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»Die Natur erreichen zu wollen, wäre Thorheit ...«

Im thüringischen Gera kümmert sich ein Förderverein um das Erbe des Malers Heinrich Reinhold (1788-1825), eines Sohnes der Stadt

  • Von Doris Weilandt, Gera
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Bilder des Landschaftsmalers Heinrich Reinhold (1788-1825) waren im 19. Jahrhundert ungewöhnlich. Der im thüringischen Gera geborene Künstler wählte besondere Ausschnitte auf Bergrücken, Baumgruppen oder Architektur. Nur selten erscheinen Menschen vor gewaltiger Kulisse - klein und unscheinbar.

Während Künstler seines Umkreises, Joseph Anton Koch etwa oder Friedrich Olivier, Waldidyllen malten, in denen Kühe weiden und ganze Familien im Schatten großer Bäume ruhen, beschränkte sich Reinhold auf sein subjektives Empfinden, das er in eindrückliche Kompositionen umsetzte. Es ging ihm aber auch nicht um ein Abbild der Natur, um eine möglichst präzise Wiedergabe. In diesem Jahr wird in Gera Reinholds 230. Geburtstag begangen.

Im November 1824 hatte der Künstler an seinen Bruder Gustav geschrieben: »Die Natur erreichen zu wollen, wäre Thorheit, wegen Mangel an Stoff und Material, und hier ist der Punkt, wo die Kunst eintritt, und mir die Mittel anzeigt, wie ich durch Gegensätze, kluge Aufopferung oder durch interessante Ideen und Composition diesem Mangel abhelfen kann, um doch eine angreifende Wirkung hervor zu bringen, die aber doch von der Natur sehr verschieden sein kann, oder wohl auch muß.« Diese eigenständige Art der Darstellung brachte ihm zu Lebzeiten hohe Wertschätzung. Für Karl Friedrich Schinkel, der Öl-Skizzen und Zeichnungen des Künstlers in Rom erwarb, wo Reinhold fünf Jahre lebte, gehörte er zu den wenigen Talenten, die etwas Außergewöhnliches zustande bringen konnten.

Reinhold stammt aus einer Geraer Künstlerfamilie. Den ersten Zeichenunterricht erhielt er von seinem Vater Johann Heinrich Leberecht Reinhold, der als Porträt- und Genremaler für das Haus Reuss und andere Herrscherhäuser tätig war. Auch seine beiden Brüder Philipp und Gustav wurden Maler. Nach einem Kunststudium in Dresden und Wien arbeitete er mehrere Jahre für den Generaldirektor der Pariser Museen, Dominique-Vivant Denon. 1819 ging Reinhold nach Rom.

Auf Studienreisen in den Süden, die er meist mit Malerfreunden unternahm, entstanden Öl-Skizzen im Golf von Neapel, auf Sizilien und im Latium. Sie zählen heute zu den herausragenden Arbeiten, die der nach schwerer Krankheit mit nur 36 Jahren verstorbene Künstler geschaffen hat. Der Nazarener Julius Schnorr von Carolsfeld schrieb: »Einen der allertüchtigsten unserer Genossenschaft haben wir vor kurzem verloren, den Landschaftsmaler Reinhold. Er gehörte auch als Mensch zu den Besten und Edelsten, darum haben wir seinen Verlust in jeder Hinsicht zu beklagen.« In seiner Geburtsstadt Gera ist Reinhold nicht vergessen. Die Kunstsammlung besitzt Arbeiten von ihm und hatte seinerzeit zum 200. Geburtsjubiläum mit einer Ausstellung an den früh vollendeten Maler erinnert.

Nun, anlässlich seines 230. Geburtstages, kümmerte sich der Förderverein des Kunstmuseums um die Restaurierung des Grabes auf dem berühmten Protestantischen Friedhof in Rom. Geschaffen hat das Denkmal der dänische Bildhauer Bertel Thorvaldsen im Auftrag des deutsch-römischen Künstlerkreises. In der Mitte des Steins befindet sich eine Bronzeplatte mit dem Porträt Reinholds. Nach erfolgter Restaurierung reisten Geraer nach Rom zu einer kleinen Gedenkfeier. Im Gepäck hatte sie eine neue Inschriftplatte mit den richtigen Lebensdaten des Malers. Denn offenbar waren seinem künstlerischen Freundeskreis, der sich 1825 für die Beerdigung sorgte, das Geburtsjahr und seine Herkunft nicht genau bekannt.

Die Direktorin des Friedhofs, Amanda Thursfield, hielt eine Gedenkrede vor den Geraern. Sie zeigte sich sehr beeindruckt von diesem Engagement. »Frau Thursfield hat unser Anliegen von Anfang an unterstützt und Handwerker vermittelt, die die Arbeiten fachgerecht ausführen konnten« erzählt Vereinvorsitzender Ulrich Schütt. Nach Gera zurückgekehrt, ließ der Förderverein am Geburtshaus von Reinhold eine Gedenktafel anbringen.

Wer das Werk des Künstlers näher kennenlernen will, muss sich noch bis Dezember gedulden. Die ursprünglich für Weimar und Hamburg geplante Schau wird nun aber nur in der Kunsthalle der Hansestadt zu sehen sein. Dort befindet sich der größte museale Bestand an Reinholds malerischen Werken.

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Das Blättchen Heft 20/18