Werbung

Das Müther-Ufo ist gerettet

Mecklenburg-Vorpommern: Rettungsturm und Kurmuschel auf Rügen vor dem Verfall bewahrt

  • Von Martina Rathke, Binz
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Ein Musikpavillon in Muschelform, ein Rettungsturm im Ufo-Look: Zwei Bauwerke des Schalenbetonbaumeisters Ulrich Müther (1934-2007) sind auf seiner Heimatinsel Rügen (Mecklenburg-Vorpommern) vor dem Verfall bewahrt worden. Müthers Bauten seien ein Beleg dafür, dass auch in der DDR anmutig, grazil und verspielt gebaut wurde, sagte der Geschäftsführer der Wüstenrot-Stiftung, Philip Kurz, am Mittwoch. Die Stiftung stellte für die Sanierung beider Gebäude rund 700 000 Euro bereit. Die Bauten waren durch die salzhaltige Luft, Wind und Sand sowie bauphysikalische Probleme in den vergangenen Jahrzehnten stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Der weiße Rettungsturm der Binzer Strandwache mit seinen abgerundeten Kanten wurde 1981/82 erbaut, der futuristisch anmutende Musikpavillon in Sassnitz in den Jahren 1986 bis 1988. Beide Bauten sind sogenannte Hyparschalen - dünne Betonkonstruktionen, die große Spannweiten erlaubten. Diese Konstruktionen seien extrem arbeitsaufwendig, aber auch extrem Material sparend gewesen, sagte Kurz. »Müthers Bauten sind nicht nur cool, sondern eine wertvolle Hinterlassenschaft der DDR-Architektur.«

Der in Binz geborene Bauingenieur Müther setzte der Nüchternheit des DDR-Betonplattenbaus kühn geschwungene Entwürfe entgegen. Seine gekrümmten Schalenbauwerke erlangten internationale Beachtung. Müthers Konstruktionen verkörpern nach Angaben der Stiftung eine bedingungslose Moderne, mit der sich der Staat gerne repräsentiert sah - auch im Ausland. Seine Bauten stehen beispielsweise in Libyen, Jordanien und Kuba oder wurden - wie das Planetarium in Wolfsburg - noch vor dem Fall der Mauer in der Bundesrepublik errichtet. Weltweit entstanden 74 Müther-Bauten. Nach Angaben des Leiters des an der Hochschule Wismar angesiedelten Müther-Archivs, Matthias Ludwig, wurden inzwischen rund 30 Bauten abgerissen, darunter das bekannte »Ahornblatt« im Jahr 2000 in Berlin.

Auch die beiden Müther-Bauten auf Rügen waren stark beschädigt. Da der Rettungsturm ohne Dämmung der Betonschale erbaut worden sei, kondensierte von Beginn an im Inneren die Feuchtigkeit, es entstand Schimmel mit der Folge, dass Holzeinbauten und Oberflächenbeschichtung zerstört wurden. Eine Lüftungsanlage und dünne Heizfolien an den Betonschalen sorgen nun für ein gesundes Raumklima, mit dem der Schadenskreislauf durchbrochen werden soll. Der Rettungsturm gilt als Experimentalbau. Die beiden Betonhalbschalen sind an der dünnsten Stelle nur drei Zentimeter stark.

Mit der Instandsetzung des Rettungsturms und der Kurmuschel auf Rügen soll das bauliche Erbe Müthers wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken. Den Rettungsturm in Binz will die Gemeinde ab Mai wieder als Standesamt-Außenstelle für Hochzeiten nutzen. Auch der Musikpavillon in Sassnitz soll wieder als Veranstaltungsort für Konzerte dienen.

Müthers Prinzip des Schalenbaus erlebt nach den Worten des Wismarer Architekturprofessors Matthias Ludwig an Hochschulen inzwischen wieder ein Revival, ist aber noch nicht im Bauwesen angekommen. Wegen des großen Herstellungsaufwandes sei diese Konstruktionsweise vor etwa 30 Jahren nicht weiter verfolgt worden. Zunächst musste eine formgebende Matrize konstruiert werden, auf die dann der Baustoff im Betonspritzverfahren aufgetragen wurde. Inzwischen gebe es industrielle Techniken zur Herstellung der Schalen, sagte Ludwig. dpa/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!