und haben Geschenke verteilt. Aber wir werden in Madrid alles versuchen.«

Die Ausgangsposition hat sich durch drei Verletzte zudem radikal verschlechtert: Jérôme Boateng erlitt eine Muskelverletzung, fällt kurz vor der WM wochenlang aus. Arjen Robben humpelte schon kurz nach Spielbeginn vom Rasen und griff sich in die Leiste. Javi Martínez musste außerdem nach einem Schlag auf den Kopf vom Platz. »Er war benebelt«, berichtete Sportdirektor Hasan Salihamidzic. »Es nimmt uns Optionen«, sagte Müller mit Blick auf das Rückspiel zumindest in Bezug auf Boateng und Robben.

Also wurden Durchhalteparolen bemüht: »Man sieht in den K.o.-Spielen der Champions League, welche verrückten Dinge passieren. Insofern ist alles offen«, sagte Müller. Juventus Turin hatte im Viertelfinale sogar 3:0 in Madrid geführt, bevor es unglücklich ausschied. AS Rom gelang ein Wunder gegen den FC Barcelona. »Da sehen Sie, dass man nie aufgeben darf«, erklärte Heynckes, der als Trainer bislang immer ins Endspiel der Königsklasse eingezogen ist.

Die Bayern hätten gewinnen können. »Wir haben nicht unser bestes Spiel gezeigt«, gab auch Madrids Toni Kroos zu. Ronaldo war untergetaucht, doch Marcelo und Marco Asensio erledigten diesmal nach dem Münchner 1:0 von Kimmich das Toreschießen. »Sie haben zweimal nach unseren Fehlern getroffen, aber so sind sie nun mal«, bemerkte Münchens James Rodríguez über seine Ex-Kollegen. Bei Bayern versagte Robert Lewandowski. Der Torjäger vergab zwei Großchancen. Wortlos verließ er danach verärgert die Arena.

Madrid bot ungewohnt viel an, die Münchner aber nahmen das nicht an. München bot seinerseits wenig an, aber Madrid nutzte die Möglichkeiten. »Wenn eine Mannschaft gefühlt zweimal aufs Tor schießt und es zweimal klingelt, ist das Qualität«, bemerkte Kimmich anerkennend. »Das Ergebnis ist glücklich, aber die Tore musst du erst mal machen«, bemerkte Kroos.

2012 schafften die Bayern mit Trainer Heynckes in Madrid nach einem dramatischen Elfmeterschießen den Einzug ins »Finale dahoam«. Und unter Heynckes gab es vor 30 Jahren auch das »Wunder von Mailand«, als die Bayern im UEFA-Pokal nach einem 0:2 daheim gegen Inter Mailand auswärts 3:1 gewannen. »Am Schluss wird abgerechnet«, betonte der 72-Jährige auch dieses Mal. dpa/nd

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